20 Jahre Gartenträume Historische Gärten in Sachsen-Anhalt feiern Jubiläum

Die historischen Gärten und Parks der Gartenträume in Sachsen-Anhalt sind regelrechte Kunstwerke: Von imposanten Barockgärten wie in Hundisburg bis zu Landschaftsparks wie in Wörlitz. In diesem Jahr feiert das Gartenträume-Netzwerk 20-jähriges Jubiläum. Die 50 Parks haben eins gemeinsam: Sie bieten ein wunderschönes Naturerlebnis und gleichzeitig einen Blick in die Geschichte.

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Der Wörlitzer Park gehört zur UNESCO-Welterbestätte Dessau-Wörlitzer Gartenreich Bildrechte: Janos Stekovics - VERLAG JANOS STEKOVICS

Heute sind Gärten eine der großen touristischen Markensäulen des Landes Sachsen-Anhalt. Die Idee kam durch die Bundesgartenschau in Magdeburg 1999.

Eine Person liegt auf der Wiese in einem Garten.
Entspannung im Magdeburger Klosterbergegarten. Bildrechte: Janos Stekovics - VERLAG JANOS STEKOVICS

Was braucht man eine Blümchenschau in der geschundenen ehemaligen Schwermaschinenbaustadt, dachte man damals. Man prognostizierte den Flop des Jahrzehnts. Doch als 2,5 Millionen Besucher in die Landeshauptstadt kamen und begeistert über die Grenzen hinweg berichteten, erkannte man das touristische Potential von gestalteter Natur.

Mit Blick auf die Fülle historischer Gartendenkmale im Land gründete man im Jahr 2000 ein Netzwerk aus 40 historischen Gärten und Parks, die in den kommenden Jahren zu einer touristischen Gartenroute entwickelt werden sollten. Mittlerweile sind es sogar 50 Parks.

Ein Netzwerk aus Gartendenkmälern schafft Identität

Zuerst mussten die Gartenschätze überhaupt erkannt werden. Während es bei der Zusammenarbeit den Denkmalpflegern in erster Linie um Erhalt und historisch genaue Sanierung der Parkanlagen ging, setzten die Touristiker vor allem auf angemessene Infrastruktur; mit Gästeinformation, Parkplätzen und Gastronomie. Doch gerade die Kooperation hat sich ausgezahlt.

Ein Paradebeispiel dieser Erfolgsgeschichte ist für Matthias Ullrich, ehemaliger Pressesprecher der BUGA, das Schloss Hundisburg. Er erinnert sich an die Anlage in den 80er-Jahren: Eine Ruine, ausgebrannt und mit kaputtem Dach, davor ein Dorffußballplatz. Wenn man heute dort hinkommt, strahlt das gelbe Schloss, davor erstreckt sich mit Buchsbäumen, Springbrunnen und eleganter Wegeführung der barocke Garten. Für die Einwohner ein Gewinn für ihre Heimat und für Besucher ein beliebtes Reiseziel.

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Der prachtvolle Garten von Schloss Hundisburg Bildrechte: Janos Stekovics - VERLAG JANOS STEKOVICS

Den ländlichen Raum touristisch zu erschließen, Kulturdenkmale wieder zu beleben und letztlich auch die Sachsen-Anhalter für ihre Landschaft zu interessieren, das ist Ziel der Gartenträume.

Das Gartenkulturelle Erbe bewahren

60 Millionen Euro flossen von Wirtschaftsministerium, Bund und EU in das Projekt Gartenträume. Vor allem auch deshalb, weil es hier um Denkmalpflege geht, sagt Felicitas Remmert, Geschäftsführerin des Vereins Gartenträume. Zu Beginn hätte es auch skeptische Stimmen gegeben, meint Remmert, wenn Bürger beispielsweise sahen, dass in ihren Parks ein Baum gefällt wurde. Aber durch Informationsarbeit hätten die Menschen verstanden, dass die Parks als historische Anlagen und Gartenkunstwerke dem Denkmalschutz unterliegen.

