Audiowalk, Steinzeithimmel, Urban Art Kultur unter freiem Himmel: Ausflugstipps für Sachsen-Anhalt

Viele Kultureinrichtungen nehmen trotz Corona langsam wieder den Betrieb auf. Kultur lässt sich aber immer auch an der frischen Luft genießen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Spaziergang im Dessau-Wörlitzer Gartenreich, einer Harz-Wanderung auf Heines Spuren oder Graffiti-Kunst? Wir haben einige Tipps für Ausflüge in Sachsen-Anhalt gesammelt.

Graffito an einer Fassade in Halle-Neustadt
Eines von zahlreichen Wandgemälden in Halle. Es lohnt sich, mit offenen Augen durch die Stadt zu spazieren. Bildrechte: Viktor Sobek

UNESCO-Welterbe Dessau-Wörlitzer Gartenreich

Die Insel Stein im Wörlitzer Schlosspark
Die Insel Stein im Wörlitzer Schlosspark Bildrechte: dpa

Mehr als 250 Jahre ist das Dessau-Wörlitzer Gartenreich alt. Ab 1764 ließ Fürst Leopold III. den Landschaftspark von Friedrich Wilhelm Freiherr von Erdmannsdorff anlegen. Die Idee war dabei von der Aufklärung beeinflusst: Der Fürst wollte, dass Mensch, Natur und Kunst miteinander in Harmonie verbunden werden. Bauten, Teiche und Brücken können sich sehen lassen: Seit dem Jahr 2000 zählt das Gartenreich Dessau Wörlitz zum UNESCO-Welterbe.

Die Sehnsucht nach Italien und der römischen Antike prägte das Gartenreich und lässt es wie ein begehbares Lexikon von der Antike bis zur Neuzeit erscheinen. Hier kann man spazieren, die Zeit vergessen und staunen.

Das märchenhafte Schloss Wernigerode

Schloss Wernigerode diente bereits verschiedenen Märchenfilmen als Kulisse. Dabei erhielt das Schloss sein märchenhaftes Aussehen erst ausgehenden 19. Jahrhundert. Im zauberhaften Innenhof kann der faszinierenden Architektur-Mix bestaunt werden, der bis auf das Mittelalter zurückgeht. Der Weg zum Schloss lädt zum Wandern ein, kann aber auch mit der Bahn abgekürzt werden. Oben angekommen kann der Ausblick genossen werden.

Weitere Informationen Schloss Wernigerode
Am Schloß 1
38855 Wernigerode

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 oder 18 Uhr (jahreszeitenabhängig)

Lyonel-Feininger-Audiowalk in Halle

Feininger-Infotafel in Halle
Infotafel zu Lyonel Feininger an der Marktkirche in Halle Bildrechte: MDR/Hanna Romanowsky

Mit den Stimmen interessierter Fans von Lyonel Feininger im Ohr, können Sie in Halle den großen Künstler der Moderne kennenlernen. Ein Hörspiel, das gemeinsam vom Kunstmuseum Moritzburg und Studierenden der Hochschule Merseburg entwickelt wurde, führt durch die Stationen des Rundgangs – draußen und viel lebendiger als bei einer Museumsführung.

Auf der Suche nach spannenden Motiven für seine eindrucksvollen Malereien war Feininger zwischen 1929 und 1931 in Halle unterwegs und schuf elf beeindruckende Meisterwerke. Auf Informationsstelen an den Stopps des Audiowalks sind Feiningers Gemälde abgebildet. Wer sich genau hier positionierst, kann Feiningers Perspektive nachempfinden, die er in seinen Bildern eingefangen hat und die reale Umgebung direkt mit Feiningers künstlerischer Interpretation abgleichen.


Archäologische Astronomie

Ein mit Rasen bepflanzter Weg ist jeweils rechts und links von hohen Holzzäunen flankiert
Die Konstruktion aus Holzzäunen diente als Gradmesser für die Sonnenbewegung. Bildrechte: MDR/Heike Opitz

Mehrere Orte in Sachsen-Anhalt geben beeindruckende Einblicke in die Steinzeit. Dazu gehört das Sonnenobservatorium in Goseck. Die jungsteinzeitliche Kreisgrabenanlage ist einer der frühesten archäologischen Belege für Himmelsbeobachtungen. Vor 7.000 Jahren wurden der kreisförmige Graben und die zwei konzentrischen Palisadenringe mit Toren zur Sonnenbeobachtung erbaut. Ähnlich eindrückliche steinzeitliche Anlagen sind u.a. das Ringheiligtum Pömmelte südlich von Magdeburg und das Grab der Dilmengöttin von Langeneichstädt.

Alle Infos zum Sonnenobservatorium Das Sonnenobservatorium ist ganzjährig frei zugänglich.

