Die Künstlerin Philine Görnandt steht mit einer Besucherin in ihrem Atelier an einem Tisch.
Die Apoldaer Künstlerin Philine Görnandt mit einer Besucherin in ihrem Atelier Bildrechte: MDR/Wolfgang Hentschel

Kunstszene Sind Frauen in der Kunst gleichberechtigt?

Seit jeher sind Frauen auch künstlerisch aktiv. Doch ihre Lage war zumeist schwierig. Wie sieht es aktuell aus? Wie viele Frauen studieren, lehren, gestalten und leiten im Kunstbereich? Eine Übersicht.

Die Künstlerin Philine Görnandt steht mit einer Besucherin in ihrem Atelier an einem Tisch.
Die Apoldaer Künstlerin Philine Görnandt mit einer Besucherin in ihrem Atelier Bildrechte: MDR/Wolfgang Hentschel

Wie weit stehen wir im Jahr 2019 mit der Gleichberechtigung von Frau und Mann in der Kunstwelt? Statistisch ist es nicht so einfach, sich ein präzises und fundiertes Bild zu machen. Zwar gibt es unterschiedliche Rankings und Studien zu der Stellung von Frauen im Kunstbetrieb, doch ist manches schwer vergleichbar.

"FIGARO vor Ort" am 15.06.2010 im Lichthof des Albertinums in Dresden: Künstlerin Cornelia Schleime
Die Künstlerin Cornelia Schleime Bildrechte: MDR / Michael Schöne

Dennoch gibt es aufschlussreiche Erhebungen, wie beispielsweise die des Deutschen Kulturrats aus dem Jahr 2016 zur Geschlechtergerechtigkeit in der Kunstwelt. Demnach hat sich an den Hochschulen und Universitäten viel getan. Im Studienbereich Kunst und Kunstwissenschaft ist der Anteil der Studentinnen ja traditionell hoch – hier beträgt er mittlerweile rund 80 Prozent. Auch die Dozentinnen und Professorinnen machen hier mehr als die Hälfte der Lehrkräfte aus.

Auch an den Kunsthochschulen sind die Frauen auf dem Vormarsch. Deutschlandweit sind laut der Studie mehr als die Hälfte der Studierenden weiblich. Bei den Lehrkräften ist der weibliche Anteil auf rund ein Drittel gestiegen. In den Leitungspositionen sieht es allerdings ganz anders aus, da gibt es gerade mal fünf Prozent Frauen in der Rektoren-Position.

Auch die Museen spielen naturgemäß eine wichtige Rolle im Kunstbetrieb. Hier beträgt der Anteil der Museumsdirektorinnen in Deutschland laut einer Studie von 2016 gerade einmal rund ein Drittel.

Lage in Mitteldeutschland

Marion Ackermann
Marion Ackermann ist Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden Bildrechte: dpa

Wenn man sich jedoch in Mitteldeutschland umschaut, sind Frauen an wichtigen Häusern durchaus sehr präsent. An der Spitze der Kunstsammlungen Dresden steht die Generaldirektorin Marion Ackermann und auch wichtige Kunstsammlungen, wie das Albertinum, das Kupferstichkabinett oder die Porzellansammlung, werden ebenfalls von Frauen geleitet. Ebenso ist die neue Leitung der Staatlichen Ethnografischen Sammlungen wieder in weiblicher Hand, da ist die neue Chefin zuständig für gleich drei Museen in Herrnhuth, Leipzig und Dresden. In Weimar gibt es mit Ulrike Lorenz die erste Präsidentin der Klassikstiftung.

Blick in die internationale Kunstszene

Zu den herausgehobenen Positionen im internationalen Kulturbetrieb gehören zum Beispiel Großereignisse wie die Documenta oder die Biennale in Venedig. Bei der Documenta in Kassel beispielsweise war bei der vorletzten Ausgabe mit Carolyn Christov-Bakargiev eine Frau in der Chefposition und man kann gespannt sein, wer nach Adam Szymzcik folgen wird, das wird dieses Jahr entschieden.

