Kommentar zur Echo-Nominierung für Farid Bang und Kollegah "Düsseldorfer Waschbretthirne"

Seit 1992 wird der Echo verliehen, ein von der Deutschen Phono-Akademie verliehener Musikpreis, der sich vor allem an Verkaufszahlen orientiert. Am Donnerstag ist es wieder soweit. Aktuell wurde die Nominierung der Rapper Farid Bang und Kollegah und ihres Bestseller-Albums "Jung, brutal, gutaussehend 3" kontrovers diskutiert; wegen des Songs "0815" wurde dem Duo sogar Antisemitismus unterstellt. Bang und Kollegah verstehen sich als nicht eben zimperliche Battle-Rapper, deren Texte vornehmlich von massiven und vulgären Beleidigungen geprägt sind. Entsprechend nehmen auch wir kein Blatt vor den Mund: Sky Nonhoff zur wohl heftigsten musikalischen Debatte dieses Frühjahrs.

von Sky Nonhoff, MDR KULTUR

Also, alle mal herhören: "Ich werd’ deine Mama bangen, bei ihr Samen spenden / Wir ballern mit der Gun auf Menschen / Auf offener Straße mit Beamten kämpfen." Unter Rappern wird man so was ja wohl noch mal sagen dürfen.

Die muskelgestählten Fitness-Bros Farid Bang und Kollegah sagen es besonders laut, mit sogenannten Texten, die noch dümmer sind als das berühmte Brot. Das muss belohnt werden, und so sind die zwei Düsseldorfer Waschbretthirne nun für den Echo 2018 nominiert worden, und das in gleich zwei Kategorien. Vielleicht geben sie bei dieser Gelegenheit dann auch ihren Deutsch-Rap "Jagdsaison" zum Besten, vorzugsweise zusammen mit den ebenfalls nominierten Toten Hosen. Kostprobe?

Kollegah, 2017
Kollegah ist frech, aber wirklich! Bildrechte: IMAGO

Ihr seid ein Hundesohnverein wie die Bundespolizei
Kriegt die Mäuler voll mit Schwanz und die Lungen voll mit Blei.

Aus dem Song "Jagdsaison" von Farid Bang und Kollegah

Die Toten Hosen haben in den 80ern ein ehrenwertes Musikgenre namens Punk zum Grölemann-Schlager konvertiert. Ganz ähnlich verfahren Farid und Kollegah 30 Jährchen später mit dem Hip Hop: Wo selbst der härteste amerikanische Rap stets ein Mindestmaß an Flow, Melodie, Witz und Selbstironie hat, lassen die zwei Maulhelden die Klöten aus der Jogginghose und den Schwachsinn hinter der hohlen Stirn raushängen.

Ihr halbalphabetisches Geklöppel über den Rumpelbeats klingt etwa so, als würden der islamistische Hassprediger Pierre Vogel und Ballermann-Barde Micki Krause gemeinsam eine Art Isch-kill-disch-Version von 'Finger im Po, Mexiko' anstimmen.

Sky Nonhoff
Farid Bang
Farid Bang hat gerne Beef (Streit) mit anderen Rappern Bildrechte: dpa

Ihre Reiz- und Schlüsselworte: Massaker, Holocaust, Massengrab, Pumpgun, Schwanz, Fotze, Hundesohn, oder, in einer Textzeile zusammengefasst: "Dein Chick ist ’ne Broke-Ass-Bitch, denn ich fick sie, bis ihr Steißbein bricht."

Der Schriftsteller Max Goldt hat es seinerzeit so formuliert: "Manche Menschen reden nicht, es spricht aus ihnen."

Zwei Halbstarke auf der Glitzerbühne

Aber das Leben kann zuweilen durchaus gerecht sein: Die Strafe für solch geballten Dumpfsinn besteht darin, dass Farid und Kollegah bei der Preisverleihung zum Echo 2018 nun Seite an Seite mit Bitches und Hurensöhnen wie Helene Fischer, Ed Sheeran und der Kelly Family auftreten müssen.

Die Deutschrapper Kollegah und Farid Bang
So cool sehen Rapper mit Preisen aus Bildrechte: dpa

Fest steht, dass sie dem sogenannten Battle-Rap einen echten Bärendienst erwiesen haben: Er klingt jetzt, als wollten sich die Halbstarken von 2018 in jenen Urschlamm zurückgraben, aus dem einst der Sound der Sonderschule kroch.

Im Vorfeld der Preisverleihung gab es einen mittelgroßen Skandal: wegen der Textzeile "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen". Den zwei Gewalt-&-Gülle-Schwallköpfen wurde von den deutschen Medien Antisemitismus vorgeworfen. Zu Recht, keine Frage. Aber noch nachdenklicher stimmt Kollegahs Rechtfertigung auf Youtube, in der er jeglichen Judenhass-Verdacht weit von sich weist. Er kann das Wort "Antisemitismus" nämlich nicht mal richtig aussprechen.

Auch interessant

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. April 2018 | 07:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Mai 2018, 18:05 Uhr

Weiterlesen

Meistgelesen bei MDR KULTUR

Nichts mehr verpassen