Schwerpunkt Mediatheken-Tipps: Film und Fernsehen aus Osteuropa

Nur selten sind Produktionen aus Osteuropa im deutschen Kino oder Fernsehen zu sehen, obwohl auch dort bemerkenswerte Filme entstehen. Der MDR stellt jüngere, preisgekrönte Arbeiten nun in einer besonderen Sendereihe vor. Mit dabei sind u. a.: "Jamils Schwester", der den Krieg aus den Augen von Kindern zeigt, die Serie "Wasteland", die eine Geschichte erzählt, die auch in der Lausitz spielen könnte und "Die Maisinsel", eine poetisch-visuelle Coming-of-Age-Geschichte.

Jamil (Arslan Krymtschurin, vorn) möchte sich gemeinsam mit seinem besten Freund Marat (Jussuf Rachmetow) zur Armee durchkämpfen. 6 min
Jamil (Arslan Krymtschurin, vorn) möchte sich gemeinsam mit seinem besten Freund Marat (Jussuf Rachmetow) zur Armee durchkämpfen. Bildrechte: MDR/Antidotre Film/Tele

Russland: "Jamils Schwester" (2019)

Der Zweite Weltkrieg hat die Region um Baschkortostan im europäischen Russland, die vor allem muslimisch geprägt ist, nicht erreicht. Die Kinder wachsen behütet von Müttern, Großmüttern und Tanten auf – denn in einem Punkt macht sich der Krieg doch bemerkbar: Die Männer sind abwesend. Jamil (Arslan Krymtschurin) kennt seinen Vater nur von Bildern und aus Briefen. Gemeinsam mit seinem Freund Marat (Jussuf Rachmetow) will er deswegen in den Krieg ziehen, damit sein Vater früher heimkehrt.

Mit einem kleinen Spiegel fängt Oksana (Marta Timofejewa) die ersten Sonnenstrahlen ein, um ihren Bruder zu wecken.
Mit einem kleinen Spiegel fängt Oksana (Marta Timofejewa) die ersten Sonnenstrahlen ein, um ihren Bruder zu wecken. Bildrechte: MDR/Antidotre Film/Telepool

Eines Tages kehrt Jamils Mutter (Ilgisa Gilmanowa) mit dem schweigsamen Waisenkind Oksana (Marta Timofejewa) zurück. Jamil beginnt sich um seine neue Schwester zu kümmern, die sich nur langsam öffnet. Als sie von Jamils Plänen erfährt, versucht sie es ihm auszureden, denn sie hat die grausamen Seiten des Krieges erlebt. Regisseur Alexander Galibier, der sonst als Schauspieler aktiv ist, gelingt ein fein beobachtetes Werk, in dem er die Kinder, ihren Alltag und ihren Blick auf die Welt in den Mittelpunkt stellt, meint Filmkritiker Jörg Taszman. Trotz des Kriegsthemas ist "Jamils Schwester" ein humanistischer und warmherziger Film mit schönen Landschaftsaufnahmen aus dem heutigen Baschkortostan.

Mehr Informationen Der Film "Jamils Schwester" läuft als Premiere im MDR Fernsehen und ist vom 3. November bis zum 3. Dezember in der MDR Mediathek abrufbar.

Ruschan (Ilnasar Achmetow, 3. von links) versteht sich als Anführer der Kinder des baschkirischen Dorfes Sairanowo. Wehe, einer legt sich mit ihm an! mit Video
Ruschan (Ilnasar Achmetow, 3. von links) versteht sich als Anführer der Kinder des baschkirischen Dorfes Sairanowo. Wehe, einer legt sich mit ihm an! Bildrechte: MDR/Antidotre Film/Telepool
MDR FERNSEHEN Mo, 02.11.2020 23:10 00:40

Preisgekröntes Kino aus Osteuropa Jamils Schwester

Hier geht's zum Film: "Jamils Schwester"

Spielfilm Russland 2019

  • Stereo
  • Audiodeskription
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
  • Untertitel
  • VideoOnDemand

Polen: "Korczak" (1990)

2000 erhielt Andrzej Wajda den Oscar für sein Lebenswerk und sein Film "Korczak" gilt als moderner Klassiker des polnischen Kinos. Nachdem die Wehrmacht in Deutschland einmarschiert ist, muss Janusz Korczak (Wojciech Pszoniak) mit seinem Heim für Waisenkinder ins Ghetto ziehen. Die Situation verschlechtert sich zusehends. Um den Kindern die Angst vor dem Tod zu nehmen, erarbeitet er mit den Waisen ein Stück über das Sterben. Währenddessen versucht er so gut wie möglich im Ghetto zu überleben. Auf der einen Seite bleibt er seinen Prinzipien treu und verweigert das Tragen des sogenannten Judensterns. Auf der anderen Seite nimmt er auch Geld von Ghetto-Bewohnern an, die mit dem Leid der anderen noch verdienen.