Franciska Zólyom
Franciska Zólyom kuratiert den deutschen Pavillon bei der Biennale in Venedig 2019 Bildrechte: MDR/Olaf Parusel

Beim deutschen Pavillon in Venedig dagegen sind die Personalentscheidungen längst getroffen und der deutsche Pavillon wird bei der diesjährigen Kunstbiennale wieder von einer Frau kuratiert. Die hat wiederum eine Künstlerin eingeladen, wie das bereits auch 2017 der Fall war. Dieses Mal ist Franciska Zólyom die Kommissarin in Venedig (sie ist auch Direktorin der Leipziger Galerie für zeitgenössische Kunst). Sie hat Natascha Süder Happelmann eingeladen, den deutschen Pavillon zu gestalten. Man kann gespannt sein, denn vor zwei Jahren hatte Anne Imhof mit einer Performance den Goldenen Löwen für den besten Länderpavillon geholt.

Weiblicher Kunst-Marktwert

Neben den zu vergebenden Posten gibt es auch noch andere Gradmesser für den künstlerischen Erfolg von Frauen. So informiert zum Beispiel der sogenannte Capital-Kunstkompass seit 1970 über die berühmtesten Protagonisten des Kunstmarktes. Und gerade beim aktuellen Kunstkompass-Ranking wird deutlich, dass Frauen auf dem internationalen Kunstmarkt immer mehr den Ton angeben. Und zwar vor allem in der Kategorie der sogenannten "Stars von morgen", denn da sind unter den Top Ten der Nachwuchskünstler allein sieben Frauen.

Dieser Trend  wird auch bestätigt von einem anderen wichtigen Ranking aus England. Das britische Kunstmagazin "Art Review" befragt jedes Jahr Experten auf allen fünf Kontinenten, wer zu den einflussreichsten Künstlern, Kuratoren, Galeristen und Publizisten zählt. Und da ist 2017 zum ersten Mal die deutsche Künstlerin Hito Steyerl auf Platz 1 gelandet. Sie wurde gekürt als die einflussreichste Frau der Kunstwelt.

Ein Jahr lang nur Frauen-Kunstwerke an Tate Britain

Um die Gleichberechtigung voranzutreiben, wird immer leidenschaftlicher über Frauen-Quoten diskutiert, auch in der Kunstwelt. Das spektakulärste Beispiel war in jüngster Zeit wohl die Tate Britain in London, dort wird ab April eine Frauenquote von 100 Prozent eingeführt. In der Abteilung für britische Kunst werden ein Jahr lang nur noch Arbeiten von Künstlerinnen zu sehen sein.

Die Frauenquote wird aber nicht nur in England praktiziert, auch hierzulande. Da ist zum Beispiel das Leipziger Museum der bildenden Künste zu nennen. Bereits bei seinem Amtsantritt im Sommer 2017 hatte dessen Direktor Alfred Weidinger verkündet, dass der weibliche Anteil bei der Künstlerauswahl fortan 50 Prozent betragen soll. Zur Erreichung dieser Quote trägt jetzt auch sicherlich die Schau des Malerinnen-Netzwerks Berlin-Leipzig bei, das sich ab Februar mit 28 Künstlerinnen im gesamten Untergeschoss präsentiert.

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Eine junge Frau zupft eine Jacke zurecht, die an einer Modepuppe hängt 4 min
Bildrechte: MDR/Cornelia Winkler

Katrin Engelhardt mit einer Reportage von der Burg Giebichenstein in Halle.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 13.02.2019 18:05Uhr 03:50 min

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Lotte (Alicia von Rittberg) und Paul (Noah Saavedra) entwerfen ihr erstes gemeinsames Achitekurmodell. 4 min
Lotte am Bauhaus Bildrechte: MDR/UFA Fiction/Honzik

Redakteurin Claudia Bleibaum über die MDR-Produktion, die am 13. Februar um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt wird und in der Mediathek abrufbar ist.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 13.02.2019 18:05Uhr 04:08 min

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Künstlerin Monster Chetwynd vor dem Londoner Museum Tate Britain 7 min
Bildrechte: imago/ZUMA Press

MDR KULTUR-Kunstredakteur Andreas Höll über die Rolle von Frauen als Museumschefs, bei internationalen Großausstellungen und auf dem Kunstmarkt.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 13.02.2019 18:05Uhr 06:56 min

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 13. Februar 2019 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2019, 08:45 Uhr