Porzellankunst Das erotische Porzellan der Kati Zorn

Die Künstlerin Kati Zorn formt aus Porzellan ganz spezielle Figuren. Seit einer ihrer Kunden in ihren Werken eine besondere sexuelle Energie entdeckte, hat sie sich dem erotischen Porzellan verschrieben. Zorns Schöpfungen tragen Titel wie "Europa und der Stier" oder "Ritt auf Oberon". Stefanie Becker hat sie für MDR KULTUR in ihrem Atelier im thüringischen Cursdorf besucht.

Kati Zorn ist Porzellankünstlerin. Mit einer Menge Kreativität, viel Planung und vor allem Erfahrung schafft sie aus einer vagen Idee und einem Klumpen Ton eine Porzellanfigur, die beispielsweise auch bei Sammlern gut ankommt.

Die Künstlerin Kati Zorn hält am 09.03.2016 die erotische Porzellan-Schnecke mit Elfe mit dem Titel «Ritt auf Oberon», in Anlehnung an Figuren der Mythologie, in Cursdorf (Thüringen) in der Hand.
Kati Zorn mit der von ihr geschaffenen Figur "Ritt auf Oberon" Bildrechte: dpa

Die Themen von Zorns Kunst sind ausnahmslos erotischer Natur: Zum Beispiel die Figur "Ritt auf Oberon", eine große Penisschnecke, auf der eine kleine Elfe reitet – mit Kussmund, Flügelchen und Goldpumps. Zur Erotikkunst kam die Künstlerin eher unbewusst, erst als sie sich selbstständig gemacht hatte und einer ihrer Kunden die sexuelle Energie in ihren Figuren entdeckte.

Und dann habe ich gemerkt, dass das sowas Allgemeingültiges ist und dass die Leute das wohl sehr mögen.

Kati Zorn über ihre erotische Porzellankunst
Porzellanfigur Europa und der Stier
Porzellanfigur "Europa und der Stier" von Kati Zorn Bildrechte: Frank Melech

Eine der von ihr in ihrem Atelier im thüringischen Cursdorf geschaffenen Figuren trägt den Titel "Europa und der Stier". Es ist eine nackte Frau, die genüsslich auf dem Rücken eines Stieres reitet, den Kopf in den Nacken geworfen, fast schon ekstatisch. Es ist die wohl aufwendigste Figur der Porzellankünstlerin: Sie besteht aus 24 Teilen und sie fertigzustellen hat ganze neun Monate gedauert.

Zur Schaffung dieses erotischen Porzellankunstwerkes bemerkt die Schöpferin: "Die schwirrte mir ja schon lange im Kopf rum und ich hab mich ein bisschen schwer getan mit dem Anfangen, wegen des Stieres. Tiere, das ist jetzt nicht gerade meine Stärke. Dann war ich mir nicht sicher: stelle ich den jetzt auf vier Beine frei, dann hätte ich den irgendwie am Bauch unterstützen müssen. Wie früher die Hirsche, die hatten alle einen Baumstamm unterm Bauch. Das sollte jetzt auch nicht sein. Irgendwann kam dann der Gedanke, ich lass den abrollen wie eine Katze. So ein bisschen rollig halt."

Von "Leda & Schwan" bis zu "Fette Anette": Porzellanfiguren von Kati Zorn

Die Zeitkunstgalerie zeigt Porzellankunst von Kati Zorn.
Leda & Schwan Bildrechte: imago/VIADATA
Die Zeitkunstgalerie zeigt Porzellankunst von Kati Zorn.
Leda & Schwan Bildrechte: imago/VIADATA
Porzellanfigur Ritt auf Oberon
Ritt auf dem Oberon Bildrechte: Kati Zorn
Porzellanfigur Ritt auf Oberon
Ritt auf dem Oberon Bildrechte: Kati Zorn
Die Zeitkunstgalerie zeigt Porzellankunst von Kati Zorn.
Schlanke Anke Bildrechte: imago/VIADATA
Die Zeitkunstgalerie zeigt Porzellankunst von Kati Zorn.
Fette Anette Bildrechte: imago/VIADATA
Porzellanfigur Europa und der Stier
Europa und der Stier Bildrechte: Frank Melech
Porzellanfigur Europa und der Stier
Europa und der Stier Bildrechte: Frank Melech
Porzellanfigur Europa und der Stier
Europa und der Stier Bildrechte: Frank Melech
Alle (8) Bilder anzeigen

Anfang mit schlichten Motiven

Kati Zorn hat eigentlich klassisch angefangen, angestellt in einer Porzellanmanufaktur. Von Kreativität war da noch nicht die Rede, am Anfang musste sie aus alten Modellbüchern Kinderfigürchen nachgestalten, "Mädchen am Zaun mit Blumenstrauß" beispielsweise oder "Junge am Zaun mit Gießkanne". Eine Tätigkeit, die ihr gar nicht behagte. Erst in der freien Gestaltung fand sie Befriedigung.

Kati Zorn
Kati Zorn Bildrechte: Sylvia Michael

Und dann kam irgendwann der Moment, da konnte ich frei gestalten. Und als ich dann erlebt hab, dass ich die eigene Idee in Porzellan gesehen hab, da kam dann so der Klick und dann hab ich mich ins Material verliebt.

Kati Zorn

Filigrane Vielfalt

Die Zeitkunstgalerie zeigt Porzellankunst von Kati Zorn.
Kati Zorn hatte zunächst klassische Porzellankunst angefertigt, bevor sie sich spezialisierte Bildrechte: imago/VIADATA

Zorns Figuren haben viele Fans. Ganz besonders angetan hat es vielen Sammlern die fette Annette, die man neben anderen Objekten in ihrer Galerie im Thüringschen Cursdorf bestaunen kann. Über sie bemerkt Zorn: "Die fette Annette ist eine, die mehrere Schwimmringe hat aber so sehr stolz und selbstverliebt dasitzt. Es macht schon viel mehr Spaß, sowas zu modellieren. Also so eine Dicke, die jetzt nicht so perfekt ist und mehr Oberfläche, mehr Relief hat. Und ich denke mal, die Leute sehen sich da auch wieder und können darüber lachen – und mögen auch die Dicken."

Zorns Figuren kosten zwischen 40 und 3.000 Euro, je nach Größe und Aufwand. Ein aus Porzellan modelliertes Schachspiel schlägt sogar mit 11.000 Euro zu Buche. Es ist ein Sammlerstück und das Material sehr filigran.

Das Risiko des Brennens

Zorn modelliert, formt, gießt, brennt, lasiert, brennt noch einmal, bemalt und brennt schließlich ein letztes Mal. Auch Probleme können auftreten: "Während des Brandes kann halt auch eine Menge passieren. Da können Risse passieren oder im schlimmsten Fall, dass sie umkippt. Man muss auch immer beim Arbeiten die Statik beachten. Hochspannend ist natürlich wenn der Ofen aufgeht nach den 1400 Grad, ob die Figur das überstanden hat. Gerade bei dem Stier hatte ich Bedenken, dass der in die Knie geht. Aber er hat es geschafft." Irgendwann ist die neue Figur dann fertig, ein besonderer Moment:

… und irgendwann grinst einen die Figur an. Das klingt ein bissel abgefahren aber ich liebe das, wenn dir Figur zu mir zurück spricht. Das ist was wirklich Putziges.

Kati Zorn

Das könnte Sie auch interessieren

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 14. Februar 2019 | 13:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Februar 2019, 13:22 Uhr

Abonnieren