Filmkunstmesse in Leipzig Deutsche Filmbranche sucht Auswege aus der Corona-Krise

Blick über wenig gefüllte Besuchersessel auf die Leinwand eines Kinos.
Aufgrund der Corona-Pandemie können die Kinos nur spärlich besetzt werden – die Branche rechnet mit starken Verlusten Bildrechte: dpa

Auf der Filmkunstmesse in Leipzig hat Kulturstaatsministerin Monika Grütters ihre Anstrengungen für die Filmindustrie der vergangenen Monate noch einmal verdeutlicht: Ende August kündigte sie 165 Millionen Euro Fördergelder an, es ging um Zuschüsse für Kinos, für Produzenten und für Verleiher. Dafür erntete sie vom Publikum der Filmkunstmesse viel Applaus.

Michael Kölmel, Geschäftsführer des Verleihs Weltkino aus Leipzig, sieht die Förderung und das Engagement zwar auch grundsätzlich positiv. Jedoch sind die Zulassungshürden für diese Gelder seiner Ansicht nach missglückt, denn nur deutsche Filme können nach Juryentscheidung davon profitieren. "Aber die Filmkultur ist international. Und wir als Firma haben deutsche Filme, aber wir haben auch hervorragende ausländische Art-House-Filme. […] Das ist in der Krisensituation ein totaler Blödsinn", so Kölmel im Gespräch mit MDR KULTUR.

"Wir handeln mit Steuergeldern"

Filmkunstmesse 2020
Kulturstaatsministerin Monika Grütters auf der Filmkunstmesse in Leipzig Bildrechte: MDR/Ole Steffen

Als die Kulturministerin mit der Kritik der Verleiher konfrontiert wird, macht sie deutlich, dass man mit Steuergeldern handele. Deshalb müsse jede einzelne Förderstrecke mit dem Rechnungshof abgestimmt und gegenüber dem Bundestag verteidigt werden. "Ich würde natürlich selber auch gerne kooperative Filme oder auch internationale Verleiher mit in den Blick nehmen, aber wenn, wie gesagt, die Mittel begrenzt sind, gibt es natürlich erst einmal diesen Fokus", so Grütters weiter.

Situation wird irgendwann existenzgefährdend

Bei Geld kommt auch die Filmförderungsanstalt (FFA) ins Spiel. Dabei handelt es sich um eine vom Bund installierte Anstalt des öffentlichen Rechts, die Filme in allen Phasen der Entstehung finanziell unterstützt. Sie wird finanziert durch die sogenannte Filmabgabe.

Auch der FFA-Vorsitzende Peter Dinges war auf einem Panel in Leipzig zu Gast. Es ist seine erste Dienstreise seit Monaten, wie er zu Beginn der Diskussion sagt. Perspektiven aufzuzeigen und Prognosen abzugeben, wie sich die Filmwirtschaft in den kommenden Monaten entwickelt, ist seiner Ansicht nach in diesen Zeiten besonders schwierig.

Helfen soll da nun eine Studie, die er im Gespräch mit MDR KULTUR ankündigte. In dieser Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) gehe es darum, "dass die Kinos in diesem Jahr einen Verlust von 250 bis 325 Millionen Euro einfahren werden, wenn die derzeitige Situation – nämlich der Mindestabstand im Kino – so bleiben wird und die Filme weiter in dem Umfang fehlen, wie dies derzeit der Fall ist. Also, wenn man das hochrechnet, auf die nächsten Monate, wird die Situation irgendwann existenzgefährdend", so Dinges von der FFA.

Optimismus auch in der Krise

Trotz der Ungewissheit und der Gewitterstimmung, die die Diskutanten auf den Podien beschreiben, gibt es am Ende aber doch von allen Seiten eine Portion Optimismus. Sogar die Installation eines kinopolitischen Filmgipfels stand zur Debatte. Dieser könnte die Interessen von allen Akteuren zusammenbringen.

Carlo Chatrian, Festivaldirektor der Berlinale
Carlo Chatrian, Festivaldirektor der Berlinale Bildrechte: dpa

Auch der Berlinale-Direktor, Carlo Chatrian, hat im Gespräch mit MDR KULTUR Optimismus für die nächsten Monate bekundet. Er stand unter dem Eindruck eines Besuchs bei den Internationalen Filmfestspielen in Venedig – dem ersten Filmfestival, das unter Corona-Bedingungen analog stattfinden konnte. Seine italienischen Landsleute haben bei der Organisation offenbar einiges richtig gemacht, berichtet er. Die Gäste fühlten sich so sicher, dass sie in der Lage waren, die Filme und das Drumherum – wenn auch auf Abstand – gemeinsam zu erleben. Das sei auch das Ziel für die Berlinale im kommenden Jahr. Wie genau das Hygienekonzept der Berlinale aussehen wird, stehe jedoch noch in den Sternen, das hat Chatrian deutlich gemacht. Inspiration scheint er aber in Venedig gewonnen zu haben.

Kinos und Filme

Christian Bräuer 10 min
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Regisseurin Anne Zohra Berrached am Sonntag zur Vorpremiere ihres preisgekrönten Films 24 Wochen im Luchskino. 4 min
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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 14. September 2020 | 08:40 Uhr