Doku-Podcast: "Die geheimen Depots von Buchenwald" Gibt es geheime Stollen in Buchenwald?

Nach der Befreiung 1945 wurden im Konzentrationslager Buchenwald zwei geheime Bunker der SS voller Raubgut entdeckt. Nach jahrelangen Recherchen verdichten sich nun die Hinweise auf weitere Stollen. Gibt es sie wirklich – und was könnte dort verborgen sein? Ab Oktober wird auf dem Gelände des KZ Buchenwald wissenschaftlich gegraben. Eine siebenteilige Podcast-Serie von Peter-Hugo Scholz erzählt warum.

Im April 1945 erreichen Panzerverbände der US-Army Thüringen. Bei der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald und seiner vielen Außenlager werden die Soldaten mit der Grausamkeit der SS und mit dem Leiden der Häftlinge konfrontiert.

Wenige Tage nach der Befreiung berichten ehemalige Häftlinge den amerikanischen Offizieren von Merkwürdigkeiten im Steinbruchgelände neben dem Lager. Dort habe es zuletzt Sprengungen gegeben, geheime Arbeitskommandos, wohl auch eine Pioniereinheit der SS. 

Peter-Hugo Scholz
Peter-Hugo Scholz Bildrechte: Olaf Kreiß

Herausgekommen ist dann im Laufe der Zeit, dass die SS 1945 im April, vielleicht schon im März unterirdische Depots angelegt hat und zwar an der Südseite. Da ist es nachgewiesen worden und man hat dort Häftlingsgüter, also Raubgüter vorwiegend aus Auschwitz unter die Erde gebracht, zugesprengt und für eine gewisse Ewigkeit wahrscheinlich verstecken wollen.

Peter-Hugo Scholz, Autor der Doku-Serie "Die geheimen Depots von Buchenwald"

Ein Offizier vom US-Militärgeheimdienst geht den Hinweisen nach und findet zwei Stellen, an denen gesprengt worden sein könnte. Er lässt graben – und findet tonnenweise Wertsachen: Ringe und Schmuck von Deportierten, Silberleuchter aus Synagogen, Zahngold der in den Vernichtungslagern im Osten ermordeten Menschen.

Es braucht neun kleine Lastkraftwagen, um das gefundene SS-Raubgut sicher zu transportieren.

Es ist ja noch nie aufgearbeitet worden, dass die amerikanische Armee tatsächlich zwei Stollen ausgeräumt hat und Wertsachen mitgenommen hat in ihr Zentraldepot Frankfurt am Main. Es gibt ein Schriftstück das aussagt, dass das der UNO übergeben worden ist – dieser Spur muss man noch zum Ende folgen.

Peter-Hugo Scholz


Fast 50 Jahre nach Kriegsende wurde eine historische Skizze öffentlich, auf der insgesamt acht Bunker im Steinbruch des Konzentrationslagers Buchenwald verzeichnet sind, seitdem ranken sich Legenden und Spekulationen um die geheimen Stollen – einige Schatzgräber vermuteten sogar das Bernsteinzimmer in den Bunkern, von denen bis heute nicht klar ist, ob es sie überhaupt gibt.

Luftaufnahme vom Konzentrationslager Buchenwald nahe Weimar vom 19.07.1945.
Luftaufnahme des Konzentrationslagers Buchenwald vom 19. Juli 1945. Der Steinbruch ist links im Bild. Bildrechte: GDI-Th, Freistaat Thueringen, TLVermGeo

In den 90er-Jahren begannen erste geologische Erkundungen. Doch die Schatzgräber entpuppten sich als unseriös, die Arbeiten wurden abgebrochen und das Thema geriet über die letzten Jahrzehnte in Vergessenheit.  Autor Peter-Hugo Scholz, der die Geschichte seit Anfang der 90er-Jahre verfolgt, nimmt zusammen mit Geowissenschaftlern, Historikern und Hobbyforschern die Spur wieder auf und findet neue Dokumente und bisher unbekannte Fotos. 

Die geheimen Depots von Buchenwald Doku-Serie in sieben Folgen von Peter-Hugo Scholz

Regie: Nikolai von Koslowski
Produktion: MDR 2018

Darsteller:
Lisa Hrdina – Erzählerin
Walter Renneisen – Übersetzer
Udo Schenk – Zitator

Die sieben Folgen von "Die geheimen Depots von Buchenwald" hören Sie ab Montag hier, sowie täglich um 09:05 Uhr und in der Wiederholung 19:05 Uhr bei MDR KULTUR -Das Radio und als Podcast in der ARD Audiothek, bei iTunes und Spotify.

Der Autor Peter-Hugo Scholz

Peter-Hugo Scholz
Peter-Hugo Scholz Bildrechte: Olaf Kreiß

Geboren 1954, absolvierte Peter-Hugo Scholz 1975 sein Abitur in der Lutherstadt Wittenberg. 1976-80 erfolgte ein Journalistik-Studium an der Uni Leipzig, 1980-84 wiss. Assistent im Forschungsbereich Journalismus der Entwicklungsländer. 1985 promovierte Scholz zur Fremdbestimmung der Massenmedien in Afrika und Asien.

1985-86 war er Afrika-Redakteur der "Jungen Welt", ab 1986 freier Journalist und Dozent. Von 1991-94 war Scholz Pressesprecher des Internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm sowie für das internationale Tanz & Folkfest Rudolstadt. Seit 1995 ist er freier Hörfunk-Mitarbeiter bei MDR INFO und MDR KULTUR. Seit 1997 erfolgten auch fernsehjournalistische Arbeit für den MDR, den BR, das ZDF und arte sowie Tätigkeit als freier Filmautor. Zuletzt produzierte MDR KULTUR seine Radio-Features "Schnee von gestern" (2007), "Dresden, 14. Februar 1945: Tiefflieger am Elbufer" (2013), "Die Vergessenen von Quiriquina" (2013) und "Der Schneider der Präsidenten" (2018).

Peter-Hugo Scholz starb am 23. September 2019 im Alter von 65 Jahren.

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Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. September 2019 | 09:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. September 2019, 04:00 Uhr

Doku-Podcast: "Die geheimen Depots von Buchenwald"

Luftaufnahme vom Konzentrationslager Buchenwald nahe Weimar vom 08.05.1953. Acht Jahre nach Kriegsende sind einige Gebäude verfallen oder zurückgebaut. 29 min
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Autor Peter-Hugo Scholz recherchierte jahrelang zu geheimen Depots in Buchenwald Bildrechte: Olaf Kreiß