120. Geburtstag Auf den Spuren Erich Kästners durch Dresden

Sein Erwachsenenleben als Schriftsteller und Journalist verbrachte Erich Kästner vor allem in Berlin und München, die Jahre seiner Kindheit erlebte er jedoch in Dresden. Weil Kästner diese Zeit nicht nur in Briefen und Artikeln, sondern in einem ganzen Buch ("Als ich ein kleiner Junge war") verewigt hat, weiß man heute ziemlich genau, wie und wo sich sein Leben in Dresden abgespielt hat. MDR KULTUR-Autorin Uta Burkhardt hat sich auf Kästners Spuren durch die Dresdner Neustadt begeben.

Kästners Bronzefigur von Mátyás Varga am Kästner-Museum
In Anlehnung an Kästners Kindheitsbeschreibung in "Als ich ein kleiner Junge war", sitzt heute eine Bronzefigur auf dem Lieblingsplatz des kleinen Kästners auf der Gartenmauer zur Villa Augustin, dem Haus seines Onkels. Heute befindet sich hier das Kästner-Museum. Bildrechte: Uta Burkhardt

Die Villa Augustin

Zu Kästners Zeit erklang hier das Pferdegetrappel der Kutschen, heute klingt es am Albertplatz anders. Und auch das Bild, das sich dem kleinen Erich Kästner bot, als er bei seinem Onkel auf der Gartenmauer – sein Lieblingsplatz – saß, war ein anderes. In der Villa Augustin befindet sich heute das Erich-Kästner-Museum, und hier beginnt der Rundgang auf den Spuren Kästners, erklärt die Leiterin des Museums Andrea O'Brien: "Weil wir am Albertplatz sitzen, in einem authentischen Haus: Der Villa von Kästners Onkel. Das ist zumindest den touristischen Besuchern nicht bewusst, dass sie hier an der Quelle sind … an der Schnittstelle zwischen Innerer und äußerer Neustadt."

Erich Kästner-Museum Dresden
Erich-Kästner-Museum Dresden Bildrechte: dpa

Hunderte von Menschen stiegen ein und aus und um, damit ich etwas zu sehen hätte. Lastwagen, Kutschen, Autos und Fußgänger taten für mich, was sie konnten. (…) Eine königliche Equipage rollte vornehm übers Pflaster. Eisverkäufer in weißer Uniform verkauften an der Ecke Waffeln für fünf und zehn Pfennige. (…) Der Albertplatz war die Bühne. Ich saß zwischen Jasmin und Bäumen, in der Loge, und konnte mich nicht satt sehen.

Aus "Als ich ein kleiner Junge war" von Erich Kästner

Die Königsbrücker Straße

Kästners Geburtshaus in der Königsbrücker Straße 66
Kästners Geburtshaus in der Königsbrücker Straße 66 Bildrechte: Uta Burkhardt

In der Neustadt war Erich Kästner zu Hause. Geboren wurde er 1899 in einem Mietshaus in der Königsbrücker Straße 66, wo noch heute eine Wandtafel an den berühmten Schriftsteller erinnert. Später zog die Familie ein paar Häuser weiter in die Nummer 48 und noch später in die Nummer 38.

An die Zeit in der Königsbrücker Str. 48 konnte sich Kästner noch gut erinnern, als er rund 50 Jahre später sein autobiographisches Buch "Als ich ein kleiner Junge war" schrieb:

Wenn ich in diesem Augenblick, in München und als, wie man so sagt, älterer Herr die Augen schließe, spüre ich die Treppenstufen unter meinen Füßen und die Treppenkante auf der ich hockte, am Hosenboden.

Aus "Als ich ein kleiner Junge war" von Erich Kästner

Blumenfachgeschäft Stammnitz

Blumenladen Stammnitz ist in "Emil und die Detektive" verewigt..
Der Blumenladen Stammnitz ist in "Emil und die Detektive" verewigt. Bildrechte: Uta Burkhardt

Auch die anderen Stationen, die heute zum Kästner-Rundgang gehören, sind in dem Buch erwähnt. Etwa das Blumenfachgeschäft Stammnitz auf der Louisenstraße, wo Kästner selbst Blumen kaufte. Diese Tatsache beschert dem Laden noch heute Kundschaft, lächelt Inhaberin Theresia Schmitz-Möllers, die inzwischen eine Art Kästner-Expertin ist:

"Auch im Zusammenhang damit, dass wir das älteste Blumenfachgeschäft in Dresden sind, und dass die Leute in den Büchern gelesen haben von 'Blumen Stammnitz', versuchen sie dann herauszufinden, ob dieser Laden noch existent ist – und so landen sie dann bei uns."

In zwei Büchern ist der Laden verewigt, in "Als ich ein kleiner Junge war" und in "Emil und die Detektive". Kästner erzählt, wie er einmal auf dem Rückweg von der Schule die Treppe hoch gerannt ist, mit dem Blumenstrauß in der Hand auf der Treppe hinfällt und sich in die Zunge beißt. Angeblich konnte Kästner danach wochenlang nur Milch schlürfen.


