Filmproduzent Artur Brauner
Am 1. August 1918 wurde Artur Brauner als Abraham Brauner in Łódź geboren. Bildrechte: dpa

Filmproduzenten Artur Brauner - der Kapitän auf dem Schiff wird 100

Als Produzent steht Artur Brauner für Meisterwerke des deutschen Films wie "Die Halbstarken", "Die Spaziergängerin von Sans-Souci" oder "Hitlerjunge Salomon". Dabei schaffte er es, kommerzielle Interessen und persönliche Anliegen unter einen Hut zu bringen. Nun feiert Brauner seinen 100. Geburtstag.

von Thomas Hartmann, MDR KULTUR

Filmproduzent Artur Brauner
Am 1. August 1918 wurde Artur Brauner als Abraham Brauner in Łódź geboren. Bildrechte: dpa

Die Geschichte des ungewöhnlichen Filmproduzenten Artur Brauner ist eine Erfolgsstory. Er steht als Produzent für sehr erfolgreiche deutsche Spielfilme. Ob "Die Halbstarken" von 1956, Fritz Langs "Tiger von Eschnapur" (1959) oder die Karl-May-Verfilmung "Durchs wilde Kurdistan" (1965), "Die Spaziergängerin von Sans-Souci" mit Romy Schneider (1982) oder "Hitlerjunge Salomon" (1990) - diese so vielfältigen Filme verdanken ihre Existenz dem Enthusiasmus und dem Engagement Brauners.

Seit meinem fünften Lebensjahr habe ich keinen anderen Lebenssinn gehabt als Kino. Kino, Kino, Kino, Film.

Artur Brauner
Der Filmproduzent Artur  Brauner, aufgenommen in seinem Wohnhaus vor einer Bilderwand in Berlin.
Artur Brauner in seinem Wohnhaus in Berlin. Bildrechte: dpa

1918 wird Brauner in Łódź geboren. Als die Nazis in Polen einmarschieren, entkommt der Sohn eines jüdischen Geschäftsmannes in die UdSSR, um sich später, schreibt Biographin Claudia Dillmann-Kühn, "zwischen den Fronten der vorrückenden Roten Armee und der zusammenbrechenden deutschen Wehrmacht" gen Westen durchzuschlagen. 1946 gründet Brauner in Berlin seine Produktionsfirma Central Cinema Company (CCC-Film). In dem Wissen, dass viele seiner Verwandten von den Nazis getötet worden sind.

Ich habe ein Gelübde abgegeben: Wenn ich das Nazisystem, das Naziregime überlebe, dann würde ich den Toten, den wehrlosen Opfern, ein Denkmal schenken.

Artur Brauner

Zwischen Kommerz und Leidenschaft

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"Der Tiger von Eschnapur" wurde von Brauners CCC-Film produziert Bildrechte: ARD Degeto/CCC Filmkunst

Schon das von Brauner produzierte Drama "Morituri" aus dem Jahre 1948 befasst sich mit dem Holocaust. Künstlerisch geschätzt, wird es kommerziell gesehen ein Reinfall. Was sich ein Filmproduzent allzu oft nicht leisten kann. Um sich dennoch ihm persönlich wichtige Filme leisten zu können, beschließt Brauner: "Filme, die mir liegen, zwischendurch herzustellen, und diese Filme zu finanzieren durch Filme, die mir nicht so am Herzen liegen."

Und so bringt Brauner einerseits ambitionierte Projekte wie Falk Harnacks "Der 20. Juli" oder 1955 "Die Ratten" nach Gerhart Hauptmann auf die Leinwände, serviert seinem Publikum aber gleichzeitig und erfolgreich Schmonzetten, Krimis, Abenteuerstoffe oder Musikfilme wie die "Musikparade" mit Peter Alexander von 1956. Wirtschaftswunderfutter, das wahrlich nicht zu einer Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zwingt.

Brauner wünscht sich zwar ein entsprechendes Bedürfnis beim Publikum, muss aber anerkennen, dass es nicht existiert. Seinen Beruf liebt er dennoch.

Weil, Produzent sein ist ein Schaffensprozess. Als Schauspieler muss ich sagen, das was man mir vorschreibt. Als Regisseur muss ich auch das machen, was das Drehbuch mir vorschreibt, im Grunde genommen. Als Produzent habe ich alle Freiheiten. Ich bin also der Kapitän auf dem Schiff.

Artur Brauner

Brauner ist dabei ein Kapitän, der noch im Jahre 2011 mit "Wunderkinder" Kinofilme produzierte und eine lebende Legende, nicht nur des deutschen Films, geworden ist.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kalenderblatt | 01. August 2018 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. August 2018, 15:16 Uhr

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