Frédéric Bußmann
Frédéric Bußmann wurde 1974 im französischen Boulogne-Billancourt geboren und wuchs in Münster auf. Bildrechte: dpa

Neuer Chef Das plant Frédéric Bußmann mit den Kunstsammlungen Chemnitz

Seit Anfang Mai ist Frédéric Bußmann Generaldirektor der Chemnitzer Kunstsammlungen. Er folgt auf die hochgelobte Ingrid Mössinger. Über seine Pläne und auch neue Ansätze war er exklusiv mit MDR KULTUR im Gespräch.

Frédéric Bußmann
Frédéric Bußmann wurde 1974 im französischen Boulogne-Billancourt geboren und wuchs in Münster auf. Bildrechte: dpa

Fréderic Bußmann will als neuer Generaldirektor der Chemnitzer Kunstsammlungen die Digitalisierung voranbringen und zugleich die Traditionslinie des Autodidaktentums in Chemnitz bewahren. Im Gespräch mit MDR KULTUR hob er zugleich hervor, dass dabei nicht nur in die Vergangenheit geblickt werden, sondern auch in die Gegenwart und Zukunft gewirkt werden solle. So könne er sich Stipendien für Künstler vorstellen, eventuell auch einen Ausstellungsraum. Bußmann möchte diese Idee mit den Künstlern vor Ort diskutieren.

Die Chemnitzer Kunstszene ist eine besondere. Sie hat sich in einer Stadt entwickelt, die über keine eigene Kunsthochschule verfügt. So hat sie unangepasste Künstler hervorgebracht, wie die Mitglieder der legendären Künstlergruppe Clara Mosch oder auch die Autodidakten Olaf und Carsten Nicolai, die mittlerweile weltbekannt sind.

Es gibt so eine hochinteressante Traditionslinie des Autodidaktentums in Chemnitz, das ich gern bewahren möchte. Mit den Künstlern zusammen überlegen, ob man so eine Art Zentrum darum gründen könnte.

Fréderic Bußmann

Dass die Bestände der Sammlungen digitalisiert werden sollen, ist Bußmann wichtig. Zurückhaltender ist er jedoch bei der Nutzung von Internet in der Ausstellung selbst. Ergänzend könnte er sich zwar beispielsweise eine App vorstellen, jedoch solle und müsse für ihn vor Ort immer das originale Kunstwerk im Mittelpunkt stehen.

Im Zentrum muss tatsächlich immer die Erfahrung des originalen Werkes stehen. Wenn es das nicht mehr ist, dann brauchen wir unsere Häuser nicht offen zu halten.

Fréderic Bußmann

Bußmann möchte vor allem auch internationale Künstler nach Chemnitz holen. Die Begegnung mit den Größen der Gegenwartskunst ist ihm wichtig.

DDR-Kunst ist kein Ost-Muss

Differenziert sieht er die Präsentation von Kunst aus der DDR, wie sie in Halle derzeit prominent in der Dauerausstellung gezeigt wird und demnächst auch in Leipzig. Nur weil ein Museum auf dem Gebiet der ehemaligen DDR liegt, müsse es nicht zwangsläufig DDR-Kunst zeigen. Das Museum solle sich auf seine Stärken konzentrieren. Halle habe auch die geeigneten Arbeiten, um ihre Ausstellung mit Kunst der DDR zu verstärken, so Bußmann.

Frédéric Bußmann
Frédéric Bußmann Bildrechte: dpa

Ich bin mir da nicht so ganz sicher, ob jedes Museum, das nun auf dem Boden der DDR liegt tatsächlich eine eigene Abteilung 'Kunst in der DDR' haben muss. Das gibt's in Westdeutschland auch nicht in der Form, dass man eine Abteilung 'Kunst der Bundesrepublik' hat.

Fréderic Bußmann

Nachfolge von Mössinger

Bußmann hat zum 1. Mai sein Amt als neuer Generaldirektor der Chemnitzer Kunstsammlungen angetreten. Es ist keine einfache Aufgabe, denn der 43-jährige Kunsthistoriker folgt auf die legendäre Museumschefin Ingrid Mössinger, die das Haus mehr als zwei Jahrzehnte geleitet hatte. Studiert hat Bußmann in Berlin und Rom. Seit 2011 arbeitete er als Kurator am Museum der bildenden Künste in Leipzig.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. Mai 2018 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Mai 2018, 09:32 Uhr