Joe Cocker auf seiner Pressekonferenz.
In West und Ost ein Star Bildrechte: Harald Hauswald/OSTKREUZ

Erinnerung Joe Cocker – vom Gasinstallateur zum Weltstar

Mit einer Cover-Version des Beatles-Songs "With A Little Help from My Friends" gelang ihm 1969 beim Woodstock-Festival der Durchbruch: Joe Cocker. Vor fünf Jahren starb der Weltstar des Rock 'n' Roll und Blues mit der unvergleichlichen Reibeisenstimme. Am 20. Mai 2019 wäre Joe Cocker 75 Jahre alt geworden.

von Thomas Hartmann, MDR KULTUR

Joe Cocker auf seiner Pressekonferenz.
In West und Ost ein Star Bildrechte: Harald Hauswald/OSTKREUZ

Woodstock 1969. Joe Cocker stimmt den Beatles-Song "With A Little Help From My Friends" an. Er ist nun endgültig ein Weltstar.

Er hatte eine besondere Aura auf der Bühne. Dieses gewisse Etwas. Diese ungewöhnlichen Bewegungen. Seine Arme zuckten, sein Körper zuckte, und man fragte sich, was hat das mit Rock'n' Roll oder Blues zu tun. Aber er hat sich selbst und sein Publikum damit in eine Art Trance versetzt.

Rick Wakeman, Yes

Wobei neben Aura, Trance und Cockers Bewegungen noch eines unbedingt erwähnt werden sollte: Seine Reibeisenstimme, von Beginn an sein Markenzeichen, das aber da, wo er herkam, nicht besonders auffiel: "Ich bin in einem typischen nordenglischen Arbeiterklassehäuschen aufgewachsen. Die anderen haben mein Singen nicht ernst genommen und gedacht, ich würde einen normalen Job anfangen."

Von Sheffield nach Woodstock

Joe Cocker in Woodstock USA 1969.
Joe Cocker in Woodstock,1969 Bildrechte: imago images / United Archives

Das Arbeiterklassehäuschen steht in Sheffield und zunächst übt er einen normalen Job als Gasinstallateur aus. Da hat ihn die Musik allerdings schon voll gepackt. Skiffle-König Lonnie Donnegan, Carl Perkins, Ray Charles – das sind seine frühen Heroen. Die ersten eigenen Bands tragen so hübsche Namen wie Cavaliers oder Vance Arnold & The Avengers. "Marjorine", ein Stück, das Cocker mit der Grease Band einspielt, landet 1968 in den Top 50, und dann krempeln "With A Little Help From My Friends" und der Woodstock-Auftritt sein ganzes Leben um.

Cocker erinnert sich an "eine Menge Schlamm, denn es regnete, das war das, was sich mir am meisten einprägte. Die Familien tranken und rauchten, es waren ganz andere Zeiten. Sie sind nicht wiederholbar." Und:

Wir glaubten damals alle, die Welt verändern zu können.

Joe Cocker

Auf und Ab

Das nun einsetzende intensive Tourleben bekommt Cocker gar nicht. Drogen aller Art sind für ihn selbstverständlich, außerdem neigt er dazu, Geld, das er verdient, mit vollen Händen an Leute zu verteilen, die seine Freunde sind, weil er mit vollen Händen Geld verteilt. Ein Bericht aus dem Jahre 1972 sieht ihn ausflippen und am Ende: "Fahrig, nervös, total kaputt."

Ist er der Nächste, der die Reihe der Hendrix, Joplin, Morrison fortsetzt? Ich erwartete fast, dass man ihn zu seinem Auftritt mit der Bahre auf die Bühne schaffte.

Zeitungsbericht, 1972

Abgeschrieben und wieder voll da

Nicht nur einmal wird Cocker abgeschrieben. Um schließlich Anfang der 80er-Jahre wieder einen echten Superhit zu landen. Gemeinsam mit Jennifer Warnes intoniert er "Up Where We Belong". Der Brite ist wieder voll da. Erfolge feiert er weniger in seinem Geburtsland oder den USA, vielmehr ist es der deutschsprachige Raum, der auf ihn abfährt.

In den USA gelte ich mehr als nostalgischer Musikopa, der noch in Casinos auftritt und solche Sachen. Aber ich finde, in Europa, da geben mir die jungen Leute eine Chance. Die stehen immer ganz vorne an der Bühne. Und wenn sie älter werden, rücken sie in der Halle immer weiter nach hinten, bis ich sie irgendwann kaum noch sehen kann.

Seinen Erfolg in Deutschland hat Cocker übrigens mal damit erklärt, dass er natürlich geblieben sei. Im Grunde seines Herzens hat der Star aus Sheffield nie wirklich ein Star sein wollen.

 

Rund 85.000 Fans jubeln am 01.06.1988 auf den Sportplätzen der Radrennbahn Berlin-Weiߟensee (DDR) dem britischen Rockmusiker Joe Cocker zu.
Erfolg in West und Ost: Rund 85.000 Fans jubeln am 01.06.1988 auf den Sportplätzen der Radrennbahn Berlin-Weiߟensee (DDR) dem britischen Rockmusiker Joe Cocker zu. Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. Mai 2019 | 06:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Mai 2019, 04:00 Uhr

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