Blick vom Hafen der Stadt Sliema auf die Silhouette der Hauptstadt Valletta auf der anderen Seite des Marsamxett Harbour.
Blick vom Hafen der Stadt Sliema auf die Silhouette von Maltas Hauptstadt Valletta auf der anderen Seite des Marsamxett Harbour. Bildrechte: dpa

Europäische Kulturhauptstadt 2018 Valetta - Europäisch aus Tradition

von Tassilo Forchheimer, ARD-Korrespondent Studio Rom

Blick vom Hafen der Stadt Sliema auf die Silhouette der Hauptstadt Valletta auf der anderen Seite des Marsamxett Harbour.
Blick vom Hafen der Stadt Sliema auf die Silhouette von Maltas Hauptstadt Valletta auf der anderen Seite des Marsamxett Harbour. Bildrechte: dpa

Gemessen an der Bevölkerungszahl ist Valletta mit weniger als 6.000 Bürgerinnen und Bürgern ziemlich klein für den großen Titel einer Europäischen Kulturhauptstadt. Im Vergleich: Ganz Malta zählt 430.000 Einwohner, die auf 316 Quadratkilometern leben. Der südeuropäische Inselstaat, gelegen zwischen Sizilien und Libyen, ist das kleinste Land in der Europäischen Union. Allein die Stadt Bremen ist schon größer als die gesamte Republik Malta, und Leipzig zählt 160.000 mehr Einwohner.

Die Autos fahren links

Valletta, Hauptstadt von Malta - Stadtansicht von der St. Andrew Bastion über den Marsamxett Harbour, St. Paul`s Cathedral (spitzer Turm), Karmeliterkirche - (Kuppel),(Heiligtum Unserer Lieben Frau vom Berg Karmel, eng.: Shrine of Our Lady of Mount Carmel).
Mitten im Mittelmeer gelegen, musste sich Malta in den Jahrhunderten häufig gegen Angreifer zur Wehr setzen. Bildrechte: dpa

Immerhin ist die neue Europäische Kulturhauptstadt aber der Regierungssitz einer selbstbewussten Inselrepublik, die von so vielen unterschiedlichen Kulturen geprägt wurde, dass Ausländer leicht den Überblick verlieren.

Auf Malta herrscht Linksverkehr, die Insel war schließlich bis 1964 britische Kolonie. Im Radio erklingt ein Mischmasch aus Englisch, Arabisch und Italienisch. Und die Namen der Menschen in diesem Land scheinen fast willkürlich zusammengewürfelt:

Es gibt semitische Nachnamen, es gibt italienische, französische, griechische und englische. Auch nichteuropäische - wie aus Nordafrika. Wir haben zum Beispiel den Namen Said, das ist ägyptisch, eben wie Port Said.

Luisana D’Amato, Kuratorin des größten Museums auf Malta           

Neben Englisch wird hier auch Malti gesprochen, eine semitische Sprache mit vielen englischen und italienischen Lehnwörtern.

Kämpfe und Eroberungen

Malta liegt auf dem Schnittpunkt der wichtigsten Seewege durch das Mittelmeer und war deshalb über Jahrtausende hart umkämpft und fremdbeherrscht - von den unterschiedlichsten Mächten.

Megalithtempel von Hagar Qim
Der Megalithtempel von Ħaġar Qim sind etwa 5000 Jahre alt. Bildrechte: Tassilo Forchheimer/ARD-Studio Rom

Paläste, Theater, Befestigungsanlagen - fast alle Gebäude in Valletta sind aus einem ganz speziellen Kalksandstein. Ockergelb und rau wie Schleifpapier, so wie fast alle festen Bauten auf der Insel. Manche sind älter als die ägyptischen Pyramiden, die eindrucksvollsten Bauten stammen aus der Zeit der Malteser-Ritter.

Valletta war ein wichtiges Bollwerk gegen die Osmanen, die Europa gern vom Bosporus aus regiert hätten. Um dem Sultan die Stirn zu bieten, wurde Malta im 16. Jahrhundert zur stärksten Festung im gesamten Mittelmeerraum ausgebaut. Die prächtigen Bauten des Malteser-Ordens beherrschen Valletta noch heute, schwärmt Stadtführerin Audrey Marie Bartolo, die davon lebt, Touristen ihre Heimat zu zeigen. Weiter bemerkt sie: "Es ist den Rittern zu verdanken, dass unsere Geschichte so stark bereichert wurde. Die Ritter brachten den Barock nach Malta. Sie waren die Söhne katholischer Adelsfamilien, die Crème de la Crème, die Söhne der wichtigsten Familien im Europa jener Zeit."

Vorgänger der Europäischen Union

Malta ist also traditionell multinational und auf kulturell höchstem Niveau. Was damals auf Malta geschehen sei, könne ausstrahlen auf das heutige Europa, meint Vallettas Bürgermeister Alexiei Dingli: "Ich sage gern, dass Valletta so eine Art Vorgänger der Europäischen Union war - vor 450 Jahren schon. In Malta haben wir dieses Modell schon lange, dass unterschiedliche Menschen aus unterschiedlichen Kulturen mit unterschiedlichen Religionen zusammen leben, arbeiten und etwas Produktives leisten. Das ist nicht nur für Malta sehr wichtig, sondern für ganz Europa."

Innenaufnahme im Manoel Theater in Valletta, Hauptstadt von Malta.
Das Manoel Theater in Valletta Bildrechte: dpa

Die Sprachgruppen auf Malta konkurrierten miteinander, und alle wollten unbedingt etwas historisch Bedeutsames hinterlassen. Ein Großmeister baute ein Theater, ein anderer die Befestigung rund um die Insel. Es gab fast jedes Jahr ein großes Projekt. Und so haben die Malteser-Ritter Valletta zu einem Stück Weltkulturerbe gemacht. Die Stadt steht seit 1980 als Gesamtmonument auf der Schutzliste der UNESCO. In den vergangenen Jahren wurden alle wichtigen Gebäude aufwendig renoviert, damit sich die Stadt in ihrer ganzen Schönheit zeigen kann.

Diese Kulturhauptstadt ist anders als andere Kulturhauptstädte. Es geht nicht nur um Valletta, sondern um ganz Malta und auch um Gozo. Es ist eine Chance für die gesamte Insel zu zeigen, was wir haben und - noch wichtiger - wohin wir gehen.

Alexiei Dingli, der Bürgermeister von Valletta

Valetta vom Großen Hafen aus
Valetta vom Großen Hafen aus. Das Meer spielt hier eine wichtige Rolle. Bildrechte: Tassilo Forchheimer/ARD-Studio Rom

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Spezial | 03. Januar 2018 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Januar 2018, 18:20 Uhr

Stichwort Kulturhauptstadt

Mehr zu Malta

Meistgelesen bei MDR KULTUR