Album "I fucking love my life" Faber provoziert – und das ist gut so

Fabers neues Album "I fucking love my life" ist alles andere als bequem. Der streitbare Songwriter gibt lyrisch wieder Vollgas bis über die Schmerzgrenze. Schon im Vorfeld sorgte sein Song "Das Boot ist voll" für Diskussionen, für das Album wurde er sprachlich entschärft. Provokante Texte, gepaart mit Balkanbeats hoben Faber schon bei seinem Debütalbum aus der Masse an dahinplätschernder Popmusik heraus. Kann das neue Album hier mithalten? Marie-Kristin Landes hat es gehört und mit Faber darüber gesprochen.

Für zarte Gemüter, Freunde von Metaphern und der netten Umschreibungen ist das Album "I fucking love my life" von Faber nichts. Der Musiker nimmt, wie schon auf seinem Debütalbum "Sei ein Faber im Wind", kein Blatt vor den Mund. Wirklich nichts wird hier geschönt, der Schweizer singt von Hure, Pisse, Wichsen. In seinen Songs findet sich auch jede Menge Sex und Körperlichkeit.

Provokant mit Hintersinn

Man fragt sich, wie direkt ist zu direkt? Textzeilen wie: "Ey mach's wie mit einem Lollipop, dann kauf ich dir was Schönes bei Topshop" sind schon ziemlich sexistisch und klingen nach Macho. Faber relativiert: "Der Song 'Top' funktioniert wie Satire. Also das soll nicht die Meinung sein, dass ich das da bin, was ich da rede. Sondern ich beschreibe eine Szene, die es auf jeden Fall gibt." Bei dem Song "Generation YouPorn" wirkt seine offene unverblümte Sprache dagegen wahnsinnig befreiend.

Faber weiß, dass er mit seinen Texten provoziert. Und Musik soll das ja auch gern. Nur manchmal schießt Faber über das Ziel hinaus, so wie mit "Das Boot ist voll". In dem Song kritisiert er, dass unsere Gesellschaft einfach so Menschen im Mittelmeer ertrinken lässt. Ein Song mit starker Botschaft und extremer Wortwahl.

Für die Albumveröffentlichung hat Faber den Text abgeschwächt und mit der Kritik ist er auch einverstanden: "Ich glaube, ich wusste immer, dass das da nicht hingehörte. Aber irgendwie ist das so geblieben. Ich hab das irgendwann mal geschrieben gehabt und hab das live auch schon gespielt. Und es hat halt sehr gut funktioniert. – Immer wenn ich es ändern wollte, kam jemand und meinte: Wenn du das jetzt änderst, dann nimmt das die Kraft. Weil, du machst halt 'nen Rückzieher. Und das stimmt halt überhaupt nicht. So wie der Song jetzt ist, so möchte ich ihn eigentlich auch behandeln."

Ich hatte schon das Gefühl, dass es nicht darauf ankommt was ich sage, sondern wie ich es sage. Der eigentliche Inhalt wurde ein bisschen vernachlässigt.

Faber

"I fucking love my life" ist jedoch mehr als ein Album voller Grenzüberschreitungen. Es zeigt auch, dass Faber sich musikalisch weiterentwickelt hat. Er baut sein zweites Album wie eine Oper auf,mit Ouvertüre, Intermezzo und Coda – klassische Parts, die das Album akustisch unterteilen. Dabei hat er eigentlich keine Ahnung von Oper, sagt er.

Faber alias Julian Pollina
Faber Bildrechte: IMAGO

Ich finde, das gibt dem Album einen schönen Bogen. Also klar, Popmusik macht man immer weniger in einem Albumformat und noch weniger in einem Format, wo es ein Vorspiel, ein Zwischenspiel und ein Nachspiel gibt. Aber ich hab das gerne wieder aufgegriffen.

Faber

Trotzdem bleibt Faber seinem Sound, den Bläserparts und Balkanbeats treu. Dazu gibt es spanisch anmutende Gitarrenriffs oder ein dreiminütiges Saxophonsolo. Das klingt schon groß, aber nicht überproduziert.

"I fucking love my life" von Faber ist ein Album, das sicher nicht bei allen gut ankommt und ziemlich unbequem ist. Aber wer will es schon immer bequem?

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 26. Oktober 2019 | 12:15 Uhr

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