Das zugehörige Informationszentrum ist täglich von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Eintritt 2 Euro, ermäßigt 1 Euro


Klangspaziergänge zu Heinrich Schütz in Weißenfels

Über eine Applikation in einem Smartphone und Kopfhören hören sich zwei Besucher „Klangspaziergänge“ des Projektes "Swalk Heinrich Schütz“ vor dem Heinrich Schütz Haus in Weißenfels an.
Besucher beim Klangspaziergang "Swalk Heinrich Schütz“ vor dem Heinrich Schütz Haus in Weißenfels Bildrechte: dpa

Heinrich Schütz gilt als einer der bedeutendsten Komponisten des Frühbarock. Mit einer Soundwalk-App kann man seinen Spuren an den Stellen seines Wirkens nachgehen, beispielsweise in Zeitz, aber auch Bad Köstritz (Thüringen) und Dresden (Sachsen). Die meisten Stationen gibt es aber in Weißenfels, wo sich das Heinrich-Schütz-Haus, Wohnhaus und Alterssitz des Komponisten befinden. Kommt man an eine Hörstation, wie etwa das Wohnhaus, startet automatisch eine Audiodatei: Mal berichtet ein Erzähler aus dem Leben von Schütz und mal hört man seine Musik. Die App "Swalk Heinrich Schütz" gibt es für Android- und iOS-Smartphones.


Freilichtmuseum Diesdorf

Freilichtmuseum Diesdorf - Backhaus und Speicher im Herbst
Das Backhaus und der Speicher im Freilichtmuseum Diesdorf. Bildrechte: MDR KULTUR

In Diesdorf in der Altmark wurde schon vor über 100 Jahren das volkskundliche Museum Diesdorf angelegt, um den Alltag der Bauern zu zeigen. Damit gehört es zu den ältesten Freilichtmuseen Deutschlands. In historischen Bauernhäusern, Ställen, Scheunen und Gärten wird das Landleben zwischen dem 17. und 20. Jahrhundert erlebbar.

Wer noch mehr Geschichte erkunden mag, kann im Ort romanische Architektur bestaunen, wie die Klosterkirche St. Maria und Crucis. Außerdem gibt es einen Wanderweg rund um den Ort, an dem man Überreste von Gräbern aus der Steinzeit entdecken kann.

Infos zum Freilichtmuseum Diesdorf Adresse:
Molmker Straße 23,
29413 Diesdorf

Öffnungszeiten:
1. April bis 31. Oktober
Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen 10 bis 17 Uhr
Montag geschlossen

Eintritt:
4 Euro, ermäßigt 3 Euro, Kinder haben freien Eintritt


Urbane Kunst in der Freiraumgalerie

Kunst an der Hauswand - Ein Mann schmiegt sich an eine Roboterfrau.
Kunst an einer Hauswand in Halle Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die außergewöhnliche Graffiti-Kunst an den Häuserwänden in Halles Stadtviertel Freiimfelde bringt Farbe zwischen den grauen Stadt-Beton. In der Nähe des Hauptbahnhofs kann man hier an der frischen Luft viele großformatige Kunstwerke bewundern. Und auch im Stadtviertel Halle-Neustadt bekommen immer mehr Plattenbauten durch Graffiti einen modernen, hippen Touch. So große Leinwände hat man selten gesehen!


Harzer Heinrich-Heine-Weg von Ilsenburg zum Brocken

Blick in das Ilsetal mit den Ilsefällen.
Blick ins Ilsetal mit den Ilsefällen Bildrechte: dpa

1824 soll der Dichter und Schriftsteller Heinrich Heine (1797-1856) diesen Weg hinauf zum Brocken gewandert sein. Seine Erlebnisse verarbeitete er in der bekannten Reisebeschreibung "Harzreise". Der 26 Kilometer lange Rundwanderweg führt durch urwüchsige Buchenwälder des Ilsetals, vorbei an den Ilsefällen und am Heinrich-Heine-Denkmal bis hoch zum Brockenplateau.

Daten zum Wanderweg Route: von Ilsenburg bis zum Brockengipfel und zurück
Länge: ca. 26 km
Dauer: Je drei bis vier Stunden für Auf- und Abstieg einplanen

Moorlandschaft Drömling entdecken

Wasser fließt durch eine Wiesenlandschaft
Das Moor Drömling ist Lebensraum für zahlreiche Tierarten. Bildrechte: MDR/Andreas Müller

Erst im vergangenen Jahr wurde der Naturpark von der UNESCO als Biosphärenreservat anerkannt. Dabei ist der Drömling vor allem von menschlichem Einfluss geprägt: Im 18. Jahrhundert wurde die Senke auf Anweisung von Friedrich dem Großen entwässert, weil es wegen des geringen Gefälles zu den Flüssen Aller und Ohre immer wieder zu Überschwemmungen kam. Die Menschen der Umgebung hoben mehrere Gräben aus, die das Wasser auch in Weser und Elbe ableiteten. Dadurch entstand vor allem für Otter ein großes Jagdrevier. Aber auch anderen seltenen Tierarten bietet der Naturpark heute ein Zuhause. Mehrere Radwege führen durch den Drömling und laden dazu ein, die in Deutschland einzigartige Landschaft mit all seinen Bewohnern kennen zu lernen.

Kultur in Zeiten von Corona

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. September 2019 | 08:59 Uhr