Leipzig, Magdeburg, Meiningen Energiekrise: Wie sich Kulturhäuser auf den Winter vorbereiten

Energiekrise und Inflation setzen Theatern, Opernhäusern und Museen zu. Wie bereiten sich Kulturhäuser in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen angesichts steigender Energiepreise auf den Winter vor? Ob Sorgen vor einem dritten Lockdown, bauliche Maßnahmen wie Dämmungen oder mehr Schließzeiten – die Verantwortlichen von kulturellen Einrichtungen wie dem Schauspiel Leipzig, Puppentheater Magdeburg oder dem Deutschen Bühnenverein machen sich ihre Gedanken.

Mitarbeiter und Ensemble stehen vor dem Puppentheater.
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Die steigenden Strom- und Gaspreise treffen private Haushalte, Unternehmen und Betriebe, machen aber auch vor Kulturhäusern wie Theatern, Museen, Opern oder Bibliotheken keinen Halt. Nicht wegen der Corona-Pandemie, sondern aufgrund der Energiekrise warnt der Deutsche Kulturrat vor einem drittem Ausnahmewinter. Auch Kulturstaatsministerin Claudia Roth sieht mit den zunehmenden Energiekosten große Probleme auf Kultureinrichtungen zukommen – und fordert diese andererseits dazu auf, "einen spürbaren Beitrag" zur Reduzierung des Energieverbrauchs zu leisten.

Wie gehen Kulturhäuser in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit der Kostenexplosion durch Energiekrise und Inflation um? Welche Nachhaltigkeitskonzepte verfolgen Institutionen wie die Oper Leipzig oder das Theater Meiningen? Ob Schließzeiten, bauliche Maßnahmen wie Dämmungen oder weniger Heizen im Foyer – das sind die Gedanken der Verantwortlichen von kulturellen Einrichtungen wie dem Puppentheater Magdeburg oder Schauspiel Leipzig:

Schauspiel Leipzig bleibt trotz Energiekrise optimistisch

Das Schauspiel Leipzig blickt trotz der angespannten Situation optimistisch auf den Winter: Das Theaterhaus kann seinen Energieverbrauch noch 2022 deutlich senken. Möglich wird dies durch bereits 2019 begonnene Maßnahmen wie Dämmarbeiten am Bühnenturm und der Hoffassade, der Erneuerung der Raumluft- und Kälteanlage oder der Umrüstung der Hausbeleuchtung und Bühnenbeleuchtung auf energiesparende LED-Technik. Im September wird die langjährige energetische Gebäudesanierung abgeschlossen.

"Ich bin sehr froh, dass wir uns am Schauspiel Leipzig schon vor fast fünf Jahren mit den Themen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz beschäftigt haben und unter anderem auch Überschüsse aus unseren erfolgreichen Spielzeiten dafür genutzt haben, diese Sanierung voranzutreiben", erklärte Intendant Enrico Lübbe in einer Pressemitteilung. Die Energieeinsparungen sollen dazu beitragen, den Energiehaushalt des Theaters und damit auch der Stadt Leipzig zu entlasten, so Lübbe weiter. Das Schauspiel Leipzig rechnet mit einem Einsparvolumen von ca. 750.000 kWh pro Jahr, womit ca. 10 Mehrfamilienhäuser beheizt werden könnten.

Das Schauspiel Leipzig am Abend
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Puppentheater Magdeburg fürchtet eine kulturelle Eiszeit

Das Puppentheater Magdeburg schaut hingegen besorgt auf die Spielzeit im Winter. Gründe seien die steigenden Energiepreise und andere Unwägbarkeiten wie die Corona-Pandemie, erklärte Intendant Michael Kempchen bei der Präsentation der Spielzeit 2022/23.

Wie die Situation des Theaters in Zeiten der Energiekrise aussehen solle, beschäftige das Magdeburger Puppentheater momentan sehr: "Folgt nach einer sozialen Vereinsamung während des Lockdowns, der Trennung von den Zuschauern, dem nun verordneten Abschied von einem gewissen Wohlstand für viele Einzelne eventuell auch eine kulturelle Eiszeit?" Diese Frage treibe das Puppentheater Magdeburg aktuell um, so Kempchen. Geplant seien im Herbst und Winter sieben Neuproduktionen sowie eine internationale Produktion, die 2023 in Deutschland und Frankreich auf Tour gehen soll.

