"Alkohol – Der globale Rausch" Dieser Film wird Ihre Sicht auf den Alkohol verändern

Schon mit seiner letzten Doku "Das System Milch" erschütterte Andreas Pichler sein Filmpublikum. Seine neue Dokumentation "Alkohol – Der globale Rausch" propagiert nun keine Abstinenz, sie zeigt allerdings offen die Folgen des Alkohols. 140 Millionen Alkoholabhängige gibt es weltweit und jedes Jahr ca. 3 Millionen Tote durch die Sucht. Die Alkohollobby sucht mittlerweile neue globale Absatzmärkte, auch in Regionen, die bislang weitgehend abstinent waren. Mit absehbaren Folgen.

Junge Menschen stoßen an
Eine Bar in Liverpool – Alkohol gehört dazu. Doch warum ist das so? Bildrechte: Tiberius Film / EIKON Filmproduktion & Miramonte Film

Die Dokumentation "Alkohol – Der globale Rausch" von Andreas Pichler betrachtet die westliche "Kulturdroge" Alkohol. Zum Glück versucht der Film nicht, uns zu missionieren, Abstinenzler aus uns zu machen. Aber er stellt eine Frage: Was läuft schief mit unserem Alkoholkonsum und warum?

Die Anzahl der Menschen, die von Alkohol süchtig werden, steigt. 140 Millionen sind es weltweit – mit rund 3 Millionen Toten jedes Jahr. Alkohol erfüllt eigentlich alle drei Kriterien, die auch für Kokain oder andere Drogen gelten: Er betäubt unsere Sinne, er macht uns langfristig krank und es steckt ein Riesenbusiness dahinter. Sind die wunderbaren Südtiroler Weinberge nicht eigentlich dasselbe wie die kolumbianischen Kokafelder? Bloß eben alles ganz legal?

Von der Gotteserfahrung zur Höllenfahrt

Seit Jahrtausenden trinken wir in der christlichen Zivilisation Alkohol. Mönche haben Bier gebraut und Wein angebaut. Der Alkohol hatte zu tun mit Transzendenz, mit dem Versuch, Gott etwas näher zu kommen. Aber wie konnte daraus die große Massensucht werden, der globale Rausch?

Alkohol
Auch kulturvoll zelebrierter Alkoholgenuss kann süchtig machen. Bildrechte: Tiberius Film/EIKON Filmproduktion & Miramonte Film

Unmengen an Alkohol treffen heute auf eine Gesellschaft, die ihn dringend braucht: Auf die westliche Hochleistungsgesellschaft. Wir brauchen den Alkohol zum Runterkommen, zum Draufkommen, wir brauchen ihn gegen unsere Aggressionen und Depressionen und zur Erzeugung von Glücksgefühlen, die sich anders nicht mehr einstellen wollen.

Der springende Punkt, wo sich das verändert hat, ist eigentlich sozusagen im Augenblick, wo die Produktion industrialisiert wurde. Also in dem Augenblick, in dem es eigentlich ständig überall Alkohol potenziell zur Verfügung stand.

Andreas Pichler, Regisseur von "Alkohol – Der globale Rausch"

Persönliche Geschichten

Da ist zum Beispiel der im Film vorgestellte Lorenz Gallmetzer, er ist 67 Jahre alt. Einst war er ein erfolgreicher Journalist, Auslandskorrespondent beim österreichischen Fernsehen, Talkshow-Moderator. Doch dabei stand er immer unter Strom. Der Wein hat ihn jahrelang durch den Arbeitsalltag begleitet – bis es nicht mehr ging.

Die Protagonisten dieses Films erzählen mit einer Offenheit von ihrem Alkoholproblem, die dem Zuschauer nicht nur nah geht, sondern die auch zeigt, mit welcher erbarmunslosen Härte der Alkohol zuschlägt.

Frau spricht vor der Kamera.
Sarah Halpin Bildrechte: Tiberius Film / EIKON Filmproduktion & Miramonte Film

Wenn ich mir auch nur einen Drink genehmige, würde die kleine Sarah von damals aufwachen – nur viel größer und schlimmer. Ich schaue auf dieses Mädchen mit viel Mitgefühl und Schmerz und bin so dankbar, dass das nicht mehr mein Leben ist.

Sarah Halpin über die Gefahr eines Alkohol-Rückfalls

Neue Absatzgebiete um jeden Preis

Mann trägt an einem Strand einen Bierkasten auf dem Kopf
Es werden neue Absatzmärkte für den Alkohol erschlossen, derzeit u.a. in Afrika Bildrechte: Tiberius Film / EIKON Filmproduktion & Miramonte Film

Heute beträgt der Jahresumsatz des globalen Alkoholmarktes 1.300 Milliarden US-Dollar. Zehn Liter reinen Alkohol trinkt jeder Deutsche im Jahr – jeder Säugling, jeder Greis. Es ist eine Menge, die definitiv krank macht. Doch der Markt hier und in Westeuropa scheint mittlerweile gesättigt. Jetzt stürzen sich die Alkoholkonzerne auf Afrika und Asien, auf Kulturen, die bislang eigentlich weitgehend abstinent sind. Das 200-Millionenvolk von Nigeria zum Beispiel lernt jetzt von Heineken gerade das Koma-Saufen, auch das wird in der Dokumentation gezeigt.

Mann spricht vor der Kamera.
Paul Davies Bildrechte: Tiberius Film / EIKON Filmproduktion & Miramonte Film

Gerade ist die beste Zeit für die Bierindustrie. Das sage ich nicht nur so als Geschäftsmann, das meine ich wirklich. Sie werden sehen, wie die Leute das Angebot nutzen, unterschiedlichste Biersorten zu unterschiedlichsten Gelegenheiten zu trinken. Diese Welle wird um die ganze Welt gehen.

Paul Davies, Leiter Craft- und Spezialbier bei Carlsberg

Der Film "Alkohol – Der globale Rausch" fordert keine neue Prohibition, sondern dass die Politik aufhört, sich zum willigen Dealer der Alkoholindustrie zu machen. Die fast grenzenlose Verfügbarkeit von Alkohol, die öffentliche Werbung dafür und die irreführenden Kampagnen der Alkohollobby über angeblich verantwortungsvolles Trinken – das ist es, was verboten gehört.

Angaben zum Film "Alkohol – Der globale Rausch"
Dokumentation
von Andreas Pichler
Produktionsland: Deutschland
Kinostart am 9. Januar 2020

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | artour | 09. Januar 2020 | 22:05 Uhr

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