Ein Rentner zählt sein Kleingeld.
Die "Respektrente" soll Altersarmut verhindern. Bildrechte: imago/Future Image

Sprachauszeichnung "Respektrente" ist Wort des Jahres 2019

Ein Rentner zählt sein Kleingeld.
Die "Respektrente" soll Altersarmut verhindern. Bildrechte: imago/Future Image

Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat "Respektrente" zum Wort des Jahres 2019 gekürt. Das teilte sie am Freitag in Wiesbaden mit. Das Wort wurde von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil geprägt und bezeichne die Einführung einer Grundrente für Personen, die 35 Jahre erwerbstätig waren und dennoch eine Rente unterhalb des Existenzminimums beziehen. Bei der Grundrente gehe es nicht ausschließlich um einen Beitrag zur Bekämpfung von Altersarmut, so der Bundesarbeitsminister, sondern vor allem um Respekt, die "Anerkennung der Lebensleistung". Aus sprachlicher Sicht handele es sich um die Neubildung eines "Hochwertwortes" in der politischen Debatte, begründete die Jury ihre Entscheidung.

Auf Platz zwei landete das Wort "Rollerchaos", das sich auf Elektro-Roller bezieht, die in Großstädten wild geparkt werden und den Verkehr auf Wegen und Straßen verändern. Platz drei wurde "Fridays for Future".

Wörter, die die Gesellschaft prägen

Aus tausenden Vorschlägen wählte eine Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache zehn Begriffe aus, die ihrer Meinung nach die aktuelle öffentliche Diskussion in Deutschland dominiert und geprägt haben. Nicht die Häufigkeit eines Ausdrucks ist nach ihren Angaben für die Auswahl entscheidend, sondern seine Signifikanz und Popularität. Die ausgewählten Wörter sind demnach mit keiner Wertung oder Empfehlung verbunden. Im vergangenen Jahr siegte nach dem langen trockenen Sommer der Klimawandel-Begriff "Heißzeit". Auf den Plätzen zwei und drei landeten "Funklochrepublik" und "Ankerzentren".

Seit 1977 wählt die GfdS regelmäßig Wörter und Wendungen, die das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben eines Jahres sprachlich in besonderer Weise bestimmt haben. Die dafür zuständige Jury setzt sich aus dem Hauptvorstand der Gesellschaft sowie den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammen. Die Jury berücksichtigt eine Sammlung von mehreren tausend Belegen aus verschiedenen Medien und Einsendungen von Außenstehenden. Die Liste trifft den sprachlichen Nerv des sich dem Ende neigenden Jahres und stellt auf ihre Weise einen Beitrag zur Zeitgeschichte dar.

Die Wörter der letzten zehn Jahre
Jahr Wort Bedeutung/Zusammenhang
2018 Heißzeit Begriff für den langen, heißen Sommer 2018 und den Klimawandel.
2017 Jamaika-Aus Bezeichnet das Scheitern der Sondierungsgespräche für eine Koalition von FDP und Bündnis 90/Die Grünen mit CDU/CSU auf Bundesebene nach der Bundestagswahl 2017.
2016 postfaktisch Kunstwort, das darauf verweist, dass es zunehmend um Emotionen anstelle von Fakten geht.
2015 Flüchtlinge Im Kontext der Migration von Menschen, die 2015 vor den Kriegen nach Europa flüchten. Diskutiert wurde die Nachsilbe "-linge" als Suffix mit negativer Bedeutung.
2014 Lichtgrenze Bezieht sich auf die Lichtinstallation anlässlich der Feierlichkeiten "25 Jahre Mauerfall" in Berlin.
2013 GroKo Die Abkürzung "GroKo" steht für die große Koalition aus CDU/CSU und SPD.
2012 Rettungsroutine Bemühungen (der EU-Staaten), einen Ausweg aus der europäischen Finanzkrise zu finden.
2011 Stresstest Durchführung zahlreicher derartiger Tests in verschiedenen Bereichen (v. a. Banken, Atomkraftwerke, Stuttgart 21).
2010 Wutbürger Aufkommen einer Protestkultur: Sehr heftig öffentlich über bestimmte politische Entscheidungen protestierender und demonstrierender Bürger.
2009 Abwrackprämie Prämie, die einem Autobesitzer für die Verschrottung seines alten Autos beim Kauf eines Neuwagens vom Staat gewährt wird.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kulturnachrichten | 29. November 2019 | 11:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. November 2019, 10:38 Uhr

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