Ausstellung Dresden Xperience
Szene aus der immersiven Ausstellung "Festung Xperience" in Dresden Bildrechte: Sylvio Dittrich

Eintauchen in Geschichte "Festung Xperience" in Dresden - Eine historische Kulisse wird lebendig

Nach sechs Jahren Planung und Bau eröffnet mit "Festung Xperience" ein neues immersives Museum in einem der ältesten Stadtareale von Dresden. Die Sandsteingewölbe der historischen Festungsanlage unterhalb der Brühlschen Terrasse dienen als Stichwortgeber und als Projektionsfläche für eine hochmoderne audiovisuelle Führung, die den Betrachter in 500 Jahre Dresdner Stadt- und Landesgeschichte eintauchen lässt - denn als immersives Museum lässt es seine Besucher die virtuelle Realität als real empfinden.

von Heike Schwarzer, MDR KULTUR

Ausstellung Dresden Xperience
Szene aus der immersiven Ausstellung "Festung Xperience" in Dresden Bildrechte: Sylvio Dittrich
Ausstellung Dresden Xperience 4 min
Bildrechte: Sylvio Dittrich
Ausstellung Dresden Xperience 4 min
Bildrechte: Sylvio Dittrich

Zuerst werden die Besucher der neu eröffneten Festungsanlage in Dresden von den authentischen Räumen überwältigt. Das allein schon lohnt den Besuch. Unter dem frisch sanierten und 500 Jahre alten Kuppelgewölbe aus Sandstein setzt er dann ein, der labyrinthische audiovisuelle Museumsgang. Die Besucher setzen Kopfhörer mit einem grün leuchtenden Sensor auf und bekommen ein handygroßes Abspielgerät umgehängt. Jetzt läuft man einfach von Nummer zu Nummer entlang der rund 25 Stationen.

Der mannshoch projizierte Kurfürst Moritz von Sachsen begrüßt die Gäste an der ersten Station der Führung. Als er die Festung anlegen ließ, umschloss sie noch den gesamten Stadtkern der einstigen Residenzstadt. Seit 1575 hat hier kein großer baulicher Eingriff mehr stattgefunden. Jetzt geben die alten Mauern – unsichtbar von 27 Hochleistungsbeamern auf 1.800 Quadratmetern Fläche projiziert - szenische Momente seiner Stadtgeschichten preis.

Kurator Dirk Welich erklärt dazu: "Die staatlichen Schlösser arbeiten jetzt schon seit zehn Jahren mit dem Ansatz der explorativen Partizipation des Besuchers, man könnte auch sagen, der entdeckenden Teilhabe. Wir machen das, weil wir glauben, dass der Besucher gern aktiv sein möchte, weil wir glauben, dass er sich nicht so sehr belehrt fühlen möchte und weil wir denken, dass er dadurch dem Ganzen aufgeschlossener gegenüber steht. Im Grunde bauen wir auf seine Neugier."

Multimediales Theater trifft auf immersives Museum

Ausstellung Dresden Xperience
"Festung Xperience" in Dresden Bildrechte: Schlösserland Sachsen

Multimediales Theater trifft auf immersives Museum an einem authentischen historischen Ort ohne Sammlung. Eigentlich sind es nur Bilder an der Wand, aber aus historischen Stichen knallt und sprüht es plötzlich aus Kanonen und sprechende Menschen tauchen aus den Tiefen der Gewölbe auf. Hochwasser flutet ganze Räume und der Betrachter steht mittendrin und watet zur nächsten Station durchs Elbwasser. Wer sich Zeit nimmt, bemerkt, so funktioniert das Eintauchen und Abtauchen in Geschichte.

"Wenn Sie ins Kino gehen, quatschen sie auch nicht ins Handy oder mit den Nachbarn", bemerkt Christian Striefler, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH. "Wenn Sie im Theater sitzen, haben Sie sich auch anderthalb bis zwei Stunden komplett eingelassen auf das, was geboten wird. Und das ist das Wesentliche, um das hier wirklich zu erleben."

Kerker, alchimistischer Spielraum und barocke Festgelage

Kriege, Kämpfe und Spielgelage fanden in den Dresdner Festungsanlagen statt, der Ort war Kerker und alchimistischer Experimentierraum der Porzellanerfinder um Johann Friedrich Böttger. Und über der Festung, auf den Brühlschen Terrassen, wurden barocke Festgelage gefeiert. Für jeden Festungsraum fanden sich aus der umfangreichen und gut erschlossenen Quellenlage markante Geschichten und Bilder. Ein Team von visuellen und Sounddesignern hat sie in einem langwierigen Prozess multimedial in Szene gesetzt.

Ist das eigentlich noch eine Ausstellung? Ich nennen es ganz gern: Es ist eine HSP, eine Historical Side Performance, oder man könnte auch sagen: Die Aufführung eines kulturhistorisch wertvollen Ortes. Also, der Ort wird aufgeführt.

Dirk Welich, Kurator
Ausstellung Dresden Xperience
"Festung Xperience" in Dresden Bildrechte: Sylvio Dittrich

Welich weiter: "Und wir haben hier eine ähnlich schöne Situation wie in einem Naturtheater, eine reale Kulisse, nur dass die nicht ausschließlich real ist, sondern sie ist auch noch authentisch, wahrhaftig in dem, was sie uns sagen kann."

Es gab schon lange den Plan, die historische Festungsanlage unterhalb der Brühlschen Terrasse wieder zugänglich zu machen, sagt Christian Striefler. Nach sechs Jahren Umbau ist es nun soweit. Festung Xperience führt zurück in die Geschichte von Sachsen und in die digitale Zukunft der Museen.

"Diese Art von musealer Gestaltung gibt es kein zweites Mal im Land, in Sachsen nicht, in Deutschland nicht, das ist ein Neuland, was wir beschreiten. Hier ist das Gebäude an sich der Ausstellungsgegenstand, und ich bin gespannt, wie die Besucher das empfinden werden", sagt Christian Striefler.

Infos zur Ausstellung: Öffnungszeiten (ab 30. November 2019):

Mo–So: 10:00-18:00 Uhr, Letzter Einlass 16:30 Uhr

Geänderte Öffnungszeiten an folgenden Tagen:
24.12., 25.12. und 31.12. geschlossen, 01.01.: 12:00-18:00 Uhr

Eintritt
Vollzahler: 10,00 €
Ermäßigt: 7,50 €
Freier Eintritt: Inhaber der schlösserlandKARTE (inkl. 2 Kinder bis 16 Jahre)

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 30. November 2019 | 07:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. November 2019, 07:45 Uhr