Fantasy-Autor Markus Heitz liest aus einem seiner Manuskripte
Markus Heitz bei einer Lesung auf dem Wave-Gotik-Treffen 2018. Bildrechte: IMAGO

Literatur Der Autor Markus Heitz – ein Meister der Fantasy

Mit mystischen Orten und fremden Wesen hat er mehr als fünf Millionen Bücher verkauft und gehört zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren seines Genres: Markus Heitz. "Kinder des Judas", "Ritus", "Sanctum", "Blutportale", "Oneiros", "Totenblick" oder "Die Mächte des Feuers" heißen seine Bücher, die es längst auch als Comics und Hörbücher gibt. Die Reihe "Die Zwerge" gibt es auch als Playstation-Spiel. MDR KULTUR-Literaturkritiker Bastian Wierzioch hat sich mit dem Werk des – wie er ihn nennt – "Großmeisters unter den Fantasy-Autoren" auseinandergesetzt und erklärt im Gespräch, woher Heitz seine Ideen nimmt und was sein Werk auszeichnet.

Fantasy-Autor Markus Heitz liest aus einem seiner Manuskripte
Markus Heitz bei einer Lesung auf dem Wave-Gotik-Treffen 2018. Bildrechte: IMAGO

MDR KULTUR: Um uns Markus Heitz anzunähern, beginnen wir mit seinem Werk, seinen Romanen. Welche Bücher sind zuletzt von ihm erschienen?

Fantasy-Autor Markus Heitz
Markus Heitz gehört mit zu den erfolgreichsten Fantasy-Autoren im deutschsprachigen Raum. Bildrechte: IMAGO

Bastian Wierzioch: Schauen wir nur einmal auf die vergangenen vier Jahre. 2015 erschien sein Episodenroman "AERA – Die Rückkehr der Götter“. Das ist Urban-Fantasy, spielt also in der uns eigentlich geläufigen modernen Umgebung, die allerdings ordentlich durcheinander gebracht wird durch die Rückkehr der Götter: Manitu, Anubis, Odin, Thor, usw. übernehmen in Aera leibhaftig tragende Rollen auf Erden und das führt natürlich zu gehörig Ärger und zu vielen Konflikten. Hauptfigur der Geschichte ein Detektiv, der erfrischender Weise ohne jeglichen Respekt vor diesen Gottheiten auskommt. Die Stimmung in Aera ist eine düstere Welt, welche Heitz geschaffen hat, die an Blade Runner erinnert oder an Sin City – also an Film Noir.

Jetzt kann man aber nicht sagen, dass dieser Versuchsaufbau typisch wäre für die Bücher von Markus Heitz. Meist installiert er keine klassischen Detektiv-Figuren und wählt auch ganz andere Stimmungen in denen seine Handlungen ablaufen. Das hat er gezeigt 2016, gleich im Jahr darauf, mit Wedora -Staub und Blut. Das ist klassische Fantasy. Eine Stadt in der Wüste, eine ganz eigene detailreich ausgemalte Welt, in die verschlägt es einen Halunken und eine Gesetzeshüterin, und die beiden versuchen aus dieser Welt wieder in ihre alte Welt in eine Grafschaft zurückzukehren.

Das klingt nach der klassischen Heldenreise, nach der Odyssee: Held bricht auf, erlebt Abenteuer, bewältigt Prüfungen, kehrt in die Heimat zurück.

Exakt, und wenn man Markus Heitz selbst darauf anspricht, dann bestätigt er das auch genauso. Er sagt, alle Bücher, die jemals geschrieben wurden, seien eigentlich nur zwei Bücher in immer wieder abgewandelter Form. Die Odyssee und die Bibel.

Erzählerisch legt Markus Heitz in seinen Büchern eine enorme Bandbreite an den Tag. Schauen wir in seine Werkstatt, woher nimmt er seine Ideen?

