Neue Fenster für Johanniskirche Maler Max Uhlig macht Magdeburger Kirche zum Kunstereignis

Die Johanniskirche ist eines der Wahrzeichen des zweimal zerstörten Magdeburg. Für das entweihte Gotteshaus hat der Dresdner Künstler Max Uhlig jetzt eine Reihe von raumhohen Kirchenfenstern geschaffen. Mit diesem einzigartigen Kunstwerk schreibt sich Magdeburg weit vorn in die Liste exklusiver moderner Glasmalerei.

Die Johanniskirche in Magdeburg von außen
In der Johanniskirche in Magdeburg ist nun das größte Werk des Dresdner Künstler Max Uhlig zu sehen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kunstreisende zog es in Magdeburg bisher zum Dom und zur modernen Skulpturen-Collection ins Museum. Jetzt kommt die frühere Johanniskirche hinzu, heute Festsaal der Stadt und Konzerthalle. Für das entweihte Gotteshaus hat der Dresdner Künstler Max Uhlig eine Reihe von raumhohen Kirchenfenstern geschaffen.

Die Johanniskirche in Magdeburg von außen
Die Johanniskirche in Magdeburg dient heute als Fest- und Konzertsaal. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach dem Vernichtungsangriff im Zweiten Weltkrieg waren am 16. Januar 1945 mehr als zwei Drittel der Magdeburger Innenstadt zerstört. Die bis in die 30er-Jahre prosperierende Stadt hat sich – anders als Dresden – bis heute nicht davon erholt. Auch die Renovierung der Kirche kam zum Erliegen, bis sich 1991 ein Kuratorium für den Wiederaufbau gründete.

Eine Reihe farbiger Kirchenfenster 4 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eines der Wahrzeichen des zweimal zerstörten Magdeburg ist die Johanniskirche. Für sie hat der Dresdner Künstler Max Uhlig jetzt eine Reihe von raumhohen Kirchenfenstern geschaffen – ein einzigartiges Werk.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 16.09.2020 06:00Uhr 04:03 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eine Reihe farbiger Kirchenfenster 4 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eines der Wahrzeichen des zweimal zerstörten Magdeburg ist die Johanniskirche. Für sie hat der Dresdner Künstler Max Uhlig jetzt eine Reihe von raumhohen Kirchenfenstern geschaffen – ein einzigartiges Werk.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 16.09.2020 06:00Uhr 04:03 min

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Uhligs Fenster als krönender Abschluss

Dieter Scheidemann vom Kuratorium Wiederaufbau sagte MDR KULTUR, mit den neuen Fenstern sei man endlich am Ziel. "Der eigentliche Wiederaufbau des Kirchenschiffes ist 1999 erfolgt, dann kam noch die Turmhaube auf den zweiten Turm, das Glockenspiel. Die Fenster bilden jetzt den krönenden Abschluss, so darf man das schon sagen."

Eine Reihe farbiger Kirchenfenster
Uhligs Landschaftsszenerie in Feuer- und Erdtönen über sechs Fenster verteilt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Chor-Fenster hat Max Uhlig im strengen Schwarz-Weiß und in den eckigen Formen knorriger Gewächse gelassen. Er nimmt damit die Passions-Fenster einer Kirche auf, lässt sogar so etwas wie eine Dornenkrone anklingen.

Die sechs Südfenster lassen das Licht in Rot-Orange-Gelb aufjubeln, es erstrahlt in starken Kontrasten zu dunklen Partien. Die Fenster erscheinen tatsächlich wie bemalt, nicht wie kombinierte homogene Farbscheiben. Nach Versuchen, Ereignisse der Stadtgeschichte farblich-abstrakt zu symbolisieren, fand der Künstler die bessere Lösung in seiner Arbeit schon vorbereitet: "Ich kam auf die Idee wie ein Blitz, ich zerschneide eine Landschaft, eine gedachte Malerei, und lasse die vor der Südfront farbig in Teilen erscheinen, als Fortsetzung."

Ein einzigartiges Werk

Ein Künstler bemalt in einem Atelier liegende Kirchenfenster.
Die Fensterscheiben hat Uhlig alle selbst bemalt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Max Uhlig, 83 Jahre alt, hat ein einzigartiges Werk entwickelt. Er baut aus vielen sich verdichtenden Linien und Flecken Bilder zusammen, die noch figürlich sind, aber schon Musik. Völlig eigen ist, wie Uhlig das Sichtbare mit Motorik, mit einer Art Performance verbindet: Er ist der, der mit dem Bild tanzt. Uhlig erklärt: "Die Bewegung kommt so von den Zehenspitzen über den ganzen Körper, anders kann ich es nicht und will ich es auch nicht. Es ist notwendig, das als Ganzes zu beherrschen und nicht im Detail etwas aneinanderzureihen, und das zwingt ja dazu, dass man in großen Gesten sein Feld absteckt und sein Bild aufbaut."

Ich wollte die Freiheit der Malerei und auch die Energie, die in der Malerei steckt.

Max Uhlig

Allerdings ist dazu genaue Vorbereitung nötig. Anders als Kollegen, die ihre Entwürfe beim Glasmacher abgeben, hat Uhlig den Verlauf jedes Blei-Grates selbst bestimmt und jede Scheibe selbst bemalt. Anders habe er es sich gar nicht vorstellen können, so Uhlig. "Ich wollte nicht ins Dekorative. Ich wollte die Freiheit der Malerei und auch die Energie, die in der Malerei steckt. Jede Geste, die rücksichtslos über die dicken Steinstreben ging, musste ich so konzentriert fortsetzen, dass es nicht aussah wie angesetzt."

Ein ganzer Farbfest-Saal

Das Ergebnis ist, dass dieser 'Kirchen- und Festsaal' jetzt voller 'Originale' des Dresdner Malers hängt. Der Zyklus ist nicht nur Max Uhligs größtes Werk geworden, er veredelt und weiht die geschundene Kirche neu. Das Kuratorium für den Wiederaufbau hat sich und die Stadt mit einem unerwarteten Werk zeitgenössischer Kunst belohnt. Eigentlich sollte nur ein Raum verschönert werden. Doch mit diesem Kunst-Ereignis schreibt sich Magdeburg weit vorn in die Liste exklusiver moderner Glasmalerei ein. Meist sind das nur einzelne Fenster – hier ein ganzer Farbfest-Saal.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | artour | 27. August 2020 | 22:50 Uhr