Sänger Wie raffiniert Frank Sinatra seine Karriere aufbaute

Frank Sinatra zählt unbestritten zu den ganz großen Sängern der Musikgeschichte. Doch auch er hat einmal klein angefangen. Geschickt arbeitete er auf seinen Erfolg hin, nutzte Chancen – und ließ auch Karrierebegleiter hinter sich. So beispielsweise Tommy Dorsey, mit dem er das erste Mal öffentlich auftrat, zu dem er hinaufblickte und der ihm irgendwann zu klein war.

Frank Sinatra
Frank Sinatra wurde mit Songs wie "My Way" oder "New York, New York" berühmt. Bildrechte: IMAGO

Frank Sinatra wird als Sohn italienischer Einwanderer in Hoboken, New Jersey geboren. Gegenüber liegt Manhattan und Sinatra weiß früh, dass es ihn dort hinzieht. Er will berühmt werden wie Bing Crosby und lernt beizeiten, wie man an Gigs kommt. Ein eigenes Mikro wird zur Eintrittskarte in Bars und Clubs, das Auto zum Bestechungsmittel für Bands, die ihre Instrumente transportieren müssen. Oder er verzichtet auf die Gage.

Als Sänger hatte ich wirklich einen verheißungsvollen Start. Ich sang eine ganze Saison bei drei Radiostationen für umsonst. Erst später habe ich mitbekommen, dass man dafür auch Geld bekommen kann. Dann habe ich 12 Dollar pro Woche verdient, in dem ich in verschiedenen Restaurants gesungen habe.

Frank Sinatra

Jede Aufstiegschance nutzen

1939 steigt Sinatra in die Big Band von Harry James ein, aber er will mehr: bessere Bezahlung, größeren Erfolg. Und als sich im Januar 1940 die Chance bietet, bei Tommy Dorsey einzusteigen, schlägt Sinatra zu. Er ist der festen Überzeugung, dass der ihn weiterbringt, hat er doch Dorsey und sein Orchester schon live spielen sehen und weiß, welchen Raum der Bandleader einem Sänger lässt.

Frank Sinatra
Frank Sinatra 1943 Bildrechte: IMAGO Publishers Collection

Irgendwie wurde er bei ihm zum Star. Es gab nicht das übliche Schema: Einleitung instrumental, Gesangsteil, Ende instrumental. Nein, der Sänger trat vor für den ersten Teil, dann spielte das Orchester den instrumentalen Part, kam auf das Thema zurück und der Sänger beendete das Stück.

Frank Sinatra über die Behandlung von Sängern in Tommy Dorseys Orchester

Sinatra und der zehn Jahre ältere Dorsey können gut miteinander. Wohl nicht zuletzt, weil der Sänger Sinatra seinen Boss, sein Vorbild kopiert, imitiert – bis hin zur Modelleisenbahn, die er sich zulegt. Zudem hat Dorsey eine Reihe von Tipps parat, die Sinatra als Sänger besser machen.

Tommy Dorsey
Tommy Dorsey Bildrechte: imago/Cinema Publishers Collection

Ich sagte Frank immer wieder: Der einzige, den du genau studieren musst, ist Crosby. Für den ist einzig der Text von Bedeutung. Und daran solltest du dich auch halten.

Tommy Dorsey, Bandleader

Sinatra will noch höher hinaus

Indes wird Sinatra bald klar: so sehr ihn Dorsey weiterbringt, in seiner Karriere können er und seine Big Band auch nur ein Zwischenstopp sein. Dorsey hört das gar nicht gern. Nicht zuletzt wegen Sinatras Wirkung auf das weibliche Publikum.

Man spürte die Reaktion im Saal schon, wenn der Junge nur aufstand, um zu singen. Schließlich war er keine typische Matineenschönheit, sondern bloß ein mageres Jüngelchen mit abstehenden Ohren. Aber was er den Frauen antat, das war geradezu furchterregend.

Tommy Dorsey

Die Trennung gestaltet sich höchst unschön. Dorsey wünscht seinem Sänger alles, nur keinen Erfolg. Hinter den Kulissen raufen sich die Anwälte um die Verträge. Der Bruch zwischen den beiden Musikern ist endgültig und wird nie wieder gekittet. Und als Dorsey 1956 stirbt, sieht Sinatra nicht mal das als Grund an, sich bei den Hinterbliebenen seines einstigen Vorbildes zu melden.

Der amerikanische Sänger und Schauspieler Frank Sinatra wird auf seinem Weg in das Paramount Theater in New York von weiblichen Fans umschwärmt. Aufnahme von 1943. Der Sohn sizilianischer Einwanderer, begeisterte schon in den 40-er Jahren ein Massenpublikum.
Frank Sinatra wird in New York von weiblichen Fans umschwärmt. Bildrechte: dpa

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