Der Autor Florian Illies steht vor einem Gemälde
Florian Illies leitet den Rowohlt-Verlag. Bildrechte: imago/tagesspiegel

Porträt Florian Illies – vom Bestsellerautor zum Verleger

Rowohlt zählt zu den renommiertesten Verlagshäusern in Deutschland. Gegründet 1908 in Leipzig und lange Jahre in Reinbek bei Hamburg ansässig, ist der Verlag jetzt in die Mitte der Hansestadt umgesiedelt. Fast gleichzeitig wurde Florian Illies zu Beginn des Jahres neuer Verleger. Der 48-Jährige hat bei Zeitungen gearbeitet und Bestseller geschrieben. Jetzt will er zeigen, dass er auch erfolgreich einen Verlag leiten kann.

von Holger Heimann, MDR KULTUR-Autor

Der Autor Florian Illies steht vor einem Gemälde
Florian Illies leitet den Rowohlt-Verlag. Bildrechte: imago/tagesspiegel

Der Schreibtisch des neuen Rowohlt-Verlegers Florian Illies steht in einem hellen Eckzimmer mit großen Fenstern. Der Blick von der vierten Etage des imposanten Bieberhauses im Zentrum von Hamburg geht hinaus auf das Schauspielhaus und den Hauptbahnhof. Rowohlt hat zwei Etagen in dem 1909 erbauten Haus gemietet, in dem vorher das Finanzamt untergebracht war.

Das beschauliche Idyll in Reinbek vor den Toren der Hansestadt gehört seit dem Frühjahr der Vergangenheit an. Mehr Veränderung geht nicht. Das sieht auch der Verleger so: "Man schaut hinaus und guckt nicht mehr auf Hasen, Maulwurfshügel und Apfelbäume, sondern auf Züge, Busse, Taxis und Menschen", so Illies. "Und das wird natürlich Auswirkungen haben."

Viel Berufserfahrung

Illies ist 48 Jahre alt, wirkt jedoch sehr jugendlich. Der Verleger hat eine bemerkenswert reiche Berufserfahrung: Er war unter anderem Feuilletonchef sowohl der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" als auch der "Zeit", zu deren Herausgeberrat er heute gehört. Er gründete die Kunstzeitschrift "Monopol" und arbeitete zuletzt als Gesellschafter des Berliner Auktionshauses Villa Griesebach. Den Alltag in einem Buchverlag kennt Illies bislang jedoch nicht.

"Das ist die herausforderndste Arbeit, die ich getan habe", gibt Illies zu. Die Komplexität seines neuen Jobs sei am größten, weil eben auch die Verantwortung vor den Autoren und den Mitarbeitern angesichts einer fundamentalen Veränderung der Branche sehr groß sei.

Ich habe sehr viel Respekt vor dieser Aufgabe. Aber das hat mich noch nie abgehalten, solch eine Herausforderung anzugehen.

Florian Illies, Leiter Rowohlt-Verlag

Von Ernest Hemingway bis Rosamunde Pilcher

Rowohlt, 1908 in Leipzig gegründet, ist einer der renommiertesten deutschen Verlage. Das Spektrum reicht von Autoren wie Ernest Hemingway, Jonathan Franzen, Daniel Kehlmann und Martin Walser bis hin zu Rosamunde Pilcher und Eckart von Hirschhausen. 400 Titel erscheinen pro Jahr, der Umsatz beträgt fast 70 Millionen Euro. Im Frühjahr ist ein 1300 Seiten dicker Roman eines gänzlich unbekannten Norwegers erschienen. Illies freut das. Johan Harstad war der erste Schriftsteller, den der Verleger getroffen hat. Er verspricht: Wir werden diesen Autor groß machen. Programmatische Aussagen hingegen unterlässt er.

"Ich bin nie jemand gewesen, dem es darum ging, große Visionen zu verkünden", so Illies. Stattdessen versuche er sich nicht in der Theorie, sondern in der Praxis zu verwirklichen. Die Aufgabe des Verlages sei, Menschen mit Büchern zu begeistern, sie dazu zu bringen, Büchern Zeit zu schenken. "Und zu spüren, wie viel wohler man sich fühlt nach der Lektüre, als wenn man die gleiche Zeit in sein Handy geschaut hat. Und dafür müssen wir uns alle unglaublich anstrengen."

Eigene Bücher trotz neuem Amt

Seine Energie will Florian Illies, der mit dem Bestseller "Generation Golf" bekannt wurde, aber weiterhin auch in eigene Bücher stecken. Für ihn gehe es nicht anders, sagt er und wirkt dabei nicht so, als ließe ihm der neue Job keinerlei Raum für seine eigenen publizistischen Neigungen: "Ich habe es glücklicherweise immer hinbekommen, trotzdem Bücher zu schreiben, weil es mich so besetzt hat und weil es dann einfach so sein musste. Es ist auch so, dass es nicht zu verhindern sein wird, dass es wieder ein Buch von mir geben wird."

Vor zwei Jahren hat er mit seinem Hausverlag S. Fischer einen Kontrakt über eine Caspar-David-Friedrich-Biografie abgeschlossen. Den Vertrag will Florian Illies auf jeden Fall erfüllen. Es könnte nur etwas länger dauern als ursprünglich geplant. 

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 31. Mai 2019 | 12:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Mai 2019, 04:00 Uhr