Aus der NS-Zeit Fotos von jüdischem Friedhof Gröbzig in Schloss Köthen entdeckt

Im Historischen Museum im Schloss Köthen wurden Fotos aus der NS-Zeit entdeckt, die den jüdischen Friedhof in Gröbzig zeigen. Anett Gottschalk ist Direktorin des Museums Synagoge in Gröbzig und hofft, mit dem Fund mehr über die Geschichte der Gemeinde zu erfahren.

Museumsleiterin Anett Gottschalk geht über einen jüdischen Friedhof
Anett Gottschalk hofft, dass die Synagoge und der jüdische Friedhof als Erinnerungsorte gestärkt werden. Bildrechte: Anne Sailer/MDR KULTUR

Seit 2018 ist die 33-Jährige Anett Gottschalk Leiterin des Museums Synagoge Gröbzig. Das wird derzeit barrierefrei saniert. Vor ein paar Tagen klingelte Gottschalks Telefon und am anderen Ende der Leitung war das Schloss Köthen. Man habe hier Fotos gefunden, die den jüdischen Friedhof in Gröbzig zeigen.

Die studierte Judaistin aus Eisleben erklärt: "Ich verstehe das Hebräische, nehme eins der Fotos in die Hand und sehe gleich: Das ist unser alter Friedhof." Dass bei den Bildern auch Duplikate dabei seien, darüber kann sie wegen ihrer Zahl hinwegsehen: "Das ist für uns ein wahnsinniger Fund und auch für Köthen ganz toll."

Das können wir nun zusammen erforschen.

Anett Gottschalk, irektorin Museum Synagoge Gröbzig

Grabsteine, die es nicht mehr gibt

Gottschalks Forscherherz habe ihr bis zum Hals geschlagen, erzählt sie, denn die alten Aufnahmen zeigen zum Teil Grabstätten, die es gar nicht mehr gibt. Gleich machte sie sich also an die Arbeit: "Drei Bilder haben wir uns ausgesucht. Die haben wir mit vielem Dank an das Schloss in Köthen vergrößern können."

350 Jahre Friedhofsgeschichte

Museumsleiterin Anett Gottschalk geht über einen jüdischen Friedhof
Museumsdirektorin Anett Gottschalk mit eienr vergrößerten Fotografie. Bildrechte: Anne Sailer/MDR KULTUR

1670 wurde der jüdische Friedhof mit Steinen des Schlosses aus Gröpzig umfasst, gespendet vom Fürsten persönlich. 247 Grabsteine stehen hier noch. Außerdem ein Gedenkstein für die Menschen, die im Holocaust ermordet wurden.

Die Bilder sind für die Synagoge wichtig, denn die jüdische Tradition sieht vor, dass ein Grab nicht gepflegt wird und Sandsteine, wie Sie hier stehen, verwittern schnell. Auf der anderen Seite enthalten jüdische Grabsteine mehr Informationen über den Verstorbenen als beispielsweise christliche Gräber. So konnte Anett Gottschalk schon feststellen, dass ein Familienname immer wieder auftaucht: Gottschalk. Purer Zufall, sagt die Museumsleiterin: "Wir haben die Daten noch nicht von der ganzen Familie, und so können wir ein bisschen zusammensetzen. Wenn wir dann irgendwann einen Grabstein von einem Menachem Gottschalk haben, dann können wir gut gucken, ob das vielleicht sein Vater war. So lässt sich ganz viel rekonstruieren."

Es ist ein ganzer Komplex, den man hier erforschen kann.

Anett Gottschalk

Fotografien aus der NS-Zeit

Ein Grabstein auf einem jüdischen Friedhof
Die jüdische Tradition sieht vor, dass Grabsteine nicht gepflegt werden. Bildrechte: Anne Sailer/MDR KULTUR

Die Bilder aus dem Köthener Schloss stammen aus dem Jahre 1944. Das Reichsinstitut für die Neue Geschichte Deutschlands hatte die Fotos in Auftrag gegeben, um die jüdische Geschichte zu dokumentieren. Zeitgleich lief die Maschinerie zur Vernichtung der Juden auf Hochtouren. Auch neun Jüdinnen und Juden aus Gröbzig wurden in den Tod deportiert. Die Aufnahmen können nun helfen, mehr über die Geschichte der jüdischen Gemeinde zu erfahren. Anett Gottschalk hofft, das noch mehr Bilder auftauchen, aus privaten Nachlässen zum Beispiel. Je mehr Material das Museum Synagoge Gröbzig sammeln kann, umso stärker werden die Synagoge und der jüdische Friedhof als Erinnerungsorte.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. August 2020 | 08:15 Uhr