Georg Ott
Georg Ott, Restaurator für historische Klaviere und Initiator des "Zentrum für Musik" in Köthen Bildrechte: MDR/Mandy Schalast-Peitz

Klavierrestaurator und Prinzenhaus-Besitzer Georg Ott: "Wir brennen für die Köthener Bachfesttage"

Georg Ott ist Restaurator historischer Klaviere und hat sich über die Jahre eine kleine, feine Sammlung ausgewählter Tasteninstrumente angeeignet. Die will er im Prinzenhaus in Köthen ausstellen - ein Gebäude, das er mit viel Liebe wiederhergestellt hat und zu einem Ort der Köthener Bachfesttage werden ließ. Im Gespräch mit MDR KULTUR erzählt der gebürtige Hallenser von der besonderen Dynamik der Kleinstadt Köthen.

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Georg Ott, Restaurator für historische Klaviere und Initiator des "Zentrum für Musik" in Köthen Bildrechte: MDR/Mandy Schalast-Peitz

Georg Ott beginnt jeden Morgen mit einem Gang in den Garten - einen besonders schönen Garten, denn der gebürtige Hallenser lebt in einem Patrizier-Schloß von 1570. Schon immer fasziniert von historischen Gebäuden, hat es sich der Restaurator zur Aufgabe gemacht, dieses Schloss in Kirchensittenbach, im Nürnberger Land wieder herzurichten und instandzuhalten.

Vorliebe für die Kleinstadt Köthen

Mit dem Prinzenhaus in Köthen erwarb Georg Ott ein weiteres kleines Schloss. Mit der Bachstadt ist er seither besonders verbunden. Er schwärmt im Gespräch mit MDR KULTUR von den lebendigen, zugänglichen Einwohnern Köthens. Ott schätzt zudem die Geschlossenheit der Kleinstadt: Jeder habe eine Relevanz, man könne schnell mitmischen. Und das tut Georg Ott. Im historischen Prinzenhaus in Köthen hat er zusammen mit seiner Lebensgefährtin, der Pianistin Sylvia Ackermann, das "Zentrum für Musik" ins Leben gerufen. Dahin lädt er beispielsweise Künstler und Festivalbesucher nach dem offiziellen Programm der 27. Köthener Bachfesttage ein, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Brennen für die Köthener Bachfesttage

Die Köthener Bachfesttage stehen seit zwei Jahren unter dem Einfluss des Intendanten Folkert Uhde. Der veränderte das Konzept und gründete eine Kulturinitiative mit dem Ziel, in die Stadt hineinzuwirken. "Dynamischer kann es nicht laufen, was Folkert Uhde da jetzt bewegt hat", meint Georg Ott.

Neben einem Schlossfest und kürzeren Konzerten gehört auch das BachCollektiv zum neuen Konzept. Einmalig sei das, so Ott - Bachs Orchester wurde hier neu belebt mit Musikern der Weltspitze, Mayumi Hirasaki und Midori Seiler zum Beispiel. Und tatsächlich habe Bach einst in Köthen die Zusammenarbeit mit großen Musikern geschätzt. Es solle seine glücklichste Zeit gewesen sein.

Uhde gelänge in Köthen eine Kulturinitiative von unten her. Er schaffe den Boden, damit sich kulturelles Bewusstsein dort entwickeln könne, so Ott weiter. Viele kleine Städte im Osten hätten wichtige und reiche Traditionen, derer sie sich nicht bewusst sind. Wenn dann Kulturmanager von außen kommen, stießen sie oft auf Ablehnung. Hier aber brenne das ganze Team für die Köthener Bachfesttage.

Dass jemand das wirklich so konstruktiv meint, dass der Glauben an das Potential des Ortes da ist, das überträgt sich auf viele andere Beteiligte und daraus entsteht eine Dynamik, die am Ort zu spüren ist.

Georg Ott

Von Räumen und Instrumenten

Georg Ott wurde 1968 in Halle an der Saale geboren und wuchs dort auf. Als Kind habe er zwar Klavierspielen gelernt und auch Cello gespielt, aber zum Musiker habe es nicht gereicht - was blieb, war die Leidenschaft zur Musik. Nach dem Abitur absolvierte er eine Schreinerausbildung im VEB Waggonbau Ammendorf und arbeitete danach einige Monate beim VEB Denkmalpflege Leipzig. Ab 1989 war Georg Ott als Restaurator am Musikinstrumenten-Museum der Universität Leipzig beschäftigt.