Bäckerei Rißmann

Bäckerei Rissmann, hier kaufte Kästner Brot. Der Laden ist in "Emil und die Detektive" verewigt.
Bäckerei Rissmann, hier kaufte Erich Kästner Brot. Bildrechte: Uta Burkhardt

In der Bäckerei Rißmann, ein kleiner Laden an der Ecke von Königsbrücker und Louisenstraße, kaufte Kästner Brot. Auch hier kommen inzwischen viele Leute vorbei, die Kästner gelesen haben, meint Verkäuferin Heike Dießelmann. Auch die Bäckerei Rißmann fand Eingang in "Emil und die Detektive", dort taucht die Bäckersfrau Frau Wirth auf. Die Bäckerei ist auch eine Station der Kästner-Rallye, bei der Grundschüler das Buch "Emil und die Detektive" nachspielen. Und wenn seine Eltern etwas zu feiern hatten, zum Beispiel die bestandene Friseurprüfung der Mutter, ging der kleine Kästner Bier holen in der Gaststätte "Sybillenort", Königsbrücker Straße/Ecke Jordanstraße, auch hier existiert immer noch eine Gaststätte.


Alaunplatz und Alaunstraße

Militärparade auf dem Alaunplatz.
Eine Militärparade auf dem Alaunplatz (1931) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Als Kind verfolgte Kästner auf dem Dresdner Alaunplatz die Kaisermanöver und Paraden anlässlich des Geburtstags von König Albert. Als 18-Jähriger wurde er zur Artillerie eingezogen und musste vor den großen Kasernen Wache halten. Kästner hasste Krieg und seine Zeit als Soldat. Sein damaliger Ausbilder setzte ihm so sehr zu, dass er hinterher zeitlebens herzkrank war. Ein Teil seiner militärischen Ausbildung fand auf dem Heller statt – da, wo er als kleiner Junge gespielt hatte, musste er während des Ersten Weltkriegs strafexerzieren.

Als Erich Kästner sechs Jahre alt war, wurde er in den Turnverein der Neu- und Antonstadt aufgenommen – wegen seiner guten Eignung. Das Gebäude in der Alaunstraße wurde bei den Bombenangriffen von 1945 allerdings zerstört, an seiner Stelle befindet sich heute die "Scheune", einer der Kulturorte in Dresden.

Wegen seiner guten Zensuren durfte Kästner ab 1913 das "Fletchersche Lehrerseminar" auf der Marienallee in Dresden besuchen – heute befindet sich hier die 1. Mittelschule "Freiherr von Fletcher". In der Schülerzeitung "Fletcheraner Bote" veröffentlichte er seine ersten Texte und Gedichte. Wegen seines guten Abiturs bekam er das Goldene Stipendium der Stadt Dresden und konnte so an einer sächsischen Universität studieren: in Leipzig.

Die Scheune in Dresden
Die Scheune in Dresden. Hier befand sich der Turnverein von Erich Kästner. Bildrechte: imago/Sven Ellger

Einige Erich Kästner-Orte in Dresden

Kästner-Denkmal in Dresden
Das Erich Kästner-Denkmal in Dresden Bildrechte: Uta Burkhardt
Kästner-Denkmal in Dresden
Das Erich Kästner-Denkmal in Dresden Bildrechte: Uta Burkhardt
Der Albertplatz in Dresden. Hier wohnte Kästners Onkel in der Villa Augustin. Heute befindet sich hier das Erich-Kästner-Museum.
Der Albertplatz in Dresden. Hier wohnte Kästners Onkel in der Villa Augustin. Heute befindet sich hier das Erich-Kästner-Museum. Bildrechte: Uta Burkhardt
Zur Eröffnung des Dresdner Erich Kästner Museums am Mittwoch (23.02.2000) anlässlich des 101. Geburtstages des Schriftstellers betrachten Besucher am Albertplatz die Bronze von Matyas Varga, die den jungen Kästner auf der Mauer der Villa seines Onkels Franz Augustin zeigt.
Kästners Bronzefigur von Mátyás Varga am Kästner-Museum. Die Gartenmauer der Villa Augustin - das Haus seines Onkels - war Kästners Lieblingsplatz Bildrechte: dpa
Erich Kästner mit Katze auf dem Arm
Erich Kästner Bildrechte: Deutsches Literaturarchiv Marbach
Erich Kästner-Museum Dresden
Das Erich Kästner-Museum Dresden - hier wohnte Kästners Onkel in der Villa Augustin Bildrechte: dpa
Kästners Geburtshaus in der Königsbrücker Straße 66
Kästners Geburtshaus in der Königsbrücker Straße 66 Bildrechte: Uta Burkhardt
Wohnhaus Erich Kästner Königsbrücker Straße 48
Das spätere Wohnhaus von Erich Kästner in der Königsbrücker Straße 48 Bildrechte: Uta Burkhardt
Blumenladen Stammnitz ist in "Emil und die Detektive" verewigt..
Der Blumenladen Stammnitz ist in "Emil und die Detektive" verewigt. Bildrechte: Uta Burkhardt
Bäckerei Rissmann, hier kaufte Kästner Brot. Der Laden ist in "Emil und die Detektive" verewigt.
Die Bäckerei Rissmann, hier kaufte Kästner Brot. Der Laden ist in "Emil und die Detektive" verewigt. Bildrechte: Uta Burkhardt
Erich Kästner während der Rundfunkübertragung von „Emil und die Detektive“, Berlin 1930
Erich Kästner während der Rundfunkübertragung von "Emil und die Detektive", Berlin 1930 Bildrechte: © Deutsches Literaturarchiv Marbach | Foto: Dephot Kessler
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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. Februar 2019 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2019, 15:15 Uhr

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