Das Triadische Ballett, Bayerisches Juniorballett München und Ivan Liška
"Das Triadische Ballett" wurde 2017 vom Bayerischen Juniorballett München und Ivan Liška im Rahmen der Euro-Scene aufgeführt Bildrechte: Rolf Arnold

Interview mit Skadi Jennicke Euro-Scene: Künftige Zusammenarbeit mit Festspielhaus Hellerau?

Die Euro-Scene, das Leipziger Festival für zeitgenössisches Theater und Tanz, sucht eine Nachfolge für die scheidende Direktorin Ann-Elisabeth Wolff. Bereits im Juni sollten Namen genannt werden, doch noch immer ist nichts bekannt. Über den Findungsprozess, die Rolle der Stadt dabei und die künftigen Optionen des Festivals spricht Leipzigs Kultur-Bürgermeisterin Skadi Jennicke im Interview.

Das Triadische Ballett, Bayerisches Juniorballett München und Ivan Liška
"Das Triadische Ballett" wurde 2017 vom Bayerischen Juniorballett München und Ivan Liška im Rahmen der Euro-Scene aufgeführt Bildrechte: Rolf Arnold

MDR KULTUR: Das Festival für zeitgenössisches Theater und Tanz, Euro-Scene, wird vom Publikum sehr gut angenommen. Wo gibt es aus Ihrer Sicht noch Nachbesserungsbedarf?

Skadi Jennicke: Also, ohne Zweifel hat die Euro-Scene in unserem Festivalherbst eine große Bedeutung. Sie hat einen hohen Publikumszuspruch. Sie haben es gesagt, die Auslastung liegt bei nahe 100 Prozent. Nach wie vor können wir registrieren, dass die Leipziger und Leipzigerinnen hungrig sind, internationale Gastspiele, aus Europa und auch aus Übersee, in der Euro-Scene zu sehen.

Skadi Jennicke
Skadi Jennicke, Bürgermeisterin und Beigeordnete für Kultur in Leipzig Bildrechte: DiG/trialon

Wo es aus meiner Sicht Nachbesserungsbedarf gibt, und da hoffe ich sehr auf die zukünftige Festivalleitung, ist tatsächlich, dass man den Anteil an Eigenproduktion oder vielleicht auch Koproduktion mit anderen Theaterfestivals deutschlandweit, europaweit stärker in den Blick nimmt. Jetzt ist es häufig so, dass Gastspiele eingeladen werden, die zuvor auch schon auf anderen Festivals gelaufen sind – wenige Uraufführungen und ganz selten Koproduktion und fast gar keine Eigenproduktionen. Und ich denke, da muss sich ein Festival heute, um wirklich auch Verdrängungsmasse in der sehr dichten Festivallandschaft zu generieren, offensiver aufstellen.

Keine Uraufführung bedeutet natürlich auch, dass keine Berichterstattung in den überregionalen Feuilletons stattfindet. Das hat natürlich auch etwas mit dem Etat zu tun. Also entweder will man Uraufführungen in hoher Zahl oder internationale Koproduktionen und gibt mehr Geld aus – oder man belässt es beim jetzigen Etat und ist zufrieden, so wie es läuft.

Die Stadt Leipzig wendet für die  Euro-Scene jährlich 300.000 Euro auf. Das ist im Gesamtportfolio dessen, was wir in der Freien Kunst und Kultur fördern, ein wirklich sehr, sehr hoher Betrag. Die Kulturstiftung Sachsen ist jährlich beteiligt.

Ich bin mit dem Freistaat darüber im Gespräch, dass die Euro-Scene, da wo sie mal war, nämlich direkt vom Ministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert wird. In einer institutionellen Förderung. Da sind wir in guten Gesprächen, so dass sich auch da möglicherweise was bewegen kann. Und ich bin der Auffassung, dass – wenn man das Programm in die Richtung entwickelt, in der ich es eben beschrieben habe – man auch weitere Drittmittel etwas besser akquirieren kann, als es jetzt der Fall ist.

Sie könnten, das läge ja auch auf der Hand, mit dem Festspielhaus Hellerau zusammenarbeiten. Dann wäre Sachsen glücklich!

Das denke ich auch. Ich bin auch darüber mit dem SMBK im Gespräch, dass es eine solche Kooperation, Koproduktion gibt.

Die Euro-Scene findet aktuell nur in Leipzig statt und es wäre durchaus wünschenswert, dass wir im ersten Schritt die Euro-Scene auch tatsächlich zu einem sächsischen Festival entwickeln. Das ist der Anspruch von Frau Wolff auch jetzt schon, aber er stellt sich noch nicht in den Aufführungsorten oder eben in Koproduktionspartnern dar. Und da ist Hellerau ganz sicher die erste Adresse. Und dann haben wir mit der dortigen Intendantin ja auch eine Partnerin, die dafür aufgeschlossen und wohlwollend ist.

Zur Nachfolge der scheidenden Euro-Scene-Direktorin Ann-Elisabeth Wolff sollte ursprünglich im Juni ein entsprechender Name genannt werden. Vielleicht ist ja ein Problem der Einfluss des Trägervereins, wo Ann-Elisabeth Wolff noch immer die Vorsitzende ist?

Ann-Elisabeth Wolff
Ann-Elisabeth Wolff hat das Festival gegründet und leitet es sei 1993 als Direktorin Bildrechte: dpa

Das kann ich schwer einschätzen. Also Frau Wolff ist, glaube ich, klug beraten. Sie ist jetzt die Vorstandsvorsitzende und Festivalleiterin. Es ist in Ihrer Verantwortung, jetzt die Nachfolge zu regeln.

Wie weit sie sich dann auch in die laufenden Geschäfte einer zukünftigen Intendanz und Geschäftsführung einmischt, ist am Ende eine Entscheidung des gesamten Vorstands. Woran es jetzt liegt, dass es noch keine Entscheidung gibt, das kann ich nicht beurteilen. Die Stadt Leipzig ist am Verfahren selbst nicht unmittelbar beteiligt.

Aber wer das Geld gibt, hat großes Interesse an der weiteren Entwicklung …

Selbstverständlich! Also die Euro-Scene, das habe ich eingangs gesagt, ist ein wichtiges, bedeutsames Festival und hat auch Tradition und Geschichte generiert in den letzten 30 Jahren. Keine Frage und kein Zweifel. Genau deswegen haben wir ein Interesse, dass es auch relevant bleibt – und vielleicht ein Stück relevanter wird, auch in den nächsten Jahren.

Aber es ist ein freier Träger. Ja, wir haben darauf geachtet, dass das Verfahren transparent ist. Wir haben da auch die Abstimmung gesucht mit dem Trägerverein. Aber die eigentliche Entscheidung liegt in den Händen des Vereins selbst und da halten wir uns als Zuwendungsgeber inhaltlich zurück.

Das Interview führte Thomas Bille für MDR KULTUR.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 13. August 2019 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. August 2019, 04:00 Uhr

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