Janusz Korczak (Wojciech Pszoniak, Mitte), ein international profilierter Mediziner und Schriftsteller, leitet ein Kinderheim im Warschauer Ghetto.
Janusz Korczak (Wojciech Pszoniak, Mitte), ein international profilierter Mediziner und Schriftsteller, leitet ein Kinderheim im Warschauer Ghetto. Bildrechte: MDR/ARD Degeto

Viele Freunde wollen ihm zur Flucht verhelfen, doch er lehnt ab und stirbt im Konzentrationslager Treblinka. Der Film basiert auf dem Leben von Henryk Goldszmyt, der in Polen als Nationalheld gilt und auch für Steven Spielberg die Inspiration für "Schindlers Liste" war.

Filmtipps 4 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mehr Informationen Der Film "Korczak" ist vom 10. November bis zum 10. Dezember in der MDR-Mediathek zu sehen.

Warschau 1942: Der jüdische Arzt, Kinderbuchautor und Pädagoge Janusz Korczak (Wojciech Pszoniak) leitet ein von ihm gegründetes Waisenhaus, das nach der Errichtung des Warschauer Ghettos dorthin umziehen muss. Auch im Ghetto opfert er sich für seine Kinder auf. Rund 200 jüdische Kinder betreut er unter widrigsten Umständen. mit Video
Warschau 1942: Der jüdische Arzt, Kinderbuchautor und Pädagoge Janusz Korczak (Wojciech Pszoniak) leitet ein von ihm gegründetes Waisenhaus, das nach der Errichtung des Warschauer Ghettos dorthin umziehen muss. Auch im Ghetto opfert er sich für seine Kinder auf. Rund 200 jüdische Kinder betreut er unter widrigsten Umständen. Bildrechte: MDR/BR/Telepool
MDR FERNSEHEN Mo, 09.11.2020 23:10 01:00

Preisgekröntes Kino aus Osteuropa Korczak

Hier geht's ab dem 10. November zum Film "Korczak"

Spielfilm Polen/Deutschland/Frankreich 1990

  • Mono
  • Schwarz/Weiß
  • HD-Qualität
  • VideoOnDemand

Tschechien: "Wasteland – Verlorenes Land"

Als der Esel des Kindergartens zu Tode gequält wird, versteht Hanka dies als Warnsignal. Sie ist gleichzeitig Kindergärtnerin und die ehrenamtliche Bürgermeisterin des kleinen Dorfes Pustina an der tschechisch-polnischen Grenze, das langsam zu verschwinden droht. Nachdem die Fabrik im Ort geschlossen wurde, gibt es keine Arbeit mehr und das Dorf soll einem Braunkohletagebau weichen.

Hankas (Zuzana Stivínová, 2. von rechts) jüngere Tochter Míša wird vermisst. Gemeinsam mit ihrem Ex-Mann Karel (Jaroslav Dušek, links) und der älteren Tochter Klára (Eliška Křenková, 2. von links) geben sie Hauptmann Rajner (Leoš Noha, rechts) von der Polizei Auskunft.
Hankas (Zuzana Stivínová, 2. von rechts) jüngere Tochter Míša wird vermisst. Gemeinsam mit ihrem Ex-Mann Karel (Jaroslav Dušek, links) und der älteren Tochter Klára (Eliška Křenková, 2. von links) geben sie Hauptmann Rajner (Leoš Noha, rechts) von der Polizei Auskunft. Bildrechte: MDR/HBO Europe s.r.o.

Doch nur Hanka scheint gegen dieses Vorhaben zu kämpfen. Dann verschwindet ihre 14-jährige Tochter Míša spurlos. Alles deutet auf ein Verbrechen hin und verdächtigt wird unter anderem Míšas manisch-depressiver Vater. "Wasteland" ist ein düsteres und emotional aufgeladenes Sittenporträt aus dem Grenzgebiet, das vom europäischen Ableger des Pay-TV-Senders HBO produziert wurde. Ein Highlight des Jahres, meint Kritiker Jörg Taszman.

Mehr Informationen Die Serie "Wasteland – Verlorenes Land" läuft als Free-TV-Premiere und ist ab dem 14. November bis zum 14. Dezember in der Mediathek verfügbar.

