Fleetwood Mac
Fleetwood Mac auf ihrer "Unleashed Tour" 2009 in Oberhausen. Links Bassist John McVie, Sängerin Stevie Nicks in der Mitte und Mick Fleetwood rechts. Bildrechte: IMAGO

"50 Jahre Fleetwood Mac" Die Band, die es zweimal gab

1974 standen Fleetwood Mac vor dem Aus: Drei Gitarristen waren nacheinander ausgestiegen. Da stieß Mick Fleetwood auf Stevie Nicks, die er als Sängerin anheuern wollte, doch sie gab's nur im Doppelpack mit Lindsay Buckingham. Ein Glücksfall. 1975 erschien "Fleetwood Mac", 1977 "Rumours" und 1979 "Tusk" - die sogenannte California-Trilogy und wurden die erfolgreichsten Veröffentlichungen in der Geschichte von Fleetwood Mac.

von Stefan Maelck

Fleetwood Mac
Fleetwood Mac auf ihrer "Unleashed Tour" 2009 in Oberhausen. Links Bassist John McVie, Sängerin Stevie Nicks in der Mitte und Mick Fleetwood rechts. Bildrechte: IMAGO

"Over my head" erreichte 1975 Platz 20 der US-Charts – der erste Hit für Fleetwood Mac in den USA. Der Song stammte vom schlicht "Fleetwood Mac" betitelten Album, das 1975 in neuer Besetzung erschienen war und das eine Wende für die Band einleiten sollte. Zuvor hatte es mächtig gekriselt.

Wer es gehört hat, weiß, dass Mick Fleetwood nicht einfach nur ein Musikantenpärchen eingekauft hat damals, er kaufte einen ganzen Sound für seine Band.

MDR KULTUR Musikkritiker Stefan Maelck

Die Gitarristen Peter Green und Danny Kirwan hatten die Band an den Wahnsinn und an den Glauben verloren. Im Grunde bestand die Band nach 17 Jahren nur noch aus Drummer Mick Fleetwood und Bassist John McVie. Der holte seine Frau Christine McVie dazu, die zuvor bei der Blues-Rock-Band Chicken Shack gespielt hatte. Da stieß Mick Fleetwood auf eine Sängerin, mit einer ganz besonderen Stimme.

Doppelpack des Glücks

Was hier schon verdächtig nach den späteren Fleetwood Mac klingt stammt vom Album "Buckingham/Nicks", das 1974 bei Polydor erschienen und gefloppt war. Das Album bot alles, was der Westcoast-Sound der Siebziger ausmachte, außerdem waren mit Drummer Jim Keltner und Gitarrist Waddy Wachtel zwei der wichtigsten Musiker der Szene dabei. Dieses Album ist bis heute nicht auf CD erschienen, als Vinyl ist es ein Sammlerstück.

Die California Trilogy machte sie "bigger than life"

Fleetwood Mac, 2003
Sängerin Stevie Nicks (links) und Bassist John McVie beim Berliner Auftritt der Band 2003. Bildrechte: IMAGO

Die Stücke des "Buckingham/Nicks"-Albums dienten als Blaupause für den Sound der sogenannten California Trilogy - die heute zum Erfolgreichsten und Besten gehört, was die Popgeschichte zu bieten hatte. Also die Alben "Fleetwood Mac" (1975), "Rumours" (1977) und "Tusk" (1979). Als die California Trilogy erschien und Fleetwood Mac bigger than life machte, da hatte die 1967 von Schlagzeuger Mick Fleetwood gegründete Band bereits etliche Metamorphosen durchgemacht.

Das Album "Fleetwood Mac" hatte nicht nur den Hit "Over my head", auch "Landslide" und "Rhiannon" wurden schlugen ein. "Rhiannon" war das erste Stück, das Stevie Nicks mitbrachte, der zweite war "Landslide", bis heute ein Markenzeichen von Fleetwood Mac, vielfach gecovert von Tori Amos bis Dixie Chicks. Über fünf Millionen Mal verkaufte sich das Album "Fleetwood Mac". Nach der Veröffentlichung 1975 ließ die Band sich Zeit, ging ins Studio.

Die Band gab mehr Geld für Kokain als für die Produktionskosten aus und versuchte es mit Bandinternem Partnertausch, der zu Trennungen, Süchten, Zerwürfnissen, Krankheiten und zu einem der besten Alben der Popgeschichte führen sollte.

