Hochspannungskino Der Film "1917" erzählt intensiv von der Hölle des Krieges

Zwei britische Soldaten haben eine Mission. Sie befinden sich in einem Wettlauf gegen die Zeit, das Leben von 1.600 Soldaten steht auf dem Spiel. "1917" ist ein fulminantes und hochspannendes Kinoereignis, sagt unsere Kritikerin, dem man sich nicht entziehen kann.

Film "1917"
Szene aus dem Film "1917" Bildrechte: Universal Pictures

Zwei junge britische Soldaten rasten unter einem Baum. Doch die Idylle trügt. Es ist Krieg, April 1917, an der Front in Frankreich. Die Verschnaufpause der beiden Engländer findet ein jähes Ende, als ihr General sie zu sich ruft. Er hat einen Spezialauftrag für sie.

"Im Grunde ist es eine ganz einfache Geschichte: Zwei Männer müssen im Jahr 1917 innerhalb von acht Stunden von einem Punkt der Westfront zu einem anderen. Wenn sie es schaffen, retten sie das Leben von 1.600 Soldaten, darunter den Bruder von einem der beiden Männer. Wenn es nicht gelingt, werden alle sterben. Insofern ist es ein Thriller über den Wettlauf gegen die Zeit." So fasst Regisseur Sam Mendes seinen Film zusammen.

Eine Mission wie ein Himmelfahrtskommando

Atemlos folgt man den beiden Soldaten. Denn ihre Mission gleicht einem Himmelfahrtskommando. Allein auf sich gestellt und mit minimaler Ausrüstung müssen sie das Niemandsland zwischen den Fronten durchqueren. Unwirtliches, verwüstetes Gelände, durchzogen von endlosen Tunneln und Schützengräben. Die Zeit sitzt ihnen im Nacken, und hinter jeder Ecke kann der Feind lauern.

Für Blake ist das Ganze nicht nur ein Auftrag. Es ist eine sehr persönliche Angelegenheit, denn er will vor allem seinen Bruder retten. Blake ist in Gedanken ständig bei seiner Familie, seinem Bruder, er sehnt sich nach zu Hause. Diese Verzweiflung treibt ihn an, gibt ihm den Mut, sich den gefährlichen Situationen zu stellen, wo man alle zwei Sekunden sterben könnte.

Dean-Charles Chapman, Darsteller von Tom Blake

Die Kameraarbeit wirkt wie eine einzige lange Einstellung

Das Weltkriegsdrama "1917" ist Hochspannungskino. Das gelingt James Bond-Regisseur Sam Mendes vor allem durch die besondere Arbeit der Kamera. Nie verlässt sie ihre Protagonisten, schwebt vor ihnen her, tänzelt um sie herum. So wirkt der Film wie eine einzige lange Einstellung und die Szenerie mit Schützengräben, Bombenkratern und Schlachtfeldern wird zur riesigen Bühne.

Man merkt gar nicht, dass es nur eine Einstellung ist, weil man  komplett eintaucht in die Geschichte. Es hat fast was Klaustrophobisches, denn es gibt keinen Ausweg. Da gibt es nicht plötzlichen einen weiten Blick, du bist unerbittlich mittendrin, gefangen mit den beiden Darstellern von Anfang an.

Roger Deakins, Kameramann

Wahnsinn und Hölle des Krieges erfahrbar machen

Man erfährt im Lauf der Geschichte nicht viel über die beiden jungen Männer, dennoch schafft die Erzählweise eine Unmittelbarkeit, der man sich nicht entziehen kann.

Ich möchte mit dieser Geschichte von zwei einfachen Soldaten, die ich in zwei Stunden, also quasi in Echtzeit, erzähle, das große Ganze begreifbar machen, das ganze Ausmaß der Zerstörung und die Unmenschlichkeit des Krieges. Das ist, wie wenn man durch ein winziges Schlüsselloch schaut und ein riesiges Horrorszenario entdeckt.

Sam Mendes, Regisseur

Das Drama "1917" verbindet eine fiktive Geschichte mit dem realen Kriegsgeschehen im April 1917 und macht daraus ein fulminantes Kinoereignis. Die permanente Gefahr, Angst und Schrecken nehmen einem den Atem. Selbst das Zuviel an Pathos an einigen Stellen schmälert das Kinoerlebnis nicht. Selten wurde von Wahnsinn und Hölle des Krieges mit solcher Intensität erzählt.

Film "1917"
Szene aus "1917" Bildrechte: Universal Pictures

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 18. Januar 2020 | 00:05 Uhr

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