Gertrud Kleinhempel
Die Künstlerin Gertrud Kleinhempel gehört zu den 19 Designerinnen, an die in der Ausstellung "Gegen die Unsichtbarkeit" erinnert wird. Bildrechte: Historisches Museum Bielefeld

"Gegen die Unsichtbarkeit" Ausstellung erinnert an Designerinnen aus Hellerau

"Gegen die Unsichtbarkeit" heißt die neue Ausstellung des Kunstgewerbemuseums Dresden, die vom 3. November 2018 bis zum 3. März 2019 zu sehen ist. Gewidmet ist sie Designerinnen, die von 1898 bis 1938 in den Werkstätten von Hellerau wirkten – und von denen heute kaum einer mehr spricht. Vorgestellt werden 19 Künstlerinnen, zu deren Produktpalette Textilien aller Art, Spielzeug, Tapeten, Glas, Porzellan und Möbel gehörten. Viele der Werke werden zum ersten Mal in der Öffentlichkeit gezeigt.

von Birgit Fritz, MDR KULTUR

Gertrud Kleinhempel
Die Künstlerin Gertrud Kleinhempel gehört zu den 19 Designerinnen, an die in der Ausstellung "Gegen die Unsichtbarkeit" erinnert wird. Bildrechte: Historisches Museum Bielefeld

Mit der Gründung der Deutschen Werkstätten im Jahr 1898 rückte Dresden für einige Jahrzehnte ins Zentrum der internationalen Kunstgewerbe- und Lebensreformbewegung. Der Unternehmer Karl Schmidt beauftragte zahlreiche Gestalter und Gestalterinnen mit Entwürfen für seine anwachsende Produktion. Er arbeitete mit bekannten Künstlern wie Richard Riemerschmid und Bruno Paul, aber auch mit vielen, die heute weitgehend unbekannt sind.

Besonders die Künstlerinnen gerieten trotz reger Entwurfs- und Lehrtätigkeit, zahlreicher Ausstellungen und erfolgreichen Wettbewerbsteilnahmen im Laufe der Zeit in Vergessenheit. Allenfalls Gertrud Kleinhempel und Margarete Junge war als Möbelgestalterinnen ein gewisser Nachruhm beschieden.

Ein Unternehmer ohne zeitgenössische Vorurteile

Tapetenmuster, Emmy Seyfried, um 1910
Tapetenmuster, Emmy Seyfried, um 1910 Bildrechte: SKD, Foto: Robert Vanis

Anders als viele seiner männlichen Kollegen teilte Karl Schmidt nicht die zeitgenössischen Vorurteile, dass es Frauen an Intuition, der Fähigkeit zu komplexem räumlichem Denken, Intellekt und Ratio fehle. Die Offenheit und Akzeptanz des Unternehmers war ungewöhnlich.

Über 50 Frauen waren als Grafikerinnen, Möbeldesignerinnen, Innenarchitektinnen, Musterzeichnerinnen oder Textilgestalterinnen zwischen 1898 und 1938 mehr oder weniger intensiv mit den Deutschen Werkstätten in Verbindung.

Bilder zur Ausstellung "Gegen die Unsichtbarkeit"

Deckelvase, Else Wenz-Viëtor, 1911
Deckelvase, Else Wenz-Viëtor, 1911 Bildrechte: SKD/Robert Vanis
Deckelvase, Else Wenz-Viëtor, 1911
Deckelvase, Else Wenz-Viëtor, 1911 Bildrechte: SKD/Robert Vanis
Tapetenmusterbuch der Deutschen Werkstätten Hellerau, um 1910
Tapetenmusterbuch der Deutschen Werkstätten Hellerau, um 1910 Bildrechte: SKD/Robert Vanis
Bertha Senestréy
Bertha Senestréy Bildrechte: unbekannt
Schreibtisch, Margarete Junge, 1905/1906
Schreibtisch, Margarete Junge, 1905/1906 Bildrechte: SKD/Robert Vanis
Polsterstuhl, Marie von Geldern-Egmond, um 1905
Polsterstuhl, Marie von Geldern-Egmond, um 1905 Bildrechte: SKD/Robert Vanis
Wäscheschrank, Gertrud Kleinhempel, um 1905
Wäscheschrank, Gertrud Kleinhempel, um 1905 Bildrechte: SKD, Foto: Robert Vanis
Tapetenmuster, Emmy Seyfried, um 1910
Tapetenmuster, Emmy Seyfried, um 1910 Bildrechte: SKD, Foto: Robert Vanis
Toilettentisch, Gertrud Kleinhempel, Entwurf: um 1910
Toilettentisch, Gertrud Kleinhempel, Entwurf: um 1910 Bildrechte: SKD, Foto: Robert Vanis
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Vorgestellt: 19 Frauen aus drei Generationen

