Game of Thrones
Kit Harington als Jon Schnee und Emilia Clarke Daenerys Targaryen in der finalen Folge der achten GoT-Staffel. Bildrechte: imago images / Cinema Publishers Collection

Kritik Enttäuschendes Finale: Game of Thrones – Warum der Zauber verflogen ist

Knapp zwei Jahre hat die Fan-Gemeinde voller Spannung auf die finale achte Staffel von "Game of Thrones" (GoT) gewartet, dutzende Theorien über den Fortgang der Handlung diskutiert und über die große Frage gerätselt, wer am Ende auf dem eisernen Thron sitzt? Doch statt des ultimativen Wow-Effekts, dem spektakulären Abschluss der großen Saga, lässt die achte Staffel das TV-Publikum mit einem schalen Gefühl der Unzufriedenheit und vielen Fragen zurück. Was ist passiert? (Achtung: Wenn Sie die finalen Folgen noch nicht gesehen haben, hören Sie hier besser auf – Spoilergefahr.)

von Sabine Neumann-Queck, MDR KULTUR

Game of Thrones
Kit Harington als Jon Schnee und Emilia Clarke Daenerys Targaryen in der finalen Folge der achten GoT-Staffel. Bildrechte: imago images / Cinema Publishers Collection

Die Erwartungen waren hoch, sollte doch alles, was bis Staffel Sieben die Fan-Gemeinde hat stetig wachsen lassen, noch einmal übertroffen werden. In Teilen ist das auch gelungen.

Ein Fest fürs Auge

Das komplett neugestaltete Serien-Intro und die besondere, fast schon künstlerische Farbgestaltung der verschiedenen Handlungsorte waren ein Fest fürs Auge. Und natürlich hat jeden Fan das Wiedersehen mit seinen Lieblingscharakteren erst einmal beglückt.

Game of Thrones
Daenerys brennt mit ihrem Drachen eine ganz Stadt nieder, um auf den eisernen Thron zu kommen. Bildrechte: imago images / Cinema Publishers Collection

Ganz in bester GoT-Tradition schaffte es auch Staffel Acht, emotionale Kehrtwendungen auszulösen, die Gefühle für einzelne Figuren von einem Ende der Gefühlsskala ans andere zu katapultieren: So ist es unglaublich beklemmend, wenn Hoffnungsträgerin Daenerys im Streben nach dem Thron die Hauptstadt Königsmund mit all ihren Bewohnern niederbrennt und seltsam tragisch, wenn die verhasste Regentin Cersei am Ende gebrochen und ängstlich in den einstürzenden Trümmern ihrer Burg steht und einfach nur noch eine schwangere Frau ist, die fleht, dass ihr Kind überleben kann.

Cersei endet unter Trümmern – Echt?!

Cerseis Tod zeigt jedoch auch beispielhaft die Schwäche des Serienfinales. Handlungsstränge, die über mehrere Staffeln hinweg entwickelt wurden, deren dramaturgische Inszenierung nie vorhersehbar war, wurden jetzt abrupt, teilweise fast schon banal beendet. Es gehörte zum GoT-Schauen dazu, mit Freunden und Familie zu fachsimpeln, wie welche Einzelgeschichte wohl weitererzählt werden wird, auf welche Weise die Oberschurken ihre gerechte Strafe bekommen. Joffrey Baratheon, Ramsay Bolton, "Kleinfinger" Petyr Baelish – jeder von ihnen hatte ein grandioses Ende. Und Cersei wird nun von einstürzenden Trümmern erschlagen? Echt?!

Als Nachtkönig und Weißer Wanderer verkleidete Männer
Das Motiv des Nachtkönigs und der Weißen Wanderer bleibt bis zuletzt ungeklärt. Bildrechte: imago/Future Image

Für einen DER Haupthandlungstreiber, den Nachtkönig, nimmt sich Staffel Acht überhaupt keine Zeit. Die große Bedrohung aus dem Norden, die von Staffel Eins an zunehmend wuchs, die das Spiel um den Thron zeitweise sogar überdeckte und zu unerwarteten Bündnissen führte, bleibt am Ende völlig offen. Ja, es ist ohne Zweifel Arya Starks großer Auftritt, wenn sie sich mutig auf ihn stürzt und niederstreckt. Aber als Zuschauer fragt man sich: Und jetzt? Es gibt keine Auflösung, was genau das Ziel des Nachtkönigs war, warum die Weißen Wanderer ein riesiges Heer der Toten geschaffen und gen Süden gezogen sind. Die rote Priesterin Melisandre, eine weitere mächtige Protagonistin, die im Glauben an den Herrn des Lichts agierte, wählt nach dem Sieg über den Nachtkönig den Freitod. Die Antwort auf die Frage, was aus ihren Zielen wird, nimmt sie mit in den Tod.

Geschichte ohne Finale

Wer die Schlacht gegen den Nachtkönig und die Schlacht um Königsmund überlebt hat, wird am Ende geordnet seiner Bestimmung zugeführt: Sansa Stark als Königin des Nordens, Arya Stark auf den Weg ins Unbekannte, Jon Schnee zurück in den "wahren Norden". Der Kampf um den Thron endet mit einer Vernunftentscheidung – und so fühlt es sich auch an. Die Geschichte ist zu Ende erzählt, ein Finale ist es nicht.

Die Fans haben ihrer Enttäuschung und ihrem Ärger in den sozialen Netzwerken bereits reichlich Luft gemacht. Inzwischen gibt es sogar eine Petition, die erzwingen will, dass Staffel Acht noch einmal neu gedreht werden soll. Mehr als eine Millionen Menschen haben bislang unterzeichnet!

Zum Fantasy-Blockbuster verkommen: Ohne Plot und Seele

Game of Thrones
Sansa Stark als Königin des Nordens. Bildrechte: imago images / Cinema Publishers Collection

Was mancher befürchtete, ist leider eingetreten. Der Produktion ohne literarische Vorlage von George R.R. Martin fehlen der überzeugende Plot und die Seele. Stattdessen gab es diesmal deutliche Längen und es wurden riesige Materialschlachten inszeniert. Die Schlacht vor Winterfell gegen das Heer der Toten sollte angeblich große Produktionen wie die Schlacht von Helms Klamm aus "Herr der Ringe" in den Schatten stellen. Im Schatten blieb hier aber eher das GoT-Film-Set, allein mangels Licht sah man von der Schlacht nur die Hälfte.

GoT ist in Staffel Acht leider zum Fantasy-Blockbuster verkommen, wie man sie schon dutzendfach gesehen hat: Starke Bilder, schwache Handlung – unlogisch, vorhersehbar, leidenschaftslos.

Game of Thrones
Von der Schlacht gegen die Weißen Wanderer sah man aufgrund der dunklen Bilder wenig. Bildrechte: Imago/Helen Sloan/HBO/The Hollywood Archive Los Angeles

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 21. Mai 2019 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Mai 2019, 10:42 Uhr

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