Italienischer Filmemacher Vor 100 Jahren geboren: Meister-Regisseur Federico Fellini

Federico Fellini war nicht nur einer der führenden italienischen Regisseure, sondern eine Institution der Filmgeschichte. Auf sein Konto gehen Filme wie "La Strada", "La Dolce Vita" oder "Achteinhalb". Er schuf seine Werke in der Filmstadt Cinecittá. 1993 starb er im Alter von 73 Jahren in Rom.

von Thomas Hartmann

Der italienische Regisseur Federico Fellini, aufgenommen 1972 in Rom.
Der italienische Regisseur Federico Fellini, aufgenommen 1972 in Rom. Bildrechte: dpa

"Ich habe Tomatensamen gefunden, richtige Tomaten. Dann hab ich ihn in die Erde gesteckt", freut sich Gelsomina. "Los, steig ein", blafft Zampanó zurück. "Willst Du vielleicht hier warten, bis die Tomaten reif sind?" – Die unbedarft-gutmütige Gelsomina und der rüde, raue Zampanò sind die Hauptfiguren aus Federico Fellinis Film "La Strada – Das Lied der Straße" von 1954. Der Regisseur schuf einen bitteren Ausflug in das Schaustellermilieu, der um die ewig gleiche Vorstellung kreist: Der grobe Hüne legt sich eine Kette um die Brust und sprengt sie.

Szene aus "La Strada" mit Giulietta Masina und Anthony Quinn.
Szene aus "La Strada" mit Giulietta Masina und Anthony Quinn. Bildrechte: dpa

"La Strada" gehört zu den berühmtesten Geschichten, die Federico Fellini erzählt hat. Andere handeln von "Casanova", der "Stadt der Frauen", von einem "Schiff der Träume" oder der "Stimme des Mondes". Fellini liebte das Erzählen von Geschichten. Seien sie nun autobiografisch, erträumt, erfunden bzw. erlogen. Die Lüge, so Fellini, sei immer interessanter als die Wahrheit. Sie sei die Seele des Schauspiels.

Was kann man von ihm lernen? Man schaut zu, wie er lebt und erkennt, dass er ein Mensch ist, der in vollkommener Freiheit lebt. Er akzeptiert keine Regeln und wehrt sich gegen alles, was sich seiner Freiheit entgegenstellen könnte. Jeder Künstler muss seinen eigenen Weg gehen und genau das lernt man von Federico.

Lina Wertmüller, Regisseurin

Vom Comic zum Film

Bevor der in Rimini geborene Fellini dem Berufsstand der Filmemacher angehört, findet er andere Möglichkeiten des Erzählens. Macht Comics, Karikaturen, arbeitet als Journalist und als Drehbuchautor. 1950, bei "Lichter des Varieté", wird er zum ersten Mal Regisseur, genauer Co-Regisseur, genannt.

Filme machen ist für mich wie eine Beziehung. Zu einem Freund oder eine Frau. Etwas, das ein eigenes Leben hat und sich dauernd entwickelt.

Federico Fellini

Fellinis Filmsprache

Das Filmemachen entwickelt sich – und in Fellini reift ein gewisser Argwohn gegen das konkret entzifferbare Bild. Das sei Politik, keine Kunst. Er müsse die verschiedenen Zuschauer unterschiedlich erreichen. Wolle er sie persönlich berühren, müssten seine Bilder mehrdeutig sein. Um die Bilder im Kopf in Bilder auf der Leinwand zu verwandeln, bevorzugt er später die Arbeit im Studio, in der legendären Filmstadt Cinecittá. In einem ausländischen Studio zu drehen – für Fellini nicht durchführbar.

Für mich ist das Problem nicht das andere Studio, sondern das andere Land. Ich glaube, dass ein Regisseur unüberwindbare Schwierigkeiten hat, sich in einer Sprache auszudrücken, die nicht die seine ist. Sprache ist ein Mittel, die Realität zu empfangen, aufzunehmen, wahrzunehmen, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Und da ich diese Sprache außerhalb Italiens nicht beherrsche, wüsste ich nicht, was ich erzählen könnte.

Federico Fellini

Auch der anerkannte Künstler Fellini, der Filmpoet und Geschichtenerzähler, fühlt sich in den 80er-Jahren von einer "Krise des Kinos" betroffen. Schuld daran sei das Fernsehen mit seiner neurotischen Bildersprache, die zu Hast, Ungeduld und Oberflächlichkeit geführt habe. Die Zuschauer hätten verlernt, sich eine Geschichte anzusehen. Stattdessen hätten sie eine Fernbedienung. Fellini starb 1993 im Alter von 73 Jahren in Rom.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. März 2019 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Januar 2020, 14:09 Uhr

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