Staatstheater Meiningen: Weniger Licht und kaltes Wasser

Jens Neundorff von Enzberg, Intendant am Staatstheater Meiningen, steht vor dem Meininger Theater.
Jens Neundorff von Enzberg, Intendant am Staatstheater Meiningen, will das Theater nicht schließen. Bildrechte: dpa

Eine Verordnung fordert in Thüringen öffentliche Einrichtungen zum Energiesparen auf, um der Energiekrise zu begegnen. Da hat das Staatstheater Meiningen einen Vorteil: Statt mit Gas wird der Gebäudekomplex mit Fernwärme geheizt. Dennoch gibt es Bestrebungen, Energie zu sparen: Aktuell kommt daher nur kaltes Wasser aus den Hähnen, da die Durchlauferhitzer dafür nicht mehr genutzt werden sollen. "Was wir aktuell zum Beispiel diskutieren, ist: Wie umfänglich muss und wird das Haus in Zukunft beleuchtet sein? Und: Inwieweit können wir es dem Publikum zumuten, dass wir die Innentemperatur so gestalten, dass wir da Energie und Kosten einsparen können?", fragt Intendant Jens Neundorff von Enzberg.

Der Theaterchef berichtet auch, dass das Haus sehr bestrebt sei, nachhaltiger zu sein. Dafür seien aber auch umfassende Sanierungsarbeiten erforderlich. Außerdem soll mehr Wert auf das Recycling von Bühnenbildern gelegt werden. Für von Enzberg ist aber klar, dass auch in der Energiekrise das Theater offenbleiben sollte, um die wichtige Aufgaben der Kunst zu erfüllen: "Ein Theater ist ein öffentlicher Ort und muss Raum für öffentliche Diskussionen bieten und zwar für alle Themen."

Deutscher Bühnenverein will auf alles vorbereiten

Der Deutsche Bühnenverein hat Checklisten und Handlungsempfehlungen ausgeben. Die Theater sollen sich auf die Möglichkeit von Stromausfall und -mangel einstellen. "Notfallpläne macht man auch, um sie nicht zu brauchen", erklärt Claudia Schmitz, Geschäftsführerin des Bühnenvereins, im Gespräch mit MDR KULTUR. Im Gegensatz zur Corona-Pandemie sollen die Theater nicht von der Krise überrascht werden. Schmitz stellt im Interview auch klar, welche Bedeutung Theater und Orchester haben: "Wir sorgen für die kulturelle Grundversorgung. Wir sind die Orte des öffentlichen Diskurses und nicht zuletzt lagern wir auch hohe Werte des öffentlichen Interesses." Damit die Geschäftsführerin unter anderem die wertvollen Instrumente, die richtig aufbewahrt werden müssen.

Der Notfall ist dabei nur ein Aspekt: Denn die Kulturinstitutionen müssen auch mit steigenden Versorgungskosten umgehen und sind schon deswegen darauf angewiesen, Energie zu sparen. Schmitz sieht darin auch eine Chance für nachhaltigere Zukunft: "Die Reduktion der Verbräuche nehmen wir alle ernst. Wir sind da als Kultur gefragt und haben da auch eine Vorbildfunktion." Dafür brauchen die Theater ihrer Meinung nach Unterstützung vom Staat, zum Beispiel in Form von Förderprogramme. So sollen die Theater zum einen durch die Krise kommen und zum anderen nötige Sanierungsmaßnahmen ermöglichen, die für einen nachhaltigen Betrieb erforderlich sind.

Claudia Schmitz, geschäftsführende Dirketorin des Deutschen Bühnenvereins 8 min
Bildrechte: Claudia Schmitz

Claudia Schmitz, geschäftsführende Dirketorin des Deutschen Bühnenvereins, ist hoffnungsvoll: Diese Krise sei gestaltbar, der Energieverbrauch an den Theatern kann gut verringert werden

MDR KULTUR - Das Radio Do 08.09.2022 18:00Uhr 08:13 min

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Claudia Schmitz, geschäftsführende Dirketorin des Deutschen Bühnenvereins 8 min
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Claudia Schmitz, geschäftsführende Dirketorin des Deutschen Bühnenvereins, ist hoffnungsvoll: Diese Krise sei gestaltbar, der Energieverbrauch an den Theatern kann gut verringert werden

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Kultur und Krise

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 08. September 2022 | 18:00 Uhr