Vor 50 Jahren – "Monty Python's Flying Circus" wird ausgestrahlt Wie Monty Python Humor-Maßstäbe verschob

Als erstmals "Monty Python's Flying Circus" über die Mattscheiben flimmerte, hatten die Verantwortlichen der BBC wohl nicht gedacht, dass die Mischung aus rabenschwarzem Humor, Klamauk und Nonsens so einschlägt. Am 5. Oktober 1969 wurde die erste Folge im britischen Fernsehen ausgestrahlt.

von Thomas Hartmann, MDR KULTUR-Autor

Szene aus Monty Pythons Die wunderbare Welt der Schwerkraft
Szene aus "Monty Pythons wunderbare Welt der Schwerkraft" Bildrechte: imago/United Archives

Kühe muhen. Aber es sind nicht irgendwelche Kühe und es ist nicht irgendein Muhen. Es ist theatralisches Muhen: Die Herde des Enzian-Hofes zu Bad Ischl gibt die Rinder-Version von William Shakespeares "Kaufmann von Venedig". Aufführungsort dieses animalischen Kulturgenusses: "Monty Python's Flying Circus".

Nun ja, ganz stimmt das nicht. Denn tatsächlich stammt die Szene um die Shakespeare-Kühe aus "Monty Pythons fliegendem Zirkus", einem deutschen Ableger der britischen Comedyserie – gedreht in der Bundesrepublik der frühen 70er-Jahre. Das Besondere: Die Zirkusartisten um John Cleese parlieren wirklich auf Deutsch.

Zuschauer sind anfangs nicht begeistert

Als dieser Humorexport entsteht, haben die Comedyfachkräfte von Monty Python in ihrer Heimat längst einen Namen. Am 5. Oktober 1969 jagt die BBC die witzige Männerriege in die Manege des "Flying Circus". Allerdings: Die Studiozuschauer starren anfangs beim Entstehen der einzelnen Folgen in Erwartung eines echten Zirkusprogramms oft konsterniert auf das, was die Herren Cleese, Chapman, Idle, Palin, Jones und Gilliam veranstalten, und auch die Chefetage gerät nicht eben aus dem Häuschen.

John Cleese erinnert sich: "Wenn Sie etwas schreiben, was ein bisschen originell ist, dann mag das am Anfang niemand. Niemand mochte Monty Python zu Beginn." Damals habe der damalige Chef der BBC-Unterhaltung den BBC-Direktor im Fahrstuhl getroffen und gesagt, er möge die Serie nicht, das sei "kompletter Müll".

Szene aus Monty Pythons Das Leben des Brian
"Das Leben des Brian" ist der wohl bekannteste Film von Monty Python Bildrechte: imago/United Archives

Tabuloser Humor wirkt wie Munition

Dennoch ist die Zeit für den Aufbau von Monty Pythons Zirkuszelt günstig. Allmählich findet die Truppe ihr Publikum. Mit der Hippiekultur sind die tradierten Werte ins Wanken geraten, der tabulose Humor der Pythons wirkt da wie Munition. Ohne Scheu wird auf alles und jeden gefeuert: Militärs, Kirche, Milchmänner. Oder auf Künstler, die mit Mäusen musizieren, indem sie mit Hämmern auf die armen Tierchen draufhauen.

Ob intellektueller Wortwitz, tiefschwarzer Humor oder Klamotte, "Monty Python's Flying Circus" bietet alles – Grelles, Primitives, Komplexes, Geistreiches, Geschmackloses. Die Gags steuern nicht geradlinig auf einen Schluss zu, sie werden ineinander verschränkt; sie unterbrechen sich gegenseitig, ergänzen sich, werden wiederum durch einen anderen unterbrochen, um irgendwann wieder aufzutauchen.

Von der Fernseh- auf die Kinoleinwand

Nach drei Staffeln hat Python-Initiator Cleese genug von der Zirkusluft und schleicht aus der Manege. Ohne ihn übersteht der Rest gerade mal sechs Auftritte und verlässt ebenfalls die Arena. Es bietet sich schließlich eine spannende Alternative: Im Kino können die Herren als "Ritter der Kokosnuss" auf Gralssuche gehen.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 05. Oktober 2019 | 06:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Oktober 2019, 04:00 Uhr

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