Ausgetrockneter Boden
Die "Heißzeit" sorgt für trockenen Boden. Bildrechte: imago/Stöpper

Sprachauszeichnung "Heißzeit" ist Wort des Jahres 2018

Ausgetrockneter Boden
Die "Heißzeit" sorgt für trockenen Boden. Bildrechte: imago/Stöpper

Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat am Freitag das Wort des Jahres 2018 gekürt. Es ist "Heißzeit". Der Begriff umschreibt den langen Sommer, der gefühlt von April bis November andauerte, und weist somit auf den Klimawandel hin. 2018 war jedoch nicht der erste Extremsommer. Bereits 2003 hatte es das Wort "Jahrhundertglut" unter die Wörter des Jahres geschafft. In seiner lautlichen Ähnlichkeit erinnert die Wortbildung "Heißzeit" zudem an "Eiszeit" und bildet das Gegenteil zu dieser Klimaperiode.

Zusammengesetzte Wörter neigen im Gegensatz zu Wortgruppen dazu, eine eigene Bedeutung auszubilden, die nicht einfach als Kombination der Bedeutungen ihrer Bestandteile erklärt werden kann.

Gesellschaft für deutsche Sprache zu "Heißzeit"

Auf Platz zwei landete "Funklochrepublik". Dieses Phänomen beschreibt die schlechte Mobilfunkabdeckung vor allem im ländlichen Raum, die auch in der Politik heftig diskutiert wird. Auf Platz drei wählte die GfdS "Ankerzentren". Das Wort Anker steht hier nicht für Sicherheit oder Fixierung, sondern bildet sich aus den Anfangsbuchstaben oder - silben der Wörter: "Ankunft, Entscheidung, Rückführung". In den umstrittenen Ankerzentren - eingeführt von der großen Koalition - sollen Flüchtlinge untergebracht werden, bis sie in Kommunen verteilt oder aber in ihr Herkunftsland abgeschoben werden.

Wörter, die die Gesellschaft prägen

Aus tausenden Vorschlägen wählte eine Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache zehn Begriffe aus, die ihrer Meinung nach die aktuelle öffentliche Diskussion in Deutschland dominiert und geprägt haben. Im vergangenen Jahr siegte nach den gescheiterten Koalitionsverhandlungen der Begriff "Jamaika-Aus". Auf den Plätzen zwei und drei landeten "Ehe für alle" und das Internet-Schlagwort „#metoo“. 2016 schaffte es das Wort "postfaktisch" auf den ersten Platz, dicht gefolgt von "Brexit" und "Silvesternacht".

Seit 1977 wählt die GfdS regelmäßig Wörter und Wendungen, die das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben eines Jahres sprachlich in besonderer Weise bestimmt haben. Die dafür zuständige Jury setzt sich aus dem Hauptvorstand der Gesellschaft sowie den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammen. Die Jury berücksichtigt eine Sammlung von mehreren tausend Belegen aus verschiedenen Medien und Einsendungen von Außenstehenden. Die Liste trifft den sprachlichen Nerv des sich dem Ende neigenden Jahres und stellt auf ihre Weise einen Beitrag zur Zeitgeschichte dar. Die ausgewählten Wörter und Wendungen sind jedoch mit keinerlei Wertung oder Empfehlung verbunden.

Die Wörter der letzten zehn Jahre
Jahr Wort Bedeutung/Zusammenhang
2018 Heißzeit Begriff für den langen, heißen Sommer 2018 und den Klimawandel.
2017 Jamaika-Aus Bezeichnet das Scheitern der Sondierungsgespräche für eine Koalition von FDP und Bündnis 90/Die Grünen mit CDU/CSU auf Bundesebene nach der Bundestagswahl 2017.
2016 postfaktisch Kunstwort, das darauf verweist, dass es zunehmend um Emotionen anstelle von Fakten geht.
2015 Flüchtlinge Im Kontext der Migration von Menschen, die 2015 vor den Kriegen nach Europa flüchten. Diskutiert wurde die Nachsilbe "-linge" als Suffix mit negativer Bedeutung.
2014 Lichtgrenze Bezieht sich auf die Lichtinstallation anlässlich der Feierlichkeiten "25 Jahre Mauerfall" in Berlin.
2013 GroKo Die Abkürzung "GroKo" steht für die große Koalition aus CDU/CSU und SPD.
2012 Rettungsroutine Bemühungen (der EU-Staaten), einen Ausweg aus der europäischen Finanzkrise zu finden.
2011 Stresstest Durchführung zahlreicher derartiger Tests in verschiedenen Bereichen (v. a. Banken, Atomkraftwerke, Stuttgart 21).
2010 Wutbürger Aufkommen einer Protestkultur: Sehr heftig öffentlich über bestimmte politische Entscheidungen protestierender und demonstrierender Bürger.
2009 Abwrackprämie Prämie, die einem Autobesitzer für die Verschrottung seines alten Autos beim Kauf eines Neuwagens vom Staat gewährt wird.
2008 Finanzkrise Globale Banken- und Finanzkrise als Teil der Weltwirtschaftskrise ab 2007.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur kompakt - Die MDR Kulturnachrichten | 14. Dezember 2018 | 10:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Dezember 2018, 18:14 Uhr