Daenerys Tagaryen umringt von Reitern
Wird Daenerys Targaryen (gespielt von Emilia Clarke) in der letzten Staffel von "Game of Thrones" von der einst unterdrückten Frau zur mächtigsten Herrscherin? Bildrechte: HBO

Serienfinale Was ist das Erfolgsgeheimnis von "Game of Thrones"?

Die achte und letzte Staffel der überaus erfolgreichen Fantasyserie "Game of Thrones" hat begonnen. Um die HBO-Serie, die auf der Saga "Das Lied von Eis und Feuer" von Schriftsteller George R.R. Martin beruht, ist ein wahrer Hype entstanden. Menschen in aller Welt lassen sich von den Geschichten um Liebe, Intrigen und Gewalt faszinieren. Warum begeistert aber gerade diese Serie die Menschen dermaßen? Medienexperte Werner Barg von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg lüftet im Interview das Geheimnis.

Daenerys Tagaryen umringt von Reitern
Wird Daenerys Targaryen (gespielt von Emilia Clarke) in der letzten Staffel von "Game of Thrones" von der einst unterdrückten Frau zur mächtigsten Herrscherin? Bildrechte: HBO

MDR KULTUR: Warum ist diese Serie so unglaublich erfolgreich?

Werner Barg: Der Grundansatz, den HBO da versucht hat, führt eigentlich die sogenannte horizontale Erzählweise wirklich auf den Punkt. Alle Potentiale, die da möglich sind, werden ausgenutzt. Die horizontale Erzählweise in der Serie bedeutet, dass man nicht abgeschlossene Folgen hat, sondern dass man, wie im Fortsetzungsroman, immer weiter erzählt. Von Folge zu Folge, von Staffel zu Staffel. Und dadurch wird hier, was es so in der Form im Fernsehen noch nie gegeben hat, ein unglaubliches Potential an Figuren, an Personal aufgemacht.

Und ein Aspekt, der auch neu war, den auch "Game of Thrones" in die Fernsehgeschichte eingeführt hat, ist eben dieser massenhafte Serientod von beliebten oder weniger beliebten Figuren. Diejenigen, die ihre Emotionen – ob positiv oder negativ – an Figuren angelagert haben, die mussten dann plötzlich feststellen, gleich in der ersten Staffel auch, dass der sich sehr loyal verhaltende Lord, gespielt von Sean Bean, der auch aus "Der Herr der Ringe" bekannt ist, am Ende der ersten Staffel einfach durch eine Intrige zu Fall gebracht wird und geköpft wird.

Man ist als Zuschauer ungewiss, ob der eigene Held überlebt. Wie funktioniert denn das? Gibt es da einen Rezeptionsmechanismus, der das erklärt?

Einen Rezeptionsmechanismus gibt es nicht. Ich sehe es so, dass diese Serientode es deutlicher machen, dass es sich hier um einen sehr realistischen Lebensentwurf handelt. Der Tod ist auch Bestandteil unseres echten Lebens, und wir können ja auch nie gewiss sein, was geschieht. In der nächsten Stunde oder in den nächsten Monaten. Plötzlich werden geliebte Menschen krank oder sterben.

Ich will damit sagen, dass das nochmal ein zusätzlicher Beweis dafür ist: Wir gehen immer in filmische Fiktionen, in filmische Erzählungen hinein und denken, okay, am Ende gibt es ein Happy End oder es wird offen bleiben oder so. Aber dass hier so konsequent Figuren, an die wir Emotionen angelagert haben, mit denen wir über Jahre gegangen sind, plötzlich von heute auf morgen und in brutaler Weise gemeuchelt werden, das ist dann schon schockierend. Aber es ist auch ein Stück der Attraktivität dieser Serie, dass dadurch natürlich Aufmerksamkeit und Spannung erzeugt wird. Man weiß nie, wen es als nächstes trifft.

Königin Elizabeth II. besichtigt den Eisernen Thron aus Game of Thrones
Der Eiserne Thron fasziniert auch Königin Elizabeth II. bei einem Setbesuch. Bildrechte: dpa

Fantasystoffe bedienen sich ja sowieso aus dem Steinbruch der menschlichen Geschichte. Das war bei "Der Herr der Ringe" schon so, das ist jetzt auch bei "Game of Thrones" so. Welche universalen Themen faszinieren und berühren da speziell?

Man muss zunächst sagen, dass das sehr viel mit mythischer Erzählung zu tun hat. Joseph Campbell, ein US-Mythenforscher, hat schon in seinem Buch "Der Heros in tausend Gestalten" Ende der 40er-Jahre versucht, den Nachweis zu führen, dass in den alten Geschichten, also in Märchen und Mythen und so weiter, überall auf der Welt immer wieder ähnliche Figuren und Erzählmuster auftauchen: Der jugendliche Held, der eine Schwäche hat – unser Siegfried mit dem Lindenblatt zum Beispiel. Oder die weise Frau, der weise Mann mit dem Zaubertrank. Die intrigante Giftmörderin und so weiter.

Campbell und nach ihm Storyanalysten wie Christopher Vogler sind dabei durch die Tiefenpsychologie von C.G. Jung inspiriert, der in unseren Träumen auch diese mythologischen Figuren als Archetypen wiederzufinden glaubte.

Und auch die Themen, die in "Game of Thrones" behandelt werden, sind natürlich universell: Liebe, Tod, Rache, Verrat, Suche nach Glück, Harmonie, Streben nach Macht und so weiter. "Game of Thrones" kann eben aufgrund dieser horizontalen Erzählweise, dass es sich über so viele Staffeln und Filmstunden hin ausbreiten kann, auch sehr ausschweifend diese Themen und Figuren entwickeln.

Kit Harington als Jon Schnee und Emilia Clarke Daenerys Targaryen in einer Folge der achten Staffel der Serie «Games of Thrones». 7 min
Bildrechte: dpa

Was sagt der Erfolg einer Serie über unsere Gesellschaft aus? Und wie muss eine Serie beschaffen sein, damit sie so ein Erfolg wird? Darüber hat MDR KULTUR mit dem Medienwissenschaftler Werner Barg aus Halle gesprochen.

MDR KULTUR - Das Radio Mo 15.04.2019 17:10Uhr 07:01 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Das Interview führte Beatrice Schwartner für MDR KULTUR.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. April 2019 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. April 2019, 15:34 Uhr

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