Kino Forum, Film, Filmkunstmesse – zum 20-jährigen Jubiläum in Leipzig

Die Filmkunstmesse 2020 startet am Montag in Leipzig. Es ist das erste Branchenevent in Deutschland seit den Corona-Beschränkungen, eine besondere Herausforderung. Bis zum 18. September werden Arthouse-Filme und weitere filmische Höhepunkte der kommenden Monate gezeigt. Neben Filmen für Fachbesucher gibt es auch eine Reihe öffentlich zugänglicher Filme.

Alte Handelsbörse, Leipzig
Die Alte Handelsbörse in Leipzig ist einer der Veranstaltungsorte der Filmkunstmesse. Bildrechte: imago images / imagebroker

Die 20. Ausgabe der Filmkunstmesse Leipzig ist das erste Branchenevent in Deutschland, das seit den Beschränkungen durch die Corona-Pandemie wieder live und vor Ort stattfinden kann. "Es ist sehr wichtig, jetzt wieder zusammenzukommen", sagte der Vorsitzende der AG Kino, Christian Bräuer, im Gespräch mit MDR KULTUR. Vom 14. bis zum 18. September biete die Filmkunstmesse die Möglichkeit für gemeinsamen und persönlichen Austausch – natürlich auf Abstand und unter Corona-Beschränkungen. "Wir freuen uns, dass die Verleiher mit 58 eingereichten Filmen ein positives Signal für den Markt setzen und erwarten um die 600 Fachbesucherinnen in Leipzig", so Felix Bruder, Organisator und Geschäftsführer der AG Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater.

Seminare und Panels mit hochkarätiger Besetzung

Für Dienstagnachmittag ist die erste von zwei Podiumsdiskussionen in der Alten Handelsbörse geplant, bei denen kulturpolitische Themen besprochen werden sollen. "Kollaps oder Chance: Welche Weichen müssen jetzt für den Film für die Zeit mit und nach Corona gestellt werden", so der Titel des ersten Panels, bei dem folgende Gäste miteinander diskutieren:

  • Peter Dinges, Vorstand der Filmförderungsgesellschaft
  • Christian Bräuer, Erster Vorsitzender AG Kino – Gilde
  • Gitta Connemann, stellv. Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
  • Michael Kölmel, Geschäftsführer Weltkino

Am Mittwochnachmittag steht die Diskussion im Zeichen des internationalen Films. Der Titel lautet "Neustart der Filmindustrie: Wie hat sich die Corona-Krise international ausgewirkt?" Es diskutieren:

  • Daniela Elstner, Geschäftsführerin von Unifrance
  • Carlo Chatrian, Direktor der Berlinale
  • Julia von Heinz, Regisseurin
  • Leila Hamid, Geschäftsführerin x-Verleih
  • Christian Bräuer, Erster Vorsitzender AG Kino – Gilde

MDR KULTUR wird in dieser Woche über die besprochenen Inhalte und Positionen der Diskutanten im Radio und Online berichten. Außerdem können die Panels auf der Homepage der Filmkunstmesse im Livestream verfolgt werden.

Filmprogramm 2020

Mala Emde, Noah Saavedra, Tonio Schneider, Luisa-Celine Gaffron, Ivy Lissack, Julia von Heinz, Gast und Hussein Eliraqui bei der Premiere des Kinofilms Und morgen die ganze Welt auf der Biennale di Venezia 2020
Bei der Premiere "Und morgen die ganze Welt" bei den Filmfestspielen in Venedig Bildrechte: imago images / Future Image

Der Eröffnungsfilm ist das Werk der Regisseurin Julia von Heinz namens "Und morgen die ganze Welt". Der Film feierte zuvor bei den Filmfestspielen in Venedig Premiere. Er zeigt, wie eine Jura-Studentin sich gegen die neue Rechte positionieren will und auf diesem Weg Menschen kennenlernt, für die auch Gewalt ein Mittel ist, um Widerstand zu leisten. Der Film wurde bei den Filmfestspielen in Venedig für den Goldenen Löwen nominiert. 

Auf dem Programm steht auch Viggo Mortensens Regiedebüt "Falling". Außerdem zu sehen ist Sönke Wortmanns neuer Film "Contra". Die Hauptrollen dieses Films spielen Christoph Maria Herbst und Nilam Farooq. Es geht um einen Jura-Professor und seine Studentin, die er rassistisch diskriminiert hat. Um seinen Fehler wieder gut zu machen, wird er vom Disziplinarausschuss dazu verdonnert, ihr bei einem wichtigen Debattierwettbewerb als Mentor zur Seite zu stehen.

Preisverleihungen im kleinen Kreis

Die Verleihung der Programmpreise Mitteldeutschland findet am Dienstagnachmittag im Salles de Pologne in Leipzig statt. Statt eines großen Empfangs soll es auf dem Richard-Wagner-Platz die Möglichkeit für Fachbesucher geben, sich zwanglos open-air zu begegnen – samt Food Trucks und Getränkestand. Die Mitteldeutsche Medienförderung (MDM) vergibt in Kooperation mit der AG Kino-Gilde deutscher Filmkunsttheater jährlich Kinoprogrammpreise für Kinos in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Christian Bräuer 10 min
Bildrechte: imago images / Photopress Müller

Die Gilde-Filmpreisverleihung soll wieder im Täubchenthal stattfinden – aber auch im kleinen Kreis. Neben den Preisträgern wird Schauspieler Tom Schilling mit seiner Band Jazz Kids für das Rahmenprogramm sorgen. Für die Fachbesucher ist der Außenbereich des Täubchenthals mit Bildschirmen vorbereitet, um die Verleihung auf Abstand verfolgen zu können. Der Gilde-Filmpreis wurde 1977 von der "Gilde deutscher Filmkunsttheater" ins Leben gerufen und wird seit 2004 vom fusionierten Verband Arbeitsgemeinschaft Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater an die besten Arthouse-Filme des Kinojahres vergeben.

Filmkunstmesse in Zeiten von Corona

"Jeder Besucher muss sich darüber im Klaren sein, dass es keine Filmkunstmesse 'wie immer' sein wird", machte Organisator Felix Bruder vorab in einer Mitteilung deutlich. Für jedes Kino und jeden Ort gelten Abstands- und Hygieneregeln, die einzuhalten sind. Zudem ist die Messe mit vielen Spiel- und Veranstaltungsorten dezentral organisiert. Aufgrund der geringen Kapazitäten im Saal werden fast alle Filme drei Mal gezeigt. So wollen die Veranstalter Flexibilität in der persönlichen Programmgestaltung ermöglichen.

Filme nicht nur für Fachbesucher

Neben den Filmen für Fachbesucher gibt es auch eine Reihe öffentlich zugänglicher Filme. Tickets sind bei den teilnehmenden Kinos Passage-Kino und Schauburg Leipzig – Das Kino am Adler erhältlich.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 14. September 2020 | 08:40 Uhr