Stefan Maelck

Rumours - Heiße Gerüchte

Und dann kam das: Im Februar 1977 erschien "Rumours", beinah alle Lieder haben mit den kaputten Liebesgeschichten innerhalb der Band zu tun, Gerüchte - Rumours wurden mehr als bestätigt und das Album verkaufte sich bis heute insgesamt über 40 Millionen Mal. Die Songs hatten die Bandmitglieder gegenseitig über sich geschrieben: "Go your own way" war eine düstere Anspielung von Lindsay Buckingham auf die antizipierte Trennung von Stevie Nicks. "You make loving fun" – Christine Mc Viehs Affäre mit dem Beleuchter der Band. "Gold dust woman" erzählte von Kokain, "Dreams" predigte Optimismus, "Don’t Stopp" beschrieb die Scheidung der Mc Vies, "Oh Daddy" bezog sich auf Stevie Nicks Affäre zum Daddy der Band, "Mick Fleetwood".

Auch große Popalben, so lehrt und diese Geschichte, haben ihren Preis. Obwohl das Bandgefüge desolat war arbeitete man an einem neuen Album – Lindsay Buckingham hatte das Steuer fest in der Hand, der Rumours-Nachfolger "Tusk" entstand größtenteils in seinem Schlafzimmer.

Tusk - das Opus Magnum einer völlig zerstrittenen Band

1979 erschien das Doppelalbum "Tusk" - opulent ausgestattet und produziert, ein Werk der Superlative, mit dem so manche Kritiker ihre Schwierigkeiten hatten. Wirkte der Vorgänger "Rumours" wie aus einem Guss, so konnte der Sound-Visionär Lindsay Buckingham dem Affen nach dem Erfolg von Rumours so richtig Zucker geben und zeigen, was er an Songs und Sounds noch so aus dem Ärmel ziehen konnte. Tusk zeigt die Band Fleetwood Mac auf ihrem barocken Höhepunkt. Kein Werk danach sollte wieder diese Größe und Dimension erreichen.

'Tusk' ist wahrscheinlich eines der Alben des Pop mit den meisten Ideen überhaupt – Ideen, die bei anderen für eine ganze Karriere gereicht hätten.

Stefan Maelck
Die amerikanische Popgruppe Fleetwood Mac singt in der ZDF-Livesendung "Wetten daß...?" am 24.1.1998 in Bremen ihren neuen Titel "Silver Springs". Moderator Thomas Gottschalk brillierte auch diesmal wiedermit zahlreichen Gags und spaßigen Bemerkungen.
Fleetwood Mac im Januar 1998 bei der ZDF-Sendung "Wetten dass...?". Bildrechte: dpa

Tusk war zunächst unterschätzt, heute gilt es als Avantgarde-Pop. Musikalisch war es "Rumours" weit überlegen, hatte auch ein paar veritable Hits, war aber vor allem die Spielwiese für die Soundtüfteleien von Lindsay Buckingham. "Angel", "Sarah" , "Storms", "Sisters of the Moon" und viele andere große Stücke waren auf dem Opus Magnum einer völlig zerstrittenen Band, die trotzdem weitermachte. Aber Tusk war auch der künstlerische Zenit der Band. Die nächsten Alben "Mirage" und "Tango in the night" waren zwar kommerziell erfolgreich, erinnerten aber nur stellenweise an die Großtaten der drei Vorgänger, irgendwie schien die Luft raus und die großen Melodien geschrieben zu sein.

Über dieses Thema berichtet MDR Kultur auch im Radio : Kultur Spezial | 09.08.2017 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. August 2017, 16:49 Uhr

Mehr zum Thema Musik

Ryan O'Reilly (li.) und Jan Kubon (re.)
Bildrechte: MDR/Jasmin Galonski

Ryan O'Reilly ist Brite mit irischen Wurzeln und derzeit Wahlberliner. Er spielt Songs von seinem neuen Album, das im Januar 2018 erscheint. Außerdem ist er mit MDR KULTUR-Musikredakteur Jan Kubon im Gespräch.

MDR KULTUR - Das Radio Sa 16.12.2017 16:05Uhr 23:54 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Meistgelesen bei MDR KULTUR