Zum einen muss er recherchieren. Für sein Werk "Des Teufels Gebetbuch" hat er sich mit der Geschichte des Kartenspiels auseinander gesetzt und mit dem Leipzig des 18. Jahrhunderts. Letzteres dürfte ihm relativ leicht gefallen sein, weil er im Saarland lebt und in Leipzig. Und neben der Recherche ist es so, dass sich Markus Heitz im Alltag andauernd und von vielem inspirieren lassen kann. Mir hat er das so erklärt, wenn Erwachsene auf der Straße einen Stock sehen, dann sehen sie einen Stock. Wenn aber Kinder einen Stock sehen, dann machen sie gleich was draus. Und auch für Markus Heitz sei so ein Stock häufig weniger ein Stock, als vielleicht ein Schlüssel oder eine Waffe oder ein Zauberstab. Mit den Augen eines Kindes, das ist Teil des Erfolgsrezepts dieses Autors.

Und dieser große Output mit mindestens einem 500 Seiten starken Roman  jährlich – häufig zweien. Wie macht er das?

Fantasy-Autor Markus Heitz mit einer Ausgabe seines Romans "Die Rache der Zwerge"
"Die Rache der Zwerge" ist der dritte Teil seiner "Zwerge"-Reihe und erschien im Jahr 2005. Bildrechte: IMAGO

Die anderen beiden Zutaten des Erfolges heißen bei Markus Heitz Disziplin und Struktur. Heitz arbeitet viel und diszipliniert und er konzipiert alle Bücher stets nach dem demselben Prinzip. Angefangen hat er nämlich als Rollenspieler. Pen and Paper. Das ist eher so eine 1980er-Jahren eine Sache gewesen. Das sind Spiele, bei denen die Spieler fiktive Rollen einnehmen und sich gemeinsam durch Abenteuer würfeln.

Und solche Spielwelten entwarf Markus Heitz in jungen Jahren selbst und mit seinen Büchern macht er es heute nach seinem alten Bauprinzip. Seine Wüstenstadt Wedora ist sogar tatsächlich eine mehr als 20 Jahre alte Rollenspielwelt-Idee. Also zunächst entwirft Markus Heitz die Welten, die er dann bevölkert, dann werden Handlungsstränge entwickelt, und wenn alles steht, erst dann wird geschrieben. Also: Disziplin und Struktur.

Geht es Markus Heitz bei dieser Menge an Büchern in dieser hohen Frequenz nicht so wie zum Beispiel einem Stephen King, der sich immer wieder gegen den Vorwurf wehren muss, bei so vielen Büchern leide die Qualität?

Das ist eine Frage der Maßstäbe, die man anlegt. Besuchen Sie eine Buchhandlung! Greifen Sie in das Regal Fantasy! Es kann gut sein, dass sie da herb enttäuscht werden – nicht von Wolfgang Holbein, nicht von Kai Meyer oder Ivo Pala. Aber es gibt doch viel Massenware auf diesem Markt und unter den Autoren ja dann doch einige Scharlatane. Heitz-Bücher dagegen sind immer eine Empfehlung bei gleich bleibender Qualität, wie ich finde. Das sind stimmige Geschichten, das sind aufwendig gezeichnet Figuren, da gibt es viele Details und aufwendig ausgemalte Ideen in seinen Welten. Da gibt es zahlreiche überraschende Wendung in den Geschichten. Das ist selten langweilig, was Markus Heitz macht. Bei dem Kartenspiel-Buch dachte ich zunächst, uuuuuh Spielkarten: langweilig. Stimmte aber nicht, war auch spannend.

Das Gespräch führte MDR KULTUR-Moderatorin Ellen Schweda.

Zur Person Markus Heitz wurde 1971 im saarländischen Homburg geboren. Nach der Schule schloss er ein Magister-Studium im Fach "Germanistik und Geschichte" ab. Danach arbeitete er als freier Journalist. Seit seinem Durchbruch mit der "Zwergen"-Reihe ist er hauptberuflich freier Autor. Er gilt als erfolgreichster Fantasy-Schriftsteller im deutschsprachigen Raum.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 05. September 2018 | 18:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. September 2018, 18:28 Uhr

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