Eric Clapton
Eric Clapton hat sich in Weihnachtsstimmung versetzt und ein stimmiges Weihnachtsalbum veröffentlicht Bildrechte: dpa

Album: "Happy Xmas" Eric Clapton kann scheinbar alles - sogar ein Weihnachtsalbum

Eric Claptons "Happy Xmas" könnte das Genre "Weihnachtsalben von Rockstars" rehabilitieren. Und das war nicht unbedingt zu erwarten, denn meistens gehen solche Versuche schief. Traditionell sind Weihnachtsalben, die in Jazz und Bluestöne getaucht sind, eher kitschig, klingen oft bemüht und sind selten wirklich der große Wurf. Doch Clapton ist einfach zu gut. Er bekommt sogar einen Tributsong an den früh verstorbenen DJ Avicii unter, ohne den Gesamteindruck zu trüben.

von Jan Kubon, MDR KULTUR-Musikredakteur

Eric Clapton
Eric Clapton hat sich in Weihnachtsstimmung versetzt und ein stimmiges Weihnachtsalbum veröffentlicht Bildrechte: dpa

Der Kritiker bekennt vorweg, dass er erstens kein besonderer Clapton-Fan ist und zweitens jazzige oder bluesige Weihnachtsalben gar nicht mag. Dennoch könnte Eric Claptons "Happy Xmas" das Genre "Weihnachtsalben von Rockstars" in weiten Teilen rehabilitieren. Das war nicht unbedingt zu erwarten.

Weihnachten ist rein musikalisch ein ganz trickreiches Terrain, da muss man wirklich aufpassen. In der Regel geht das schief. Gerade amerikanische Weihnachtssongs, die ja harmonisch sowieso schon ganz gewaltig schmieren, werden dann noch mit allen Raffinessen der Studio- und Instrumentierungskunst verbimmelt und verglockelt, dass einem wirklich schlecht wird.

Aber diese Schmalzfalle hat Clapton - zumindest für amerikanische Verhältnisse - ganz gut umschifft. Und das liegt auch an Claptons Songauswahl. So hat er beispielsweise den Klassiker "Sentimental Moments" von Friedrich Hollaender in einen sehr anständigen Jazzsong mit gepflegten melancholischen Bluenotes hier und da verwandelt.

Die richtige Prise Blues

Clapton hat sich aber auch an wirklich bekannte Klassiker herangewagt, zum Beispiel "White Christmas". Dieses Lied musste ja schon so einiges über sich ergehen lassen.

Eric Clapton
Eric Clapton, genannt "Slowhand" Bildrechte: dpa

Bei Clapton rockt es ganz gewaltig und hat auch viele ganz typische Blueszutaten erhalten, wie die berühmten Blues-Notenfolgen in den Zwischenpassagen, die sogenannten Riffs. In einem Interview bekannte Clapton, er habe sich die Songs immer wieder angehört und genau überlegt, wo die Bluestöne hingehören, ohne den Charme der Komposition zu stören und die Melodie zu beschädigen. Da war viel an Arrangement- und Instrumentenarbeit im Vorfeld notwendig.

Und das hat sich wirklich ausgezahlt, denn das Album klingt sehr aufgeräumt, wenig überladen und vom Sound her ist es sowieso ganz großes Musikproduktionskino. Druckvoll und trotzdem warm und angenehm, sehr groß, sehr amerikanisch und trotzdem klein und elegant genug, um nicht gleich den totalen Kitsch-Overkill durch die Weihnachtsstube rauschen zu lassen.

Huch - ein Tribut an DJ Avicii?

DJ Avicii auf einem Konzert in Schweden 2014
DJ Avicii - ihm erweist Eric Clapton die Ehre eines Tributsongs Bildrechte: imago/xxPPE

Auf dem Album findet sich auch ein überraschendes Tribut an den schwedischen DJ Avicii. Dieser starb Ende April 2018 im Alter von 28 Jahren. Clapton hat auf seinem Album den Titels "Jingle Bells" mit elektronischen Beats und Soundflächen so arrangiert, dass er an den Sound von Aviciis großem Hit "Wake me Up" erinnert. Vom Konzept her ist der Titel ganz weit ab von allen anderen und für mich musikalisch absolut verzichtbar. Aber dank des positiven Grundzungenschlags des Albums, der wirklich akribischen Arbeit an den Arrangements und natürlich den Fähigkeiten eines Eric Claptons kann auch ein Avicii-Tribut von "Jingle Bells" den positiven Gesamteindruck nicht trüben.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Album der Woche | 10. Dezember 2018 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Dezember 2018, 18:58 Uhr

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