Staatsminister Rainer Robra
Rainer Robra ist Vorsitzender des Bauhaus-Stiftungsrates und Kulturminister von Sachsens-Anhalt Bildrechte: IMAGO

Konzert in Dessau Feine Sahne Fischfilet: Bauhaus-Stiftungsrat räumt Fehler ein

Staatsminister Rainer Robra
Rainer Robra ist Vorsitzender des Bauhaus-Stiftungsrates und Kulturminister von Sachsens-Anhalt Bildrechte: IMAGO

Der Wirbel um ein Konzert der Punkband Feine Sahne Fischfilet in Dessau hat in den letzten Wochen viel Aufmerksamkeit hervorgerufen. Die Stiftung Bauhaus hatte ein geplantes Konzert der Musiker im Rahmen der TV-Reihe "zdf@bauhaus" abgelehnt, nachdem rechte Gruppierungen im Internet zum Protest aufgerufen hatten. Die Band trat daraufhin am Dienstag in der Alten Brauerei in Dessau auf.

Heute hat sich der Stiftungsrat des Bauhauses mit der Angelegenheit beschäftigt. Nach der Sitzung am Vormittag gab er bekannt, dass er Fehler in der Absage des Konzertes sieht.

Der Vorsitzende des Bauhaus-Stiftungsrates, Rainer Robra, im MDR KULTUR-Gespräch:

Wie wurde im Stiftungsrat über die Absage des Konzertes von Feine Sahne Fischfilet debattiert?

Es gab eine intensive Debatte, bei der eine ganze Reihe von Gesichtspunkten eingeflossen sind. Wir haben uns am Ende gemeinsam auf ein Statement verständigt, das die gemeinsame Auffassung der Mitglieder des Stiftungsrates wiedergibt, unter anderem die Erkenntnis auf der Grundlage der heutigen Diskussion, also des heutigen Kenntnisstandes, dass die Entscheidung ohne ausführliche Abwägung der damit verbundenen Konsequenzen und ohne ausreichende Einbeziehung der lokalen Akteure und Verantwortlichen sowie fachlichen Partner erfolgte.

Feine Sahne Fischfilet
Die linke Punkband Feine Sahne Fischfilet Bildrechte: imago/STAR-MEDIA

Der Stiftungsrat bedauert, dass die vielfältige inhaltliche Arbeit der Stiftung Bauhaus, die sich intensiv mit dem ideellen Erbe des Bauhauses befasst und dieses in die Gegenwart fortführt, im Moment nicht ausreichend wahrgenommen wird und durch die aktuellen Vorgänge überlagert ist. Der Stiftungsrat unterstreicht auch gemeinsam seine Auffassung, dass das Bauhaus in Erinnerung an seine Geschichte und als lebendiger Debattenort heute für eine moderne, offene und vielfältige Gesellschaft steht und für deren Werte eintritt. Er begrüßt, dass sich die Stiftung intensiv und selbstkritisch der Kritik von innen und außen gestellt hat und dass das offene Gespräch vom 30.10. dazu eine neue Form der öffentlichen Standortbestimmung ist, die auch fortgeführt werden soll. Die Öffentlichkeit wird eingeladen, sich daran zu beteiligen. Und - last, not least - erwartet der Stiftungsrat, dass er zukünftig bei Entscheidungen von erheblicher kulturpolitischer Tragweite umgehend eingebunden wird. - Das ist das Statement des Stiftungsrates.

Und vielleicht auf eine Schlagzeile gebracht: Hat sich der Stiftungsrat dazu durchgerungen zu sagen, die Absage des Konzertes war ein Fehler?

So nicht, sondern es wird schon sehr klar unterschieden zwischen der ex ante-Situation, in der Frau Perren entschieden hat und der heutigen Sicht auf die Dinge, die natürlich differenzierter ist im Lichte all dessen, was an Kritik von außen gekommen ist. Auch im Lichte der Abläufe des gestrigen Abends.

Wobei wir nicht wissen, wie es hypothetisch anders verlaufen wäre, wenn es im Bauhaus stattgefunden hätte. Sondern der entscheidende Punkt ist, wenn man so will, dass das materielle Bauhauserbe aus Sicht des Stiftungsrates noch durch die ideellen Gesichtspunkte hätte ergänzt werden sollen. Also auch diese in die Abwägung einzubeziehen. Und dass man sich vielleicht mehr Zeit hätte lassen sollen, auch die anderen Partner und Beteiligten stärker einzubeziehen.

Sie sind ja, Herr Robra, vor drei Wochen so verstanden worden, dass Sie meinten, das Bauhaus ist nicht in erster Linie - schon aus seiner Tradition heraus - ein Ort der politischen Auseinandersetzung. Würden Sie das heute anders sehen?

Das war ja, wie Frau Perren selbst sagt, missverständlich in der Formulierung. Es ist auch krass missverstanden worden in der Formulierung der Presseerklärung des Bauhauses. Es entspricht auch nicht dem Kenntnisstand, der im Bauhaus unter den Beteiligten über die Stellung des Bauhauses in den 20er-Jahren vorliegt.

Es ist nicht tagespolitisch, das Bauhaus wird auch in Zukunft nicht tagespolitisch sein. Aber natürlich ist es ein Ort der politischen Debatten und der Standortbestimmung, auch in der Gegenwart, mit Blick auf die Vergangenheit und die Geschichte des Bauhauses, ganz klar.

Das Interview führte Alexander Mayer für MDR KULTUR

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. November 2018 | 16:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. November 2018, 19:18 Uhr

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