Plakatmotiv mit Video
Plakatmotiv Bildrechte: MDR/HBO Europe s.r.o.
MDR FERNSEHEN Mi, 11.11.2020 00:10 01:05

Preisgekröntes Kino aus Osteuropa Wasteland - Verlorenes Land

Hier geht's ab dem 11. November zur Serie "Wasteland – Verlorenes Land"

Achtteilige Miniserie Tschechien 2016

Folge 1

  • Stereo
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
  • Untertitel
  • VideoOnDemand

Georgien: "Die Maisinsel"

Agba (Ilyas Salman) lebt mit seiner Enkelin Asida (Mariam Buturishvili) zurückgezogen an der Grenze zu Georgien. Der Fluss lässt hier jedes Jahr neue kleine Inseln entstehen, die von den hiesigen Bauern bewirtschaftet werden. Geduldet von den Grenzsoldaten pflanzt Agba hier Mais an. Während die Pflanzen wachsen und aufgehen, wird auch Asida zu einer Frau.

Abgas (Ilyas Salman) Enkelin Asida (Mariam Buturishvili) begleitet ihn im Boot auf die Insel.
Enkelin Asida (Mariam Buturishvili) begleitet Agba (Ilyas Salman) auf die Insel. Bildrechte: MDR/42film/Elemér Ragályi

"Die Maisinsel" ist eine außergewöhnlich poetische Coming-of-Age-Geschichte: Der georgische Regisseur George Ovashvili verzichtet fast gänzlich auf Dialoge und lässt intensiven Blicken und beeindruckenden Naturaufnahmen dafür umso mehr Raum. 2015 war "Die Maisinsel" für den Oscar in der Kategorie bester ausländischer Film nominiert.

Mehr Informationen Der Film "Die Maisinsel" ist vom 17. November bis zum 17. Dezember in der MDR-Mediathek verfügbar.

Abgas (Ilyas Salman) Enkelin Asida (Mariam Buturishvili) begleitet ihn im Boot auf die Insel. mit Video
Abgas (Ilyas Salman) Enkelin Asida (Mariam Buturishvili) begleitet ihn im Boot auf die Insel. Bildrechte: MDR/42film/Elemér Ragályi
MDR FERNSEHEN Mo, 16.11.2020 23:15 00:50

Preisgekröntes Kino aus Osteuropa Die Maisinsel

Hier geht's ab dem 17. November zum Film "Die Maisinsel"

Spielfilm Georgien/Deutschland/F/CZ/Kasachstan 2014

  • Stereo
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
  • Untertitel
  • VideoOnDemand

Rumänien: "Lemonade"

Die Handlung erinnert an ein Klischee: Mara (Mãlina Manovici) arbeitet in den USA als Krankenpflegerin und heiratet kurz vor ihrer Ausweisung einen ihrer Patientin. Nach langem Kampf kann sie nun ihren neunjährigen Sohn Dragos (Milan Hurduc) nachholen. Doch dann beginnen die Enttäuschungen, denn nicht jeder kann am amerikanischen Traum teilhaben, die Einwanderungsbehörde unterstellt ihr eine Scheinehe und auch ihr Mann fällt Mara in den Rücken.

Für Mara (Mãlina Manovici) und ihren neunjährigen Sohn Dragos (Milan Hurduc) ist die Teilhabe am amerikanischen Traum um einiges teurer als gedacht.
Für Mara (Mãlina Manovici) und ihren neunjährigen Sohn Dragos (Milan Hurduc) ist die Teilhabe am amerikanischen Traum um einiges teurer als gedacht. Bildrechte: MDR/42film/Friede Clausz

Die Frau aus Rumänien wird herumgeschubst, Männer versuchen, ihre Schwäche auszunutzen. Sie muss sich doch alleine durchschlagen und eine schwere Entscheidung treffen. Mit differenziertem Blick nähert sich die rumänische Regisseurin Ioana Uricaru in ihrem Spielfilmdebüt dem Thema Migration und Machtmissbrauch.

Mehr Informationen Der Film "Lemonade" läuft als Free-TV-Premiere im MDR Fernsehen und ist vom 23. November bis zum 23. Dezember in der MDR Mediathek abrufbar.

Für Mara (Mãlina Manovici) und ihren neunjährigen Sohn Dragos (Milan Hurduc) ist die Teilhabe am amerikanischen Traum um einiges teurer als gedacht. mit Video
Für Mara (Mãlina Manovici) und ihren neunjährigen Sohn Dragos (Milan Hurduc) ist die Teilhabe am amerikanischen Traum um einiges teurer als gedacht. Bildrechte: MDR/42film/Friede Clausz
MDR FERNSEHEN Mo, 23.11.2020 23:25 00:50

Preisgekröntes Kino aus Osteuropa Lemonade

Hier geht's ab dem 24. November zum Film "Lemonade"

Spielfilm Rumänien/Schweden/Kanada/Deutschland 2018

  • Stereo
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
  • Untertitel
  • VideoOnDemand

Mehr Tipps aus Mediatheken

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. November 2020 | 08:40 Uhr

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