Die Auszeichnung der Internationalen Filmfestspielen in Cannes, die «Palme d'or» (zu deutsch: Goldene Palme), wird am 24.05.2015 in Cannes (Frankreich) während der Preisverleihung an den Film «Dämonen und Wunder» präsentiert.
Die Goldene Palme gehört zu den wichtigsten Filmpreisen der Welt. Bildrechte: dpa

Preisverleihung Goldene Palme von Cannes für japanisches Familiendrama "Shoplifters"

 Die Auszeichnung der Internationalen Filmfestspielen in Cannes, die «Palme d'or» (zu deutsch: Goldene Palme), wird am 24.05.2015 in Cannes (Frankreich) während der Preisverleihung an den Film «Dämonen und Wunder» präsentiert.
Die Goldene Palme gehört zu den wichtigsten Filmpreisen der Welt. Bildrechte: dpa

Die Goldene Palme 2018 geht an das Familiendrama "Shoplifters" des japanischen Regisseurs Kore-Eda Hirokazu. Das gab die Jury des Filmfestivals Cannes am Samstagabend bekannt. Der Film erzählt die Geschichte einer Familie von Außenseitern, die ein Kind bei sich aufnimmt und am Rande der Gesellschaft lebt.

Hirokazu Koreeda
Der japanische Regisseur Kore-Eda Hirokazu Bildrechte: dpa

Der japanische Filmemacher Hirokazu wurde schon einmal in Cannes ausgezeichnet: 2013 erhielt er den Jurypreis für sein ebenso einfühlsames Drama "Like Father, Like Son". Zuletzt ging die Goldene Palme, der Hauptpreis des Festivals, 1997 nach Japan: An Shohei Imamura für "The Eel". Insgesamt konkurrierten 21 Filme um den weltweit begehrten Preis.

Sonderpreis für Jean-Luc Godard

Mit dem zweitwichtigsten Preis des Festivals wurde die Satire "BlacKkKlansman" des US-Regisseurs Spike Lee ausgezeichnet. An ihn ging der Große Preis der Jury für den originellsten Wettbewerbsbeitrag. Sein Film basiert auf der wahren Geschichte eines schwarzen Polizisten, der sich in den 70ern in den rassistischen Ku-Klux-Klan einschmuggelte.

Jean-Luc Godard
Der französisch-schweizerische Regisseur Jean-Luc Godard Bildrechte: dpa

Einen Sonderpreis erhielt der französisch-schweizerische Regisseur und Drehbuchautor Jean-Luc Godard. Cate Blanchett, Vorsitzende der Jury, sagte bei der Verleihung, er erhalte diesen Preis, weil er "Kino konstant neu definiert". Der Sonderpreis wurde zum ersten Mal in der Geschichte des Filmfestivals verliehen.

Der Preis der Ökumenischen Jury gewann der Film "Capharnaüm" der libanesischen Regisseurin Nadine Labaki. Er schildert die Geschichte eines 12-jährigen Straßenjungen, der seine eigenen Eltern verklagt, weil sie ihm das Leben geschenkt haben.

Deutsche Filme waren in diesem Jahr nicht im Wettbewerb vertreten.

Preis für bestes Drehbuch zweimal vergeben

Als bester Schauspieler wurde der Italiener Marcello Fonte geehrt, der in Matteo Garrones Film "Dogman" einen gutmütigen Mann spielt, der zunehmend von einem Kriminellen drangsaliert wird. Als beste Schauspielerin wurde Samal Yeslyamova aus Nordkasachstan ausgezeichnet, für ihre Leistung in dem Drama "Ayka" von Sergey Dvortsevoy. "Ayka" ist eine deutsche Koproduktion.

Pawel Pawlikowski gewann mit seinem Film "Cold War" in der Kategorie "Beste Regie". Die Auszeichnung für das beste Drehbuch wurde gleich zwei Mal vergeben: An die Italienerin Alice Rohrwacher für "Happy is Lazzaro" und an die Iraner Jafar Panahi und Nader Saeivar, die das Drehbuch zu Panahis Film "Three faces" geschrieben haben.

Das 71. Filmfestival war auch eines der Debatten

Das Filmfestival wurde in diesem Jahr auch für einen Appell für Chancengleichheit genutzt. Insgesamt 82 Frauen, darunter auch Jury-Präsidentin Cate Blanchett und Filmgrößen wie Claudia Cardinale und Marion Cotillard, protestierten während des Filmfestes auf dem roten Teppich für gleiche Bezahlung in der Filmbranche sowie "Parität und Transparenz in den Entscheidungsgremien".

Die italienische Schauspielerin Asia Argento (l) spricht auf der Bühne während der Abschlussfeier des 71. Filmfestivals in Cannes neben Jurymember Ava Duvernay.
Asia Argento (l.) in Cannes neben Jurymitglied Ava Duvernay Bildrechte: dpa

Insgesamt stand das 71. Internationale Filmfestival Cannes im Zeichen der #MeToo-Debatte um sexuelle Übergriffe in der Filmbranche. Auch in Frankreich hatte die Affäre um den früheren Hollywood-Mogul Harvey Weinstein hohe Wellen geschlagen. Mehrere der Fälle, die dem früheren Filmproduzenten vorgeworfen werden, sollen sich in Cannes ereignet haben. Die Schauspielerin Asia Argento nutzte ihre eigentlich für die Laudatio auf den Darstellerinnenpreis vorgesehene Zeit für eine emotionale Schilderung: "1997 bin ich von Harvey Weinstein hier in Cannes vergewaltigt worden. Ich war 21 Jahre alt. Das Festival war sein Jagdrevier", bekannte sie vor ca. 3.000 hörbar schockierten Zuhörern.

Über die Filmfestspiele

Die Internationalen Filmfestspiele gehören zu den weltweit bedeutendsten Festivals der Branche und locken seit 1946 jährlich zahlreiche Stars an die Côte d’Azur. Die Goldene Palme wurde zum ersten Mal 1955 verliehen. Darüber, wer die Trophäe erhält, entscheidet eine internationale Jury aus Filmschaffenden, die in jedem Jahr neu zusammmengestellt wird.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Nachrichten | 19. Mai 2018 | 20:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Mai 2018, 21:39 Uhr

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