Sebastião Salgado
Der brasilianische Fotograf Sebastião Salgado Bildrechte: imago/CommonLens

Auszeichnung Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2019 für Sebastião Salgado

Sebastião Salgado
Der brasilianische Fotograf Sebastião Salgado Bildrechte: imago/CommonLens

Der brasilianische Fotograf und Naturschützer Sebastião Salgado hat in diesem Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten. Die Verleihung fand zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse am 20. Oktober 2019 in der Frankfurter Paulskirche statt, die Laudatio hielt Regisseur Wim Wenders. Es ist das erste Mal, dass ein Fotograf die renommierte und mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung erhält.

Seine Bilder entwaffnen, sie stiften Verbindung, Nähe und Empathie.

Regisseur Wim Wenders in seiner Laudatio

Salgado macht die "geschändete Erde sichtbar"

Der Bildkünstler Salgado fordere mit seinen Fotografien soziale Gerechtigkeit und Frieden, begründete die Jury. Der weltweit geführten Debatte um Natur- und Klimaschutz verleihe er mit seinem Werk Dringlichkeit. Mit seiner Institution "Instituto Terra" habe er eine Einrichtung geschaffen, die einen direkten Beitrag zur Wiederbelebung von Biodiversität und Ökosystemen leistet.

Um eine andere Zukunft zu errichten, müssen wir die Gegenwart verstehen.

Sebastião Salgado in seiner Dankesrede

Weiter heißt es in der Jury-Begründung: "Mit seinem fotografischen Werk, das in zahlreichen Ausstellungen und Büchern veröffentlicht ist, nimmt er die durch Kriege oder Klimakatastrophen entwurzelten Menschen genauso in den Fokus wie jene, die traditionell in ihrer natürlichen Umwelt verwurzelt sind. Dadurch gelingt es Sebastião Salgado, Menschen weltweit für das Schicksal von Arbeitern und Migranten und für die Lebensbedingungen indigener Völker zu sensibilisieren."

Über Sebastião Salgado

Sebastião Ribeiro Salgado wurde 1944 in Aimorés, Brasilien, geboren. Er wuchs auf einer Rinderfarm auf und studierte Wirtschaftswissenschaften. Als er sich zusammen mit seiner Frau, die Architektin Lélia Wanick Salgado, in der linken Oppositionsbewegung gegen die brasilianische Militärdiktatur engagierte, musste er 1969 nach Paris emigrieren. Anfang der 70er-Jahre entdeckte er seine Leidenschaft für die Fotografie. 1994 gründete er mit seiner Frau die Fotoagentur "Amazonas images".

Bei seinen Langzeitprojekten zu Armut, Flucht, Heimatlosigkeit und Krieg sind ausnahmslos in Schwarz-weiß gehaltene Fotografien die Hauptmotive. Zahlreiche Projekte und sie begleitende Fotobände sind in Zusammenarbeit mit Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen, UNICEF, UNESCO oder Reporter ohne Grenzen entstanden. Ein Projekt über das Schicksal von Flüchtlingen führte Salgado in mehr als 40 Länder.

2004 begann Salgado mit dem Projekt Genesis, mit dem er seine Eindrücke der unberührten Natur, den dort angesiedelten Tieren und isoliert lebenden Menschen aus ursprünglichen Kulturen wiedergeben wollte. 2014 erschien mit "Das Salz der Erde" ein von Wim Wenders und Salgados Sohn, Juliano Salgado, erstellter Dokumentarfilm über das Leben und die Arbeit des Fotografen.

Auf diesem Bild vom brasilianischen Fotografen Sebastiao Salgado angelt eine Gruppe Waura-Indigene am Piulaga-See, nahe ihres Dorfes.
Auf diesem Bild vom brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado angelt eine Gruppe Waura-Indigene am Piulaga-See, nahe ihres Dorfes. Bildrechte: ©Sebastião Salgado/Amazonas Images/dpa

Persönliche Erfahrungen führten zur Gründung der "Instituto Terra"

Aus gesundheitlichen Gründen und weil ihm durch die direkte Konfrontation mit dem Völkermord in Ruanda Zweifel an seiner Arbeit überkamen, unterbrach Salgado Mitte der 90er-Jahre das Fotografieren und kehrte in die Heimat zurück. Hier musste er feststellen, dass die Bulcão-Farm seiner Eltern verödet war. Der Regenwald, der zuvor die Hälfte des Gebietes ausgemacht hatte, war auf ein halbes Prozent geschrumpft. Lélia und Sebastião Salgado begannen, die Region wieder aufzuforsten. 1998 wurde das Gebiet, das 680 Hektar umfasst, in ein Naturschutzgebiet umgewandelt und die gemeinnützige "Instituto Terra" gegründet. 2,7 Millionen Bäume wurden gepflanzt, um den Wald wieder in einen weitgehend ursprünglichen Zustand zu versetzen.

Zwei Mitarbeiterinnen eines Verlags stellen auf der Frankfurter Buchmesse Bücher in ein Regal 35 min
Bildrechte: dpa

Preisverleihung zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse

Der mit 25.000 Euro dotierte Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wird seit 1950 vergeben. Der Preis soll dem Frieden, der Menschlichkeit und der Verständigung der Völker dienen. Er geht dem Statut zufolge an Persönlichkeiten, "die in hervorragendem Maße vornehmlich durch ihre Tätigkeit auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen" haben. In den vergangenen Jahren haben das Wissenschaftler-Ehepaar Aleida und Jan Assmann (2018), die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood (2017), die deutsche Publizistin Carolin Emcke (2016) und der deutsche Schriftsteller Navid Kermani (2015) die Auszeichnung erhalten. Die Verleihung des Friedenspreises findet zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse in der Frankfurter Paulskirche statt.

Friedenspreisträger seit 2000 2000 Assia Djebar (algerische Schriftstellerin)
2001 Jürgen Habermas (deutscher Philosoph und Soziologe)
2002 Chinua Achebe (nigerianischer Schriftsteller)
2003 Susan Sontag (US-amerikanische Schriftstellerin)
2004 Péter Esterházy (ungarischer Schriftsteller)
2005 Orhan Pamuk (türkischer Schriftsteller)
2006 Wolf Lepenies (deutscher Soziologe)
2007 Saul Friedländer (israelischer Historiker und Autor)
2008 Anselm Kiefer (deutscher Maler und Bildhauer)
2009 Claudio Magris (italienischer Schriftsteller)
2010 David Grossman (israelischer Schriftsteller)
2011 Boualem Sansal (algerischer Schriftsteller)
2012 Liao Yiwu (chinesischer Schriftsteller)
2013 Swetlana Alexijewitsch (weißrussische Schriftstellerin)
2014 Jaron Lanier (US-Digitalpionier und Schriftsteller)
2015 Navid Kermani (deutscher Schriftsteller und Orientalist)
2016 Carolin Emcke (deutsche Publizistin)
2017 Margaret Atwood (kanadische Schriftstellerin)

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. Juni 2019 | 11:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Juni 2019, 11:30 Uhr

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