Fünf-Sterne-Kino Die besten Filme des Jahres 2019

Es kommt nicht allzu oft vor, dass MDR KULTUR-Filmkritiker Knut Elstermann einem Film das Prädikat "Fünf Sterne" verleiht. Diese Filme haben es im Jahr 2019 auf die Liste der Besten geschafft. Darunter Kinoentdeckungen wie das Liebesdrama "Beale Street", die Ausnahmedokumentation "Heimat ist ein Raum aus Zeit" und der deutsche Film "Systemsprenger", der bei der Berlinale 2019 gefeiert wurde.

Historiendrama: "The Favourite"

Gleich in zehn Kategorien gehörte "The Favourite" von Regisseur Yórgos Lánthimos in diesem Jahr zu den Favoriten der diesjährigen Oscar-Verleihung. Letztlich gewann Olivia Colman die Trophäe als beste Hauptdarstellerin. Sie brilliert im Film als Queen Anne am englischen Hof im 18. Jahrhundert neben Rachel Weisz und Emma Stone. Die genervte, überforderte Königin kämpft um die Macht – gnadenlos und unterhaltsam.

Politsatire: "Vice"

Dieser Film von "The Big Short"-Regisseur Adam McKay wartet mit einer hochkarätigen Besetzung auf: Christian Bale überzeugt als US-Vize Dick Cheney, an seiner Seite spielen Amy Adams als Ehefrau, Steve Carrell als Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Sam Rockwell als George W. Bush. "Vice – Der zweite Mann" ist eine brillante Politsatire, meint unser Kritiker.

Liebesfilm: "Beale Street"

Regisseur Barry Jenkins (Oscar für "Moonlight") verfilmte mit "Beale Street" wunderbar sensibel einen Roman des großen Autors James Baldwin. Es geht um das Paar Fonny und Tish, das in den 70er-Jahren in New York unter rassistischer Verfolgung leidet: Die Liebe wird auf die Probe gestellt, als ein weißer Polizist Fonny fälschlicherweise der Vergewaltigung beschuldigt.

Dokumentation: "Der Funktionär"

Regisseur Andreas Goldstein ("Adam und Evelyn") hat einen Film über seinen Vater gedreht, den Funktionär Klaus Gysi. Dieser war zur NS-Zeit im antifaschistischen Widerstand und gehörte später in der DDR immer zur mittleren Führungsebene. Doch die scharfsinnige Dokumentation "Der Funktionär" ist mehr als ein Porträt: ein Blick auf die Geschichte der DDR, ihre Ideale und ihr Scheitern, findet Knut Elstermann.

Drama: "Burning"

Dieser südkoreanische Film nach einer Erzählung von Haruki Murakami nimmt uns mit in das Leben eines jungen Mannes, der in der Schwebe zu hängen scheint. Jong-su lebt in einem Ort an der Grenze zu Nordkorea und wäre gern Schriftsteller, findet aber sein Thema nicht. Ungeheuer intensiv bringt uns Regisseur Lee Chang-Dong in "Burning" eine verlorene Generation näher, die niemand zu brauchen scheint.

Drama: "Systemsprenger"

Wie geht man mit Kindern um, die gefährlich für sich und andere sind und pädagogische Grenzen sprengen? Dieser Debüt-Spielfilm von Nora Fingscheidt hat es zwar leider nicht auf die Oscar-Shortlist für den "Besten fremdsprachigen Film" geschafft, wurde aber auf der Berlinale sehr gefeiert. Hervorragend spielt Helena Zengel in "Systemsprenger" die neunjährige Benni, die in ihrer Emotionalität zwischen Wut und Hilflosigkeit wechselt und die Erwachsenen bis zur Resignation fordert.

Dokumentation: "Heimat ist ein Raum aus Zeit"

Anhand von Briefen, Tagebucheinträgen, Fotografien und Landschaftsbildern erzählt der Dokumentarist Thomas Heise in "Heimat ist ein Raum aus Zeit" von seiner Herkunft: Über hundert Jahre und zwei Weltkriege durchleben seine Angehörigen entstehende und zusammenbrechende Systeme, Verfolgung und Flucht von Wien über Dresden und Mainz bis nach Ost-Berlin. Auf faszinierende Weise zeigt Heise in seinem vierstündigen Epos ihre Spuren in Raum und Zeit.

Drama: "Lara"

"Lara" ist die fesselnde Geschichte einer Frau ohne Zugang zu ihren Gefühlen, enttäuscht von sich und vom Leben, faszinierend in ihrer schonungslosen Ehrlichkeit. Der Film von Jan-Ole Gerster ("Oh Boy") spielt am 60. Geburtstag dieser Frau, ihr Sohn (Tom Schilling) wird am Abend ein Klavier-Konzert mit einer eigenen Komposition geben, zu dem sie nicht geladen ist. Eine große Rolle für die überragende Schauspielerin Corinna Harfouch!

Drama: "Bis dann, mein Sohn"

In "Bis dann, mein Sohn" werden drei Jahrzehnte chinesischer Geschichte im Schicksal einer Familie lebendig: Die Eheleute Liu Yajun und Wang Liyun (Wang Jingchun und Yonh Mei) haben wegen der chinesischen Ein-Kind-Politik nur einen Sohn. Als er bei einem Badeunfall stirbt, verfolgt sie der Verlust bis ins Alter. Regisseur Wang Xiaoshua erzählt bewegend, wie die politischen Verhältnisse das private Leben der Menschen durchdringen. 

Musikdokumentation: "Aretha Franklin: Amazing Grace"

Mit Songs wie "Respect", "I Say a Little Prayer" und "A Natural Women" wurde Aretha Franklin zur "Queen of Soul". 1972 kehrte sie zu den Wurzeln ihrer Kunst zurück und nahm mit "Amazing Grace" das erfolgreichste Gospel-Album aller Zeiten auf. Aus Originalaufnahmen dieser zwei Konzertabende ist die mitreißende Dokumentation "Aretha Franklin: Amazing Grace" entstanden. Unser Kritiker findet: Als könnte man Michelangelo beim Ausmalen der Sixtinischen Kapelle zusehen.

Jahresrückblicke 2019

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Filme der Woche | 07. November 2019 | 08:10 Uhr

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