Kunstlandschaft Die weibliche Seite der Neuen Leipziger Schule

Beim offiziellen Startschuss der Neuen Leipziger Schule 2003, bei der legendären Schau "Sieben Mal Malerei" im MdbK gab es keine Frauen. Das vermerkten schon damals manche Kulturseiten der Tageszeitungen übel. Doch inzwischen kommen auch Leipziger Malerinnen zu ihrem Recht und haben Erfolg. Jedoch lässt sich dieser immer noch schwieriger herstellen, als für ihre männlichen Kollegen. Eine Bestandsaufnahme von MDR KULTUR-Kunstexpertin Ulrike Thielmann, die mit drei Künstlerinnen im Gespräch war.

die Leipziger Malerin Rosa Loy
Die Leipziger Malerin Rosa Loy 2004 vor einem ihrer Werke. Bildrechte: dpa

Frauen, die sich Frauenfragen stellen, fühlen sich in den Bildern von Rosa Loy aufgehoben. Auf ihren Gemälden und Grafiken spürt die Leipziger Malerin und Ehefrau von Neo Rauch den unbewussten Dimensionen von Weiblichkeit nach, die schon Sigmund Freud zu analysieren versuchte. Loy geht es darum, eine zeitgemäße Ikonographie von Weiblichkeit zu schaffen.

die Leipziger Malerin Rosa Loy und der Maler Neo Rauch
Rosa Loy und Neo Rauch Bildrechte: dpa

Dass ihre männlichen Kollegen die Leipziger Malerei dominieren, versucht die Künstlerin zu ändern. Loy gilt als Vorreiterin des MalerinnenNetzWerkes Berlin-Leipzig (MNW), einer Vereinigung, die als eine Art Produzentengalerie agiert, zu der profilierte Malerinnen gehören wie Gudrun Petersdorff, Corinne von Lebusa oder Miriam Vlaming. Den Vorwurf, dass das MNW als eine Art geschlossener Girls-Club analog zur Boygroup der Neuen Leipziger Schule agiert, nimmt Loy als Kompliment:

die Leipziger Malerin Rosa Loy
Rosa Loy Bildrechte: dpa

Es steht ja jedem frei, selbst was zu machen. Und das ist das Problem bei Frauen, man muss wirklich selber losgehen und was machen. Die Frauen aus der Kunstwelt, die ich kenne und die sehr erfolgreich sind, die sind alleine losgegangen und haben was gemacht und sich was ausgedacht. Wenn man erwartet, das einen dort jemand abholt und mitnimmt, das ist dort schwierig.

Rosa Loy

Netzwerke für Frauen

Das MNW entstand im Jahr 2015 als Reaktion auf die Ausstellung "Die bessere Hälfte – Malerinnen aus Leipzig" in der Kunsthalle der Sparkasse. Die Schau thematisierte, dass fähige Malerinnen deutlich weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen, weniger bekannt sind oder als "Malersgattin" auf der Strecke bleiben.

Seit 2015 existiert in Leipzig auch das Künstlerinnennetzwerk, das jeder Künstlerin in Leipzig offen steht. Um die 80 sind auf der Homepage gelistet, darunter auch Akteurinnen des MNW. Im Künstlerinnennetzwerk geht es darum, sich auszutauschen, weniger zwingend um gemeinsame Ausstellungen, betont die Leipziger Malerin und Mitbegründerin Katrin Brause, die unter dem Namen Katrin Heichel bekannt wurde.

Es ist eine Form der Selbstermächtigung, die müssen wir lernen. Das habe ich seit meinem Studium bis jetzt immer und immer wieder hören müssen, dass gerade die Frauen zu ängstlich sind, um in irgendeiner Form sich zusammenzutun. Das finde ich sehr schade und das war im Grunde der Anlass, dass ich eben auch gedacht habe, es wäre gut, wenn man Gesprächsrunden hat, Diskussionsrunden hat.

Katrin Brause

Auf Katrin Brauses Gemälden sind Menschen meistens abwesend. Dennoch geht es magisch zu in der Art, wie die Malerin Dinge oder Szenen erkundet, die nicht zur Protokollstrecke des Lebens gehören: zerschlagenes Glas in der Bodenkammer, abgestellte Leitern, verfallende Gebäude oder Vogelhäuschen, letzteres in unheimlich-oszillierendes Blau getaucht.

Bewusster Verzicht auf Networking: Katrin Brause

Katrin Brauses gegenständlich-abstrahierende Bildsprache gibt sich als eine der Neuen Leipziger Schule zu erkennen. Sie ist Meisterschülerin von Neo Rauch, ebenso wie Kristina Schuldt, deren Malerei dieser Tage in der Kunstwelt von sich reden macht.

Künstlerin Kristina Schuldt
Kristina Schuldt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Schuldts vielfarbige Menschenkörper scheinen von Bauhaus-Künstlern inspiriert. Durch ein lebensfeindliches, technoides Umfeld geraten sie in ihrer Dynamik aus den Fugen, durch die unsichtbar waltenden Kräfte nehmen ganze Körperteile geometrisierende Formen an, was teils unheimliche, komische, gar mitleiderregende Züge hat.

Kristina Schuldt, 1983 in Moskau geboren, vertritt als jüngste der vorgestellten Künstlerinnen den Standpunkt, weder ein MalerinnenNetzWerk noch ein Künstlerinnennetzwerk zu brauchen. Vielleicht auch, weil ihre Vorgängerinnen den Weg bereitet haben.

Das kommt mir manchmal so ein bisschen künstlich vor. Ich finde, es wird manchmal zu viel thematisiert und man sollte einfach aktiv werden und einfach machen und nicht so viel drüber reden. Und ich glaube einfach an die Malerei und das ist mir auch so wichtig und jeder Maler und jede Malerin ist ja einzigartig, und wenn man sich immer daran hält und nur bei sich bleibt, kann es ja gar nicht schief gehen.

Kristina Schuldt über die Thematisierung der Weiblichkeit bei Malerinnen

Der Erfolg dieser Tage gibt Kristina Schuldt Recht. Jedoch, wer als Malerin in Leipzig bekannt werden will, sollte hart verpackt sein.

Filme zur Neuen Leipziger Schule

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In langen Gesprächen öffnet sich der Künstler erstmals seit vielen Jahren der Kamera und gibt Auskunft über seinen Zugang zur Kunst, seine Welt und seine vom frühen Verlust der Eltern geprägte Vergangenheit.
In langen Gesprächen öffnet sich der Künstler erstmals seit vielen Jahren der Kamera und gibt Auskunft über seinen Zugang zur Kunst, seine Welt und seine vom frühen Verlust der Eltern geprägte Vergangenheit. Bildrechte: MDR/Alexander Rott

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. April 2020 | 18:05 Uhr

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