Ernö Rubik im Anzug mit einem Rubik-Würfel in der Hand im Jahr 1989.
Ernő Rubik mit seiner nach ihm benannten Erfindung im Jahr 1989. Bildrechte: dpa

Geburtstag Ernő Rubik: Zauberwürfel-Erfinder wird 75 Jahre alt

Mit dem nach ihm benannten Würfel hat Ernő Rubik ausgesorgt. Vom Hörsaal des Architektur-Professors aus schafft es der Rubik-Würfel in die Spielzeugläden und Wettkampfarenen der Welt. Bücher werden dem bunten Drehpuzzle gewidmet, dessen Prinzip darauf basiert, die farbigen Steinchen in ihre Grundstellung zurückzubewegen. MDR KULTUR-Autor Sven Hecker gratuliert dem Designer, Architekten und Würfelschöpfer.

Ernö Rubik im Anzug mit einem Rubik-Würfel in der Hand im Jahr 1989.
Ernő Rubik mit seiner nach ihm benannten Erfindung im Jahr 1989. Bildrechte: dpa

Was ihn am glücklichsten an seiner größten Erfindung mache? Dass er sich keine Sorgen mehr machen müsse, wie es um die finanzielle Sicherheit seiner vier Kinder in Zukunft bestellt sei. So antwortete durchaus ehrlich vor ein paar Jahren Ernő Rubik auf diese Frage. Der Erfinder des gleichnamigen Würfels ist am 13. Juli 1944 in Budapestgeboren.

Liebling wie lange soll da den noch so weiter gehen... Hätte ich das Mistding nur nie mit nach Hause gebracht. Du beschäftigst dich ja wirklich nur noch damit.

einer von vielen Rubik-Spielern
Erno Rubik
Ernő Rubik bei einer öffentlichen Veranstaltung im Jahr 2012. Bildrechte: dpa

Der Musiker Paul Simon schlug einst 50 Wege vor, seinen Lover zu verlassen, 50 Wege zum Glück allein. Eine neue Möglichkeit fand sich in den 1980er-Jahren: die Anschaffung eines Würfels mit Suchtpotenzial. Manche lösen ihn mit wenigen Drehungen, andere legen ihn frustriert aus der Hand. Das "Mist-Ding" ist ein Würfel, sein Erfinder ist der Budapester Architektur und Design-Professor Ernő Rubik. Der Sohn eines Flugingenieurs und einer Dichterin wird Bauingenieur, studiert dann Bildhauerei und Innenarchitektur, arbeitet später als Professor an der Universität für Kunsthandwerk und Gestaltung in Budapest. Ihn faszinieren die unendlichen Möglichkeiten des Raumes.

Der Raum, der sich durch die Architektur verändert. Objekte, wie sie sich in Raum und Zeit bewegen, wie sie sich gegenseitig beeinflussen. Mich fasziniert das Verhältnis zwischen Menschen und Raum, zwischen Objekt und Zeit.

Ernő Rubik

Aus dem Hörsaal in die Welt

Rubik will den Gedanken seiner Studenten Beine machen – oder besser Flügel. Um ihr räumliches Denken anzuregen, entwickelt der Professor Mitte der 1970er-Jahre einen Würfel. Die Steine tragen sechs verschiedene Farben. Ziel der ganzen Dreherei ist, auf jeder der sechs Seiten des Würfels jeweils nur eine Farbe zu haben. Rubiks Studenten macht das Um-die-Ecke-Denken und -Drehen einen Riesenspaß. Der Professor lässt seinen Würfel patentieren und von einer ungarischen Firma produzieren – mit Erfolg hoch drei im Heimatland. (Doch im Westen bleibt man zunächst zurückhaltend. Der Spielwaren-Produzent Hans Stahler erklärt, warum:

Gefallen hat sicherlich das Produkt vielen Händlern, aber keiner wusste, wie man ein Objekt dieser Größe für 25 Mark in den Markt bringt und gleichzeitig nachher den Konsumenten erklärt, was man damit machen kann und welchen Spielfreude man damit haben kann.

Hans Stahler, Spielwaren-Produzent

Das Jahrzehnt des Würfels

Stahler hat zwar keine Ahnung vom Würfeln, aber ein Näschen fürs Geschäft. Im Juni 1980 bringt er den Zauberwürfel nach Deutschland. Auch international beginnt nun der dreidimensionale Siegeszug von "Rubik’s Cube". Die Welt ist im Würfel-Wahn.

Die 1980er sind zweifellos das Jahrzehnt des Würfels. 100 Millionen mal verkauft sich das nahezu grenzenlose 3D-Vergnügen. In West und Ost, auch in der DDR, erscheinen Bücher, die die unzähligen Varianten von "Außenscheiben- und Sandwichzügen" erörtern. Der Spiegel veröffentlicht den Lösungsplan und die Tagesschau berichtet von der ersten Weltmeisterschaft im Würfeldrehen 1981.

Wer länger als eine Minute braucht, um die sechs Farben wieder zu ordnen braucht gar nicht anzutreten. Richtzeit für die Anwärter auf den Sieg: 22 Sekunden. Da braucht man viele Tricks und ich habe etwa 6.600 Tricks und dann kann man so schnell machen.

Rubik-Wettkämpfer

Inzwischen steht der Weltrekord bei etwas mehr als drei Sekunden. Nicht einberechnet ist die Orientierungszeit, um die Verdrehtheit des Würfels zu erkennen.

Würfel-Erfinder Rubik, nun 75 Jahre alt, hat später in seinem florierenden Designstudio einige andere Spielzeuge ersonnen, aber auch Möbel konstruiert. Er lebt in einem selbst entworfenen Haus. Doch so etwas wie dieser Würfel, sagt Rubik, das passiert einem nur einmal im Leben. Aber immerhin, damit eröffnen sich unzählige Wege zum Glück.

Ein Albert-Einstein-Mosaik aus Rubik-Würfeln.
Ein Albert-Einstein-Mosaik aus Rubik-Würfeln. Bildrechte: dpa

Mehr Design

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. Juli 2019 | 06:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juli 2019, 04:00 Uhr

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