Mein Antrieb ist Gestalten in jeder Hinsicht. Räume gestalten, Instrumente gestalten - und damit musikalische Erlebnisse schaffen.

Georg Ott
Georg Ott
Georg Ott am Klavier Bildrechte: Georg Ott

Die erste Pflicht ein Restaurators sei es, ein Stück zu erhalten und nicht zu überformen, wie es in der Vergangenheit häufig passierte. Früher habe man historische Instrumente komplett zerlegt und wieder aufgebaut. Das werde so nicht mehr gemacht, eher wolle man heute den Charme erhalten.

So sei die Restauration immer eine spannende Gratwanderung, und für Ott ist es jedes Mal ein besonderes Erlebnis, wenn ein altes Instrumente wieder spielbar ist. "Dann hat man plötzlich ein Zeitfenster ins 18. Jahrhundert" und ein neues, ungeahntes Klangerlebnis entstehe.

Das Prinzenhaus als Spielwiese

Neben besonderen Tasteninstrumenten liebt Georg Ott besondere Räume. Das Köthener Prinzenhaus sei seine "Spielwiese", sagt er. Zu DDR-Zeiten in Kleinstwohnungen unterteilt, gibt es hier heute immer wieder Neues zu entdecken. Historische Wände hätten immer eine Geschichte, sagt Ott. Er möge es, wenn sie noch unfertig wirken. Und am liebsten sei es ihm, wenn während seiner Restaurationsarbeit von irgendwoher ein Klavier erklingt. Seine Frau Sylvia ist Pianistin und ermöglicht ihm dieses Erlebnis gelegentlich.

Der Tischler Thomas Großkopf setzt im Spiegelsaal des Schlosses mit einem Mitarbeiter eine vergoldete Holzleiste an einer Spiegelfläche ein.
Frisch restauriert: der Spiegelsaal des Köthener Schlosses Bildrechte: dpa

"Räume verzaubern Menschen", sagt Ott und verweist auf den Spiegelsaal des Köthener Schlosses. Die feierliche Eröffnung des Spiegelsaals stehe erst noch bevor, doch Besucher der Köthener Bachfesttage haben die Möglichkeit, diesen besonderen Raum bei Konzerten vorab zu sehen. "Ich verspreche allen, die sich das mal anschauen möchten, es ist unfassbar", schwärmt Ott.

Eine wichtige Erfahrung, die Georg Ott bei seiner Arbeit als Restaurator über die Jahre gemacht hat: Das Restaurieren alter Räume sollte man von Anfang an genießen, jede Minute zum Austausch nutzen und mitnehmen, was einem das Gebäude gibt. Besser nicht warten, bis alles fertig ist, weiß Ott - denn wann und ob ein Projekt finalisiert wird, stehe meist in den Sternen.

Bis zur Alters-WG im Schloss

Wovon der zweifache Schlossbesitzer träumt? Im Alter ein Wohnprojekt im Schloss zu gründen! Schließlich gäbe es dort noch immer "immens Platz" in wunderschönen Räumen. So großzügig zu wohnen müsse nicht viel kosten, meint Ott. Vielmehr brauche es gute Ideen, wie man zusammenarbeiten und sich gegenseitig inspirieren kann. Eine Arte "Bunte Republik Köthen" schwebt ihm vor - das belebe auch den Ort weiter. In Köthen funktioniere das Zusammentreffen der Köthener mit Menschen, die von Außerhalb kommen, hervorragend. Für ihn ist es das Geheimnis erfolgreicher Netzwerke: inhomogen müssen sie sein - nur dann sind sie spannend.

Zum Hören

Georg Ott 44 min
Bildrechte: MDR/Mandy Schalast-Peitz

Köthener Bachfesttage Die 27. Köthener Bachfesttage finden vom 26. August bis 2. September statt. Eigens dafür wurde das "BachCollektiv" gegründet. 24 Musikerinnen und Musiker aus zehn Ländern kommen nach Sachsen-Anhalt, um gemeinsam auf Bachs Spuren zu wandeln. Neben 14 "großen" Konzerten gibt es am 1. und 2. September 23 Kurzkonzerte an Bachs Wirkungsstätten, unter anderem im frisch restaurierten Spiegelsaal des Köthener Schlosses.

Bevor am Nachmittag des 26. August die Bachfesttage mit einem "Vorspiel" beginnen, