Fra Diavolo am Theater Erfurt - Alexander Voigt als Fra Diavolo
Mit "Fra Diavolo" startet das Theater Erfurt in seine neue Saison. Bildrechte: Lutz Edelhoff

Kritik zur Premiere in Erfurt "Fra Diavolo": Wenn Oper auf Filmgeschichte trifft

Der Gentleman-Räuber Fra Diavolo ist die Hauptperson in dieser französischen Oper, die zum Start der neuen Saison in Erfurt Premiere feierte. Für komische Momente sorgen zwei Spießgesellen an seiner Seite. Die inspirierten einst sogar das Komiker-Duo Stan Laurel und Oliver Hardy zu einer Filmparodie. Von der Oper gut unterhalten fühlte sich MDR KULTUR-Kritiker Uwe Friedrich, der das besondere Bühnenbild und die tollen Sänger lobt.

Fra Diavolo am Theater Erfurt - Alexander Voigt als Fra Diavolo
Mit "Fra Diavolo" startet das Theater Erfurt in seine neue Saison. Bildrechte: Lutz Edelhoff

Der Räuber Fra Diavolo steckt sich hemmungslos das Beutegut in die eigene Tasche und denkt gar nicht daran, es wie Robin Hood mit den Armen zu teilen. So ist er das Gegenbild zum bürgerlichen Publikum der Julimonarchie unter dem Bürgerkönig Louis-Philippe. Die Restauration hatte gerade gesiegt, als "Fra Diavolo" an der Opéra Comique herauskam, das "Juste Milieu" wollte im Theater gut unterhalten, aber nicht schockiert werden.

Ein Bühnenbild wie in einem Wes-Anderson-Film

"Fra Diavolo" am Theater Erfurt - das Ensemble
Das Bühnenbild erinnert an Wes Andersons "Grand Budapest Hotel". Bildrechte: Lutz Edelhoff

Ein merkwürdiger englischer Lord mischt samt Gattin auch mit bei den opernüblichen Verwirrungen, zwei trottelige Spießgesellen des Räubers sorgen mächtig gewaltig für Tumult, wenn Regisseur Hendrik Müller sich bei seiner Umsetzung in der Filmgeschichte bedient. Dazu hat Bühnenbildner Marc Weeger ihm ein Hotelfoyer entworfen, das deutlich an "Grand Budapest Hotel" von Wes Anderson erinnert. Bei der An- und Abreise der undurchsichtigen Gäste kommt es immer wieder zu Slapstick à la Louis de Funès oder Laurel und Hardy, aber in den ruhigeren Szenen gelingt es dem Regisseur auch stilsicher, das Tempo zu reduzieren, so dass der Charme dieser sehr französischen Komödienspielart erhalten bleibt.

Stimmlich überzeugend und mit Happy End

Dirigent Chanmin Chung findet mit dem Philharmonischen Orchester Erfurt das angemessene Tempo für die Arien, Balladen und Ensembles, damit die vorhersehbare Geschichte stets unterhaltsam bleibt. Herausragende Sängerin ist Leonor Amaral als Zerline, die sowohl in ihren Koloraturen als auch in den melancholischen Arien überzeugt. Als ihr Verehrer Lorenzo zeigt Tenor Julian Freibott liebenswert vertrottelten Charme und eine genretypisch offene Höhe, während Alexander Voigt den Titelhelden auch stimmlich sehr robust auftreten lässt. Die kleineren Rollen sind aus dem Ensemble überzeugend besetzt, alle stürzen sich mit Gespür für Komik und das dafür nötige Timing ins Vergnügen, das auch vom amüsierten Publikum geteilt wird.

Das kann sich am Ende freuen über ein Happy End: Zerline muss nicht den alten Langweiler heiraten, den ihr Vater ausgesucht hat, sondern bekommt schließlich doch noch ihren Lorenzo.

Darsteller der Oper Erfurt auf der Bühne während der Inszenierung von Fra Diavolo.
Die Darsteller wussten Kritiker Uwe Friedrich zu überzeugen – auch stimmlich. Bildrechte: Lutz Edelhoff

Service-Info "Fra Diavolo" an der Oper Erfurt
Premiere: Sa, 6. Oktober 2018, Großes Haus

Weitere Aufführungen

12.10.2018 | 19:30 Uhr
21.10.2018 | 15:30 Uhr
27.10.2018 | 19:30 Uhr

Mehr Bühne

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. Oktober 2018 | 09:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Oktober 2018, 15:36 Uhr

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