Regisseur Pawel Pawlikowski und sein Team präsentieren ihre Trophäen für den besten Spielfilm des Jahres beim 31. Europäischen Filmpreis.
"Cold War"-Regisseur Pawel Pawlikowski (2.v.r.) und sein Team präsentieren ihre Trophäen für den besten Spielfilm des Jahres beim 31. Europäischen Filmpreis. Bildrechte: dpa

Preisverleihung in Sevilla Europäischer Filmpreis - Deutschland gewinnt nur in Nebenkategorien

Am Samstag wurden im spanischen Sevilla die Europäischen Filmpreise verliehen. Großer Gewinner ist der polnische Film "Cold War". Deutschland erhielt diesmal nur Preise für Filmmusik und Sounddesign. Marie Bäumer, die für ihre Darstellung von Romy Schneider in "3 Tage in Quiberon" als beste Schauspielerin nominiert war, ging hingegen leer aus.

Regisseur Pawel Pawlikowski und sein Team präsentieren ihre Trophäen für den besten Spielfilm des Jahres beim 31. Europäischen Filmpreis.
"Cold War"-Regisseur Pawel Pawlikowski (2.v.r.) und sein Team präsentieren ihre Trophäen für den besten Spielfilm des Jahres beim 31. Europäischen Filmpreis. Bildrechte: dpa

Die Europäischen Filmpreise wurden am Samstagabend im spanischen Sevilla verliehen. Mit fünf Trophäen ist das polnische Liebesdrama "Cold War" der große Gewinner.

Szene aus dem Film Cold War
Joanna Kulig in "Cold War" - sie erhielt den Europäischen Filmpreis als beste Schauspielerin Bildrechte: Filmverleih Neue Visionen

Der Film des polnischen Regisseurs Pawel Pawlikowski spielt im Kalten Krieg und wurde in Schwarz-Weiß gedreht. Er wurde nicht nur als bester Spielfilm des Jahres ausgezeichnet, sondern erhielt auch Preise für Regie, Drehbuch und Schnitt. Zudem wurde Joanna Kulig (36), die in "Cold War" eine Sängerin spielt, als beste europäische Schauspielerin gekürt. Sie konnte die Auszeichnung nicht persönlich entgegennehmen, da sie nach Aussage von Regisseur Pawlikowski im siebenten Monat schwanger ist und deshalb nicht fliegen darf.

Marcello Fonte aus Italien küsst seine Trophäe für den besten Schauspieler beim 31. Europäischen Filmpreis.
Marcello Fonte mit seinem Preis Bildrechte: dpa

Einen Preis als bester europäischer Schauspieler erhielt der 40-jährige Italiener Marcello Fonte für seine Darstellung eines in kriminelle Machenschaften verwickelten Hundefriseurs in "Dogman". Fonte wurde für die Rolle bereits bei den 71. Internationalen Filmfestspielen von Cannes als bester europäischer Schauspieler geehrt.

Nebenpreise für deutsche Filme

Die Komponisten Cristoph Kaiser und Julian Maas präsentieren ihre Trophäe beim 31. Europäischen Filmpreis
Die Komponisten Cristoph M. Kaiser und Julian Maas Bildrechte: dpa

Für Deutsche gab es diesmal Auszeichnungen nur in Nebenkategorien. Christoph M. Kaiser und Julian Maas erhielten einen Preis für die beste Filmmusik für ihre Arbeit zum Romy-Schneider-Porträt "3 Tage in Quiberon". Eine Auszeichnung für das beste Sounddesign erhielten André Bendocchi-Alves und Martin Steyer für das Kriegsverbrecher-Drama "Der Hauptmann".

Die für ihre Rolle als Romy Schneider in "3 Tage in Quiberon" als beste Schauspielerin nominierte Marie Bäumer ging hingegen leer aus.

Schon auf der Berlinale hatte sie das Nachsehen. In der Königskategorie Bester Spielfilm trat in diesem Jahr kein deutscher Film an. Zuletzt hatte hier vor zwei Jahren Maren Ades "Toni Erdmann" einen Triumph gefeiert, mit Auszeichnungen in den Kategorien bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch und beste Darsteller.

Komödie um Stalins Tod in Russland verboten

Mit einem Preis als beste Komödie wurde "The Death of Stalin" des Briten Armando Iannucci gekürt. Der Film ist ein Ergebnis europäischer Zusammenarbeit, was den Regisseur zu dem Vorschlag inspirierte: "Ich werde diese erfolgreiche Idee mal in Großbritannien vorschlagen." Dass sein Film in Russland verboten ist, kommentierte Iannucci mit einem Furzgeräusch.

Der britische Hollywoodstar Ralph Fiennes ("Der englische Patient") wurde für seinen "Beitrag zum Weltkino" ausgezeichnet. Auch er bezog sich auf den Brexit und sagte "Kann ich englisch und europäisch sein?" und resümierte zugleich "Ich sage leidenschaftlich: Ja!"

Einen Preis für ihr Lebenswerk nahm die spanische Schauspielerin Carmen Maura (72, "Volver") entgegen. Die Akademie begründete die Auszeichnung damit, dass Maura mit ihrer atemberaubenden Darstellung von Frauen zwischen Passion und Ehrlichkeit zu den beeindruckendsten Schauspielerinnen gehöre. Maura ist Muse des spanischen Regisseurs Pedro Almodóvar und nahm den Preis zu Tränen gerührt aus den Händen von Wim Wenders entgegen.

Schauspielerin zu sein, ist ein Geschenk für mich.

Carmen Maura, Auszeichnung für das Lebenswerk
Der russische Kultregisseur Kirill Serebrennikow.
Der russische Regisseur Kirill Serebrennikow. Bildrechte: dpa

Den Ehrenpreis des EFA-Vorstands erhielt Constantin Costa-Gavras (85). Mit Filmen wie "Z" oder "Der unsichtbare Aufstand" sei er der Begründer eines neuen Genres gewesen, der Verbindung von Thriller und politischer Kritik, so die Begründung.

Die Filmemacher erinnerten in Sevilla auch an die für Europa politisch schwierigen Zeiten. Das Werk der von der russischen Justiz belangten Regisseure Kirill Serebrennikow und Oleg Senzow wurde von der polnische Regisseurin Agnieszka Holland gewürdigt. Serebrennikows "Leto" erhielt einen Preis für das beste Szenenbild, der Regisseur hat den Film im Hausarrest fertiggestellt.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 16. Dezember 2018 | 09:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Dezember 2018, 11:48 Uhr