Papagei am Meer
Das Sprachvermögen von Papageien ist bekannt, doch das Tierreich hält noch weit Erstaunlicheres bereit. Bildrechte: Colourbox.de

Buch: "Die Sprachen der Tiere" So sprechen Tiere miteinander

Tiere verfügen über vielfältige Möglichkeiten der Kommunikation. Diese sind teilweise hochkomplex. Selbst Hühner geben unterschiedlichen Menschen verschiedene Namen. Das Buch "Die Sprachen der Tiere" beleuchtet nun diese unbekannte Welt. Geschrieben hat es die Philosophin Eva Meijer.

von Antje Uebel, MDR KULTUR-Kritikerin

Papagei am Meer
Das Sprachvermögen von Papageien ist bekannt, doch das Tierreich hält noch weit Erstaunlicheres bereit. Bildrechte: Colourbox.de

Dass einige Tiere ihre eigenen Sprachen haben ist bekannt, Walgesänge zum Beispiel. Doch auch andere Tierarten kommunizieren untereinander. Beispielsweise rufen die Schwarzkopfmeisen "Chickadee". Wenn sie Alarm geben und ihre Feinde benennen wollen, dann variieren sie die letzte Silbe. Den amerikanischen Uhu nennen sie "Chikadeedeedee". Und bei noch gefährlicheren Räubern können sie bis zu 15 "Dees" hintendran hängen.

Mäuse-Barden

Zwei Mäuse
Männliche Mäuse beeindrucken durch ihr Gesangsvermögen Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mäuse wiederum singen in sehr hohen Tönen, die unser Ohr gar nicht mehr hören kann. Man sieht ihnen den Gesang auch nicht an. Ihre Lieber aber sind sehr komplex. Man hat herausgefunden, je komplexer eine männliche Maus ihr Lied singt, desto bessere Chancen hat sie, ein Weibchen zu gewinnen. Labormäuse lernen die Lieder voneinander. Und auch wenn die Mäuse genetisch identisch sind, hat jede von ihnen ihr eigenes Lied. Man hat es also hier nicht einfach nur mit einem Instinkt zu tun.

Sprechen durch Düfte

Bienen
Bienen haben verschiedene Kommunikationswege: Duft und Tanz Bildrechte: Colourbox.de

Sprache heißt auch nicht immer Laute von sich zu geben. Bienen kommunizieren beispielsweise über Pheromone, also chemische Duftstoffe. Sie kombinieren diese Stoffe, und je nach Dosis hat sozusagen der Geruchscocktail eine andere Bedeutung, so wie unterschiedliche Wörter. Afrikanische Bienen rufen zum Beispiel Artgenossen über einen bestimmten Geruch herbei und dann können sie Feinde gemeinsam angreifen.

Bienen haben aber auch noch eine zweite Sprache: sie tanzen. Sie fliegen Kreise oder Achten, nach links oder nach rechts, und teilen damit anderen Bienen mit wie weit entfernt welche Blüten zu finden sind.

Körperfarbe als Rangkennzeichen

Tintenfisch
Die Farbänderung von Tintenfischen dient nicht nur der Tarnung, sondern auch der Kommunikation Bildrechte: MDR/WDR/Kaufmann Product./Kaufmann

Bestimmte Tintenfische wiederum sprechen über ihre Hautfarbe. Sie können unterschiedlichste Farben annehmen und kombinieren. Das geht soweit, dass sie mit der Farbe auch sich selbst und ihre Stellung beschreiben. Ein ranghoher, kampferfahrener Tintenfisch färbt sich demnach anders als ein rangniedriger. Das ist ein bisschen wie bei der Armee, da kann man ja auch an der Kleidung den Dienstgrad ablesen. Bei den Tintenfischen zeigt das auch, dass sie durchaus ein Selbstbewusstsein haben.

Zum Erkennen von Selbstbewusstsein gibt es den berühmten Spiegeltest, bei dem man den Tieren etwas ins Gesicht klebt. Wenn sie sich erkennen, versuchen sie, die Sache zu entfernen. Elstern erkennen sich demnach, auch Schimpansen, Elefanten, Schweine oder Orkas. Es gibt aber auch eine Reihe von Tieren, für die dieser Text ungeeignet ist. Sie sehen schlecht, es ist ihnen egal oder sie sind gerne schmutzig. Gorillas sind beispielsweise sehr schnell verlegen und gucken gleich wieder weg.

Sichten einer Philosophin

Die Autorin des Buches, Eva Meijer, ist keine Biologin sondern Philosophin. Sie bezieht sich auf unglaublich viele Studien. Die sind alle im Buch aufgelistet: elf Seiten in Minischrift!

Eva Meijer - Die Sprachen der Tiere
Eva Meijer: "Die Sprachen der Tiere" Bildrechte: Matthes & Seitz Berlin

Weil Meijer keine Biologin ist, wirkt ihr Stil auch literarisch und sehr lebendig. Man spürt, sie brennt für ihr Thema. Sie hat - und das erklärt sie auch in ihrem Buch - selbst eine sehr enge Bindung zu Tieren. Demnach hat sie schon immer mit Tieren gelebt, daher gab es schon immer auch eine Kommunikation mit ihnen.

Meijer hat sich später in ihrer wissenschaftlichen Arbeit mit der Sprachphilosophie beschäftigt. Dabei war sie überrascht, dass für die Philosophen Sprache immer nur die menschliche Sprache war. Sie hat sich gefragt, warum sich bislang niemand mit der Sprachwelt der Tiere auseinandergesetzt hatte. Das empfand sie auch den Tieren gegenüber ungerecht.

Angaben zum Buch: Eva Meijer: "Die Sprachen der Tiere"
Reihe: Naturkunden Band 44
Illustration: Pauline Altmann
Übersetzung aus dem Niederländischen: Christian Welzbacher
176 Seiten, gebunden, 28 Euro
ISBN: 978-3-95757-536-4
Matthes & Seitz Berlin

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Buch der Woche | 06. Juni 2018 | 08:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Juli 2018, 18:13 Uhr

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