Theodor Fontane
Am 20. September 1898 starb er in Berlin: der Dichter Theodor Fontane. Bildrechte: dpa

Literaturklassiker Zum 120. Todestag: Warum man mal wieder Fontane lesen sollte

Ob "Effi Briest", "Der Stechlin" oder "Frau Jenny Treibel" - auch 120 Jahre nach seinem Tod ist Fontane Reiseführer und Ratgeber in moralischen Fragen. Warum man seine Werke außerdem lesen sollte, erfahren Sie hier.

von Katrin Schumacher, MDR KULTUR-Literaturredakteurin

Theodor Fontane
Am 20. September 1898 starb er in Berlin: der Dichter Theodor Fontane. Bildrechte: dpa

1. Fontane ist literarische Medizin.

Der Apothekersohn lässt sich ab 1836 selbst zum Apotheker ausbilden – und während er in Burg (bei Magdeburg) seine erste Stelle als Gehilfe hat, schreibt er seine ersten Gedichte. Die nächsten pharmazeutischen Stationen sind die Adler-Apotheke in Leipzig, Hainstraße 9, und die Salomonis-Apotheke in Dresden. Während er Pillen dreht und Tinkturen verkauft schreibt er fleißig Novellen. Der Kontakt zu den Kunden, das Erleben des an Körper und Seele so anfälligen Menschen schult seinen Blick. Kaum ein Dichter seiner Zeit wird später so klar und leuchtend über die Facetten der menschlichen Natur, ihre Irrungen und Wirrungen schreiben.

2. Fontane zeigt, wie Mut geht.

Es ist ein Tag im Spätseptember im Jahr 1849, da wirft er sein Apothekerleben über den Haufen und will fortan nur noch schreiben. Das erste Buch erscheint, die Frau wird geheiratet, Kinder kommen am laufenden Band, und wenn es finanziell zu prekär wird, hält er sich mit journalistischen Arbeiten über Wasser. Es gibt nur dieses eine Leben, das war ihm sonnenklar. Chapeau!

3. Fontane war einer der ersten, der Maschinengedichte geschrieben hat.

Jungs, das ist was für Euch - der Anfang von "Junker Dampf" (1851):

Aus einem edlen Stamme
Entsproß der Junker Dampf:
Das Wasser und die Flamme
Erzeugten ihn im Kampf;
Doch hin und her getragen,
Ein Spielball jedem Wind,
Schien aus der Art geschlagen
Das Elementenkind.

aus "Junker Dampf" (1851) von Theodor Fontane

4. In Moralfragen lohnt immer ein Blick in den Fontane.

Ausbrüche aus der gesellschaftlichen Konventionalität und die Folgen, ob in "Effi Briest" oder "Frau Jenny Treibel": Fontane erzählt präzise von den Konflikten zwischen Außen- und Innenwelt, Bildung und Besitz, Ideal und Alltag. Mal anhand von Tragödien – wie in Effi Briest, ein schauerliches Ende! – mal mit Ironie. Mit Theodor Fontane lässt sich einmal mehr überblicken, in welchen (vermeintlichen) Zwängen wir hängen. Und zitieren lässt er sich in eigentlich jeder Lebenslage. Denn es ist, nunja, "ein weites Feld".

5. Fontane ist Heimatdichter im besten Sinne.

Seine Romane wie "Der Stechlin", "Vor dem Sturm" oder seine groß angelegten "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" sind heute noch herrliche Reiseführer durch die Natur. Heimat ist für Fontane nicht nur durch ein Herrschaftsgebiet definiert, sondern vor allem durch die Landschaft. Seine Wanderung kennt keine politischen Grenzen, nur Seen, Hügel, Wald und Horizont. Als Spaziergänger war Fontane chaotisch, nicht die Route, sondern Lust und Laune waren seine Methode. Sehr sympathisch.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur Kompakt | 20. September 2018 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. September 2018, 04:00 Uhr

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