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Der Wörlitzer Park im magischen Licht. Bildrechte: Janos Stekovics - VERLAG JANOS STEKOVICS

Dabei sind die Parks gestaltet wie Landschaftsbilder. In den vergangenen Jahren wurden sie nach originalem Vorbild wiederhergestellt. Oft geschah das bei den jährlichen Parkseminaren: Dort helfen Freiwillige bei der Landschaftspflege; stutzen Bäume, schneiden Hecken und sorgen so für die historischen Sichtachsen. Das schaffe Gemeinsinn, den es für den Erhalt der Parkanlagen brauche, erklärt Remmert.

Ohne die Ehrenamtlichen und Fördervereine, die sich um die einzelnen Parks gegründet haben, könne man sie nicht pflegen und betreiben. Sie organisieren Führungen, pflegen den Park und bieten Gastronomie an, berichtet Remmert. Und man merke, wie sich die Menschen mit ihrem Park identifizieren - auch das sorgt letztlich für mehr Gäste.

Geschichte über die Natur erleben

Mit 1,7 Millionen Gästen in den 50 Parks der Gartenträume hat sich der Gartentourismus neben dem Kulturtourismus in Sachsen-Anhalt etabliert: Sie bieten ein Naturerlebnis mit einem Blick in die Geschichte. Dabei sind die Parks individuell gestaltete Kunstwerke mit unterschiedlichem Charakter: Da gibt es mittelalterliche Klostergärten, wie Drübeck oder Michaelstein oder große und repräsentative Barockgärten - mit dem Blick in die Börde in Hundisburg oder eher verspielt mit Terrassen und Wasserachse in Blankenburg im Vorharz.

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Der Schlosspark Blankenburg Bildrechte: Janos Stekovics - VERLAG JANOS STEKOVICS

Es gibt aber auch Botanische Gärten, wie in Halle oder auf dem Brocken oder den größten und ältesten barocken Irrgarten Deutschlands in Altjeßnitz. Außerdem sind da noch die zahlreichen Landschaftsparks: Im 18. Jahrhundert gestaltete man Gärten wie begehbare Landschaftsbilder. Das berühmteste Beispiel ist der Wörlitzer Park. Vor 20 Jahren wurde er mit den zugehörigen Anlagen in Dessau, Mosigkau und Oranienbaum zum Weltkulturerbe gekürt.

Ein Weg in einem Garten.
Der Botanische Garten in Halle Bildrechte: Janos Stekovics - VERLAG JANOS STEKOVICS

Ausstellung "Leidenschaft für Schönheit" Liebe Nutzer,

anlässlich des Jubiläums gab es auch eine Sonderausstellung mit dem Titel "Leidenschaft für Schönheit" im Schloss Wernigerode, die vom 12. Dezember 2019 bis 3. Mai 2020 geplant war. Aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus ist das Schloss jedoch derzeit und bis mindestens 29.03.2020 geschlossen. (Stand 20.03.2020, Anm. d. Red.)

Bildband "Leidenschaft für Schönheit" Als Katalog zur Ausstellung ist außerdem ein Bildband erschienen. Das großformatige Fotobuch zeigt die Parks in ihrer ganzen Pracht: Vom Schlosspark zum Irrgarten, von städtischen Wallanlagen bis zu englischen Landschaftsparks. Auf den Fotos wirbeln Wassertropfen um die Rosen in Sangerhausen, feuerrot leuchtet das Herbstlaub im Schlosspark Wernigerode und geradezu mystisch wirkt der nächtlich beleuchtete Stadtpark in Aschersleben. Faszinierende Luftaufnahmen zeigen die Barockgärten in Hundisburg oder Blankenburg mit ihren ausgeklügelten Strukturen in einer Gänze, die man sonst nicht erkennen könnte. Wer sich die Gärten also erst einmal zu Hause anschauen mag, liegt mit dem Bildband genau richtig.

Christian Juranek (Hrsg.): "Leidenschaft für Schönheit. Gartenträume in Sachsen-Anhalt"
Verlag Janos Stekovics
272 Seiten, gebunden
Preis: 35 EUR
ISBN 978-3-89923-424-4

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 25. März 2020 | 18:05 Uhr

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