Frank Schätzing, 2009
Frank Schätzing geht nun auch musikalische Wege Bildrechte: imago images / Sven Simon

Autor von "Der Schwarm" Frank Schätzing – jetzt singt er auch noch

Graumeliert, Glitzerjacke, Cowboystiefel – so präsentiert sich Schriftsteller Frank Schätzing. Der Autor des Weltbestsellers "Der Schwarm" wollte laut eigener Aussage schon immer Popstar werden. Jetzt bringt er mit "Taxi Galaxi" sein erstes, komplett selbst geschriebenes Album heraus. Eine Hommage an die Helden seiner Jugend: David Bowie, Roxy Music und die Talking Heads. Unseren Kritiker konnte er damit nicht begeistern.

von Sky Nonhoff, MDR KULTUR

Frank Schätzing, 2009
Frank Schätzing geht nun auch musikalische Wege Bildrechte: imago images / Sven Simon

Man hätte es ahnen können, nein, wissen müssen: Nach jenem denkwürdigen Abend im März 2007, als es in der WDR-Show "Zimmer frei" zum Gipfeltreffen zweier Giganten kam. Bejubelt von Christine Westermann, unterzogen Moderator Götz Alsmann und sein Gast Frank Schätzing den David-Bowie-Klassiker "Space Oddity" einem ganz besonderen Verfahren, das dank YouTube der Nachwelt erhalten blieb.

Frank Schätzing, 2008
Frank Schätzing 2008 bei seinem Musikauftritt in der Sendung "Zimmer frei" Bildrechte: imago images / APress

Alsmann blieb derart die Spucke weg, dass er nach dem Schlussakkord nur noch ein mühsam herausgepresstes Wort über die Lippen brachte – "Wahnsinn!" –, während Schätzing unlängst im "Morgenmagazin" Bowie endlich den so lange vorenthaltenen Ritterschlag verabreichte: "Also, ich liebe Bowie. Weil, ich halte ihn erstens für einen guten Musiker.

Was ich zweitens an ihm mag, ist, dass er sich immer wieder neu erfindet.

Ich mag’s, nicht so etikettierbar zu sein, so dass man irgendwann sagt, jetzt hat er das gemacht und das macht er jetzt bis in alle Ewigkeit weiter, sondern dass man mal so einen Kurswechsel vornimmt, und immer dann, wenn die Leute sagen, so jetzt hab ich ihn, dass man da so entwischt und wieder was anderes macht."

Songwriting mit Räuberenglisch

Frank Schätzing, 62, ist nicht irgendwer. Sondern der Autor des Megabestsellers "Der Schwarm", eines Science-Fiction-Katastrophen-Thrillers, der sich streckenweise so las, als hätte er dem Infotainment-Pionier Jean Pütz (ebenfalls Kölner) ein Wissenschaftsshow-Drehbuch unter dem Kopfkissen weggeklaut und mit ein paar He-Man-Figuren garniert.

Jetzt hat sich der ehemalige Werbefachmann und Kundenberater selbst neu erfunden: als rheinische Version von Bowies Alter ego Ziggy Stardust, dessen für Nicht-Kölner leicht gewöhnungsbedürftige Mundart Schätzing so erklärt:

Musik machen fällt mir kolossal leicht. Ich nehm 'ne Gitarre in die Hand oder setz' mich ans Klavier und klimpere irgendwie rum, dann singe ich auch dazu, dann fällt mir irgendeine Gesangslinie ein, und ich singe dann Räuberenglisch, so nenn ich das, das ist ein Phantasieenglisch, klingt wie Englisch, ist aber völliger Quatsch, aber vor allem singt man automatisch die Vokale, die an den richtigen Stellen am besten zu singen sind – ein Idealenglisch, wenn man so will.

Frank Schätzing

Gebürtige Kölner würden diese Art des Englischs vielleicht nicht als ideal, sondern mit der ihnen eigenen Bescheidenheit eher als "obergärig" bezeichnen.

Gerüchte und Realität

Überhaupt, Kölner Gerüchte: Der Unwahrheit entspricht, dass Schätzing sich seine alten Buddies, Wolfgang Niedecken und Klaus "Major" Heuser, für "Taxi Galaxi", so der Titel seines Albums, nicht leisten konnte. Tatsächlich spielen hier Ex-Bowie-Pianeur Mike Garson und – ernstlich – King-Crimson-Bassist Tony Levin: Also ziemlich genau die Musiker, die ein David-Bowie-Plagiator engagieren würde, wenn er sich selbst für Goliath hält.

Frank Schätzing, 2011
Frank Schätzing es ne echte kölsche Jung Bildrechte: imago images / APress

Im Video zum Titelsong "Taxi Galaxi" präsentiert sich Schätzing als Kreuzung aus Lederjacken-Junggebliebenem und futuristischem Thomas Gottschalk - mit einem Sound, der die 80er-Jahre im Retro-Nachhinein als pure Travestie diskreditiert.

Flankiert wird Schätzing von ein paar Aliens, und man wird das kölsche Jeföhl nicht los, dass sich hinter der Ramsch-Maske des Chef-Außerirdischen Henning Krautmacher verbirgt, Sänger und Gitarrist der Lokalmatadoren De Höhner, denen die Metropole am Niederrhein so überlegene Songs wie "Unser Bock es Meister" verdankt. Wahr ist jedenfalls, dass Krautmacher und Schätzing derselbe Jahrgang sind.

Ebenfall  wahr ist, dass am 11.11. die Karnevalssaison beginnt. Und keiner hat so unmissverständlich bewiesen wie Frank Schätzing, dass Karneval längst eine Ü-60-Party ist.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. Oktober 2019 | 16:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2019, 04:00 Uhr

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