Zubereitung der Dresdner Eierschecke
Bäcker mit einem Tablett Dresdner Eierschecke. Bildrechte: MDR/Jens Trocha

Du bist, was du isst Essen wie bei Muttern: Wie schmeckt Heimat?

Viele Menschen verbinden mit dem Wort Heimat auch Essen. Für manche ist es ein bestimmtes Gericht, das ihnen noch aus ihren Kindtagen vertraut ist, andere denken dabei eher an regionale Besonderheiten, wie vielleicht das Leipziger Allerlei, die Dresdner Eierschecke oder die Thüringer Klöße. Wir haben uns umgehört - wie schmeckt Heimat zum Beispiel für jemanden, der nirgends zuhause ist?

von Grit Krause, MDR KULTUR

Zubereitung der Dresdner Eierschecke
Bäcker mit einem Tablett Dresdner Eierschecke. Bildrechte: MDR/Jens Trocha

Heimat ist, was und wie die Mutter kochte

Der Leitspruch von Ehrhard Kleint, leidenschaftlicher Koch aus Radebeul, ist: Essen wie bei Muttern. So zumindest lautete das Motto in den Kantinen, die er betrieben hat, darunter auch die legendäre Postkantine in der Dresdner Neustadt. Doch auch privat schwört der 67-jährige auf Hausmannskost und den Grundstein dafür hat denn auch seine Mutter gelegt, der Ehrhard Kleint beim Kochen oft über die Schultern geschaut hat: "Vom einfachen Eierkuchen angefangen bis hin zu Bratenansetzen, dass man ne richtige ordentliche Soße ziehen kann, bis zu einer richtig schönen Hühnersuppe, dass eine richtige Rindsbrühe gemacht wird, eine Hochzeitssuppe, so was kennen die jungen Leute heutzutage gar nicht mehr."

Saure Gurken in Nahaufnahme
Ehrhard Kleint hat von seiner Mutter u.a. gelernt, wie man saure Gurken einweckt. Bildrechte: Colourbox.de

Auch wenn er sich kulinarisch hin und wieder auf exotische Pfade begeben hat, sind es letztlich doch die Gerichte seiner Kindheit, die Ehrhard Kleint nicht nur ein sättigendes, sondern auch ein wohliges Gefühl im Bauch bereiten, zum Beispiel  marinierter Hering mit Remouladensoße. "Meine Mutter hat dann die einfachen Salzheringe gekauft, die mussten zwei, drei Tage gewässert werden. Und die Remouladensoße, wie die Mutter die gemacht hat, mit richtig Zwiebeln, Gewürzgurke, allein die eingelegten, selbst gemachten Gurken ist eben von Haus aus und automatisch hat man eben doch ein gewisses Heimatgefühl, wenn man sagt, dort bin ich groß geworden und das sollte man nicht missen."

Wie schmeckt Heimat für jemanden, der nirgends zuhause ist?

Also Essen und Heimat geht für mich im Kopf ad hoc nicht zusammen.

Katrin Glaab

So reagierte wiederum Katrin Glaab, auf die Frage nach einer Verbindung zwischen Heimat und Essen. Sie führt in Dresden einen Concept Store, wo sie ausgewählte hochwertige Mode, Schmuck und Wohnaccessoires verkauft. Überhaupt fällt es der gebürtigen Berlinerin schwer, Heimat für sich zu definieren: "Meine Mutter sagt immer, das habe ich von meinem Urgroßvater, weil er auch viel unterwegs war. Ein Heimatgefühl habe ich explizit nicht. Ich fühle mich da wohl, wo ich mich wohl fühle, das ist für mich mein Zuhause. Und das ändert sich, weil wir alle wissen, Bahnen ziehen im Leben immer weiter. Heimatgefühl - ich kann mit dem Begriff wenig anfangen."

Schokoladenkuchen
Bildrechte: Colourbox.de

Dennoch gibt es einen Ort, der Katrin Glaab das Gefühl vermittelt, angekommen zu sein. Und das ist New York. Dort hat die 50-jährige Innenarchitektin drei Jahre lang gelebt und jedes Jahr aufs Neue zieht es sie dahin. Schnell sei ihr dort immer wieder alles vertraut und dafür sorgt letztlich auch ein inzwischen schon ritualisiertes kulinarisches Erlebnis: "Es gibt einen kleinen Brownie, der ist wirklich super, super klietschig, wie man das so schön sagt. Er hat eine dicke fette Buttercreme drauf und den gibt es nur in einem kleinen Laden. Und wenn ich mir den hole mit einem doppelten Espresso, denke ich immer: Ja, zu Hause." Demnach vermittelt Essen also immer ein heimatliches Gefühl. Unsere Herkunft spielt dabei nur bedingt eine Rolle.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. Juni 2018 | 14:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Juni 2018, 04:00 Uhr