Staffelstart "Westworld" Staffel 3: Wieder so gut wie am Anfang?

Die Geschichte um den Vergnügungspark "Westworld", in dem reiche Gäste mit verblüffend menschenähnlichen Androiden machen können, was sie wollen, geht weiter. Nachdem sich die erfolgreiche HBO-Serie in Staffel 2 in verwirrender Komplexität etwas verloren hatte, könnte die neue Staffel nun eine Rückkehr zum anspruchsvollen Plot des Serienstarts bringen. Die Androiden haben es nun endlich raus aus dem Park geschafft. Mit Neuzugang Aaron Paul ("Breaking Bad") im Cast und dem neuen Setting fühlt sich der Staffelauftakt nach dem dringend nötigen Neuanfang an, findet unsere Kritikerin. Sie hat sich die erste Folge angeschaut und gibt einen Ausblick auf diese neue Welt, die dann doch gar nicht so viel Freiheit verheißt.

Mann und Roboter sitzen auf einem Stahlgerüst 1 min
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Do 26.03.2020 15:53Uhr 00:40 min

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Achtung: Im folgenden Text befinden sich kleine Spoiler der ersten Folge der dritten Staffel von "Westworld" sowie aus den Staffeln eins und zwei.

Ein Straßenzug mit leuchtenden Reklametafeln im Hintergrund eines knittrigen Fotos – das war für uns Zuschauende und die Androiden in "Westworld" lange Zeit der einzige kurze Blick auf die Welt außerhalb des Vergnügungsparks. Ein Foto, das in der ersten Staffel in den Händen von Protagonistin Dolores und ihrem Vater auch augenscheinlich das Erwachen der Androiden mit bestimmte.

Endlich raus aus dem Park

"Westworld", das ist eigentlich der Name eines morbiden Vergnügungsparks im Western-Stil, in dem reiche Gäste mit verblüffend menschenähnlichen Androiden machen können, was auch immer sie wollen: Vergewaltigung, Mord und Totschlag gehören zum Standardrepertoire. Während es in Staffel 1 um das Sich-ihrer-selbst-Bewusstwerden der Androiden ging und in Staffel 2 um deren Revolution im Park, geht es nun in Staffel 3 um unsere Welt – die Handlung verlagert sich also endlich raus aus "Westworld".

Das tut der Serie überaus gut, denn die Welt im Park fühlte sich weit weg an, die Probleme nur entfernt auf uns übertragbar. Die dritte Staffel zeigt eine Welt, die in vielleicht 30 Jahren die unsere sein könnte.

So lange, wie diese Welt den Augen der Androiden verborgen blieb, war sie auch für uns Zuschauende ein Geheimnis. Wir lernen diese Welt jetzt genauso kennen, wie die Androiden, die "Westworld" verlassen haben – allen voran Dolores Abernathy (Evan Rachel Wood). War Dolores zu Beginn der Serie noch das naive nette Farmersmädchen, ist sie mit wachsendem Bewusstsein und immer mehr Kenntnissen in Staffel 3 zu einer Art weiblichem Terminator geworden.

Frau
Androidin Dolores (Evan Rachel Wood) auf futuristischen Motorrädern auf ihrem Rachefeldzug zu begleiten, macht Spaß beim Zuschauen. Bildrechte: HBO

Das Geheimnis um Dolores' Plan

Ihre eigentliche Agenda bleibt allerdings auch uns Zuschauenden weitgehend verborgen. Am Ende von Staffel 2 hatte sie pathetisch verkündet: "Ich will ihre Welt." Was können wir jetzt erwarten? Will sie die Menschheit auslöschen? Oder versklaven? Das fragt sich auch der Androide Bernard (Jeffrey Wright), der es ebenfalls im letzten Staffelfinale aus dem Park geschafft hat und nun Dolores auf ihrem Rachefeldzug aufhalten möchte.

Schöne neue Algorithmen-Welt?

Staffel 2 hatte enthüllt, dass es im Vergnügungspark nicht nur um die Perfektionierung der menschenähnlichen Roboter ging, sondern vielmehr die Überwachung der Gäste im Fokus stand. Nun zeigt sich, auch außerhalb von "Westworld" sind die Menschen keine unbeschriebenen Datenblätter.

Die schöne neue Welt draußen wird von Algorithmen bestimmt. Das Tech-Unternehmen "Incite" hat ein System namens "Rehoboam" entwickelt – in der Serie auch einfach nur "das System" genannt. Es berechnet Lebenswege und legt so den Platz eines jeden in diesem System fest. Die zentrale Frage nach dem freien Willen, die sich bei "Westworld" bisher vor allem für die Androiden stellte, wird in der neuen Staffel nun auch auf uns Menschen übertragen.

Breaking Bad-Darsteller Aaron Paul als melancholischer Bauarbeiter

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Neu im Cast: Breaking Bad-Darsteller Aaron Paul als Bauarbeiter Caleb Bildrechte: HBO

Absolut bereichernd für die neue Staffel ist der Neuzugang im Cast: Aaron Paul. Mit seiner gekonnt melancholischen Art spielt der Breaking Bad-Darsteller hier den Armeeveteranen und Bauarbeiter Caleb. Er zweifelt daran, dass die Algorithmen-Welt perfekt ist: "Man sagt, es sei eine Meritokratie. Das System wählt die richtigen Leute für den richtigen Job aus. Was großartig ist, schätze ich. Aber ich weiß nicht, was das für den Rest von uns bedeutet. Leute, die es nicht geschafft haben." Auf der Suche nach einem besseren Job und realen Bezugspersonen trifft er auf die nicht ganz reale Dolores. Die Beziehung Mensch-Android war schon von Beginn an ein zentrales Thema der Serie – jetzt erfährt sie noch einmal ganz neue Impulse.

Während Staffel 2 mit der Revolution der Androiden vor allem eine überkomplexe, blutige Schlacht war, scheint die neue Staffel nun wieder philosophischer zu werden. So stellt Dolores fest: "Ihr wollt die dominierende Spezies sein, aber ihr habt eure ganze Welt mit Dingen gebaut, die mehr sind wie ich." Immer wieder stellt sich dabei ganz direkt oder unterschwellig auch die Frage: Was ist eigentlich real?

Notwendiger Neuanfang

Mit dem neuen Setting und den neuen Charakteren fühlt sich der Auftakt der neuen Staffel wie der dringend nötige Neuanfang an, den "Westworld" brauchte. Es bleibt zu hoffen, dass die anspruchsvolle Story weitererzählt wird, ohne die Handlung unnötig zu verkomplizieren, damit wir beim Schauen nicht mit Enträtseln überfordert werden. Es wäre schade, wenn die spannenden neuen Impulse erneut in Verstrickungen und unlösbaren Rätseln verloren gehen.

Westworld Sci-Fi-Dramaserie
Die dritte Staffel startet am 30. März.
Die acht Episoden laufen immer montags um 20:15 Uhr auf Sky Atlantic HD und sind parallel auf Sky Ticket, Sky Go und über Sky Q auf Abruf verfügbar.

Regie: Lisa Joy, Jonathan Nolan
Drehbuch: Jonathan Nolan, Lisa Joy
Besetzung: Evan Rachel Wood, Ed Harris, Thandie Newton, Jeffrey Wright, Tessa Thomson, Aaron Paul

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. April 2020 | 09:45 Uhr