Die Ausstellung, die auf aufwändiger Forschungsarbeit in Sammlungen und Privatarchiven beruht, und von Klára Nemecková kuratiert wurde, stellt 19 dieser Frauen aus drei Generationen mit ihren Biografien und vor allem ihren Werken vor. Neben Entwurfszeichnungen, die einen Einblick in den Entstehungsprozess der Objekte geben, werden über 270 Arbeiten präsentiert, von denen viele das erste Mal wieder der Öffentlichkeit zugänglich sind.

Toilettentisch, Gertrud Kleinhempel, Entwurf: um 1910
Toilettentisch, Gertrud Kleinhempel, Entwurf: um 1910 Bildrechte: SKD, Foto: Robert Vanis

Werke dieser Frauen sind in der Ausstellung zu sehen: Elisabeth Bertsch-Kampferseck
Margarete von Brauchitsch
Elisabeth Eimer-Raab
Lotte Frömel-Forchner
Marie von Geldem-Egmond
Margarete Junge
Gertrud Kleinhempel
Charlotte Krause
Margaret Leischner
Dora Lennartz
Clara Möller-Coburg
Ulla Schnitt-Paul
Bertha Senestrey
Emmi Seyfried
Lilli Vetter
Else Wenz-Vietor
Ruth Hildegard Geyer-Raak
Käthe Lore Zschweigert
und die Produktfotografin Hedda Reidt

Produkte von zeitloser Modernität

Wäscheschrank, Gertrud Kleinhempel, um 1905
Wäscheschrank, Gertrud Kleinhempel, um 1905 Bildrechte: SKD, Foto: Robert Vanis

Die Frauen nutzten die Aufbruchsstimmung der Reformbewegung um 1900, um eine professionelle Laufbahn im kreativen Bereich anzutreten und sich ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen – unter ungleich schlechteren Ausbildungsbedingungen als ihre männlichen Kollegen. Der Einstieg erfolgte oft über die Gestaltung von Textilien. Sie entwarfen Reformkleider ohne Korsett, in denen sich Frauen freier bewegen konnten.

Aber die Produktpalette wurde schnell äußerst vielgestaltig: Textilien aller Art, Spielzeug, Tapeten, Glas und Porzellan sowie Möbel kamen hinzu. Sie gestalteten Schaufenster und Ausstellungen, waren in der Werbung und der Lehre tätig. Ihre Produkte wandten sich an eine reformorientierte bürgerliche Mittelschicht und mussten nicht nur ästhetischen Ansprüchen genügen, sondern auch praktikabel in der seriellen Herstellung und erschwinglich im Preis sein. Vieles davon ist von zeitloser Modernität.

Informationen zur Ausstellung "Gegen die Unsichtbarkeit"
Designerinnen der Deutschen Werkstätten Hellerau 1898 bis 1938
Kunstgewerbemuseum | vom 3. November 2018 bis 3. März 2019
Ausstellungsort: Japanisches Palais, Palaisplatz 11, Dresden
Öffnungszeiten: täglich 10 bis 18 Uhr, montags geschlossen

Designer-Nachwuchs

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 03. November 2018 | 08:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. November 2018, 04:00 Uhr

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