Mehr als nur "Parasite" Diese fünf Filme von Bong Joon-ho müssen Sie gesehen haben

In Hollywood war es nicht weniger als ein kleines Erdbeben: Der Film "Parasite" des südkoreanischen Regisseurs Bong Joon-ho wurde nicht nur als bester internationaler Film ausgezeichnet, sondern gleich auch noch für das beste Original-Drehbuch, die beste Regie – und als bester Film. Vier Oscars für eine Produktion, die ganz anders ist als die Mitkonkurrenten. Und Regisseur Bong Joon-ho hat noch mehr sehenswerte Filme zu bieten. Darunter der Fantasyfilm "Okja" und das Science-Fiction-Drama "Snowpiercer".

von Anna Wollner, MDR KULTUR-Filmkritikerin

"Hunde, die bellen, beißen nicht" (2000)

In seinem Heimatland Südkorea gilt Bong Joon-ho als erfolgreichster Regisseur – und das auch schon eine ganze Weile. Nach seinem Soziologiestudium absolvierte er die koreanische Filmakademie und drehte zahlreiche Kurzfilme, bis um die Jahrtausendwende mit "Hunde, die bellen, beißen nicht" sein erster Langfilm erschien. Die Komödie handelt von einem arbeitslosen Professor, der sich von den bellenden Hunden in der Nachbarschaft gestört fühlt, sie beseitigen will, aber von einer Nachbarin daran gehindert wird. Der Film zeigt die trostlose Realität in einer Hochhaussiedlung nahe Seoul – gepaart mit absurdem Witz.

"Memories of Murder" (2003)

In 'Memories of Murder' jagt die Polizei einen Serienmörder.
In "Memories of Murder" jagt die Polizei einen Serienmörder. Bildrechte: imago images / Prod.DB

Sein Durchbruch gelang Bong Joon-ho mit "Memories of Murder". Der Film basiert auf einer wahren Geschichte: In den 80er-Jahren ermordete ein Serienkiller zehn Frauen auf bestialische Weise. Während er seine Verbrechen in der Zeit der Militärdiktatur verübte, konnte der Täter erst 2019 ermittelt werden. Bong Joon-hos Film überzeugt mit düsterer, klassischer Thrilleratmosphäre, die aber immer wieder gebrochen wird. So zeichnet der Filmemacher akkurat das Stimmungsbild jener Zeit nach.

'Fargo' ist cool, unser Film ist emotional.

Bong Joon-ho

"The Host" (2006)

In "The Host" greift ein Ungeheuer aus dem Wasser Seoul an.
In "The Host" greift ein Ungeheuer aus dem Wasser Seoul an. Bildrechte: imago images / Prod.DB

Die Idee zu "The Host" hatte Bong Joon-ho schon während der Highschool. In dem Monsterfilm steigt ein mutiertes Wesen in der südkoreanischen Hauptstadt aus dem Wasser auf und fängt an, Menschen zu verschlingen. Jedoch handelt es sich um keinen klassischen Monsterfilm: Die Spannung baut sich dabei nicht um die Kreatur auf, sondern um einen anderen Eindringling. So gelingt die boshafte Satire als eine Parabel auf das Militär, die mit Sehkonventionen und Erwartungen spielt.

"The Host" bietet keine herkömmliche Heldengeschichte, sondern das Soziogramm einer Familie, die mit der Katastrophe umgehen muss. Dabei schlägt der Regisseur wie auch schon bei früheren Werken eine Brücke zu gesellschaftlichen Missständen in der Gegenwart. Die Geschichte der mutierten Kreatur geht auf die wahre Begebenheit zurück, dass das Militär Anfang der 2000er-Jahre Chemikalien in einem Fluss entsorgte.

"Snowpiercer" (2013)

n 'Snowpiercer' rast eine Klassengesellschaft in einem Zug durch eine postapokalyptische Eiswürste.
In "Snowpiercer" rast eine Klassengesellschaft in einem Zug durch eine postapokalyptische Eiswüste. Bildrechte: imago images / Prod.DB

Der Erfolg von "The Host" machte Bong Joon-ho einem internationalen Publikum bekannt. Er drehte nun auch mit Schauspielstars aus dem englischsprachigen Raum. So wirkten in "Snowpiercer" Tilda Swinton, Chris Evans und John Hurt mit. Das Science-Fiction-Drama lässt "Parasite" bereits erahnen, nur dass hier keine horizontale Gesellschaftsstruktur abgebildet wird, sondern eine vertikale: Während sich in vielen Science-Fiction-Filmen die Klassengesellschaft über ausgelagerte Raumschiffe oder Planeten erstreckt, ist sie hier über einen Zug verteilt, der durch eine postapokalyptische Eiswüste rast. An der Spitze schwelgen die Reichen im Luxus, hinten vegetiert der Pöbel vor sich hin und probt den Aufstand.

In seiner Umsetzung einer Graphic Novel rollt Bong Joon-ho das Feld von hinten auf und lässt eine Revolution der Armen starten, die sich von Abteil zu Abteil nach vorne arbeiten. Wie bei einem Computerspiel wissen die Revoluzzer um den Anführer Curtis nie, was sie im nächsten Level bzw. Abteil erwartet. In der klaustrophobischen Enge des Zuges wird knallharte Action geboten – aber auch eine Klassengesellschaft entlarvt.

"Okja" (2017)

Die junge An Seo Hyun kümmert sich um die sanftmütige Kreatur Okja.
Die junge An Seo Hyun kümmert sich um die sanftmütige Kreatur Okja. Bildrechte: imago images / Prod.DB

Wenn "Parasite" ein Erbeben in der Filmwelt auslöste, dann war "Okja" das dazugehörige Vorbeben. 2017 lief das Familienfantasy-Abenteuer im Wettbewerb beim großen Festival in Cannes. Für eine Netflix-Produktion war das damals ein No-Go, das für Buhrufe sorgte. Aber auch wenn "Okja" im Blockbustergewand daherkommt, handelt es sich vielmehr um eine Abrechnung mit der Fleischindustrie: Darin versucht ein kleines Mädchen, ihr Hausschwein zu retten, das zufälligerweise ein Superschwein ist – von der Fleischindustrie gezüchtet, um im Kochtopf zu landen. Ein Film, nach dem man Vegetarier werden will!

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 11. Februar 2020 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Februar 2020, 17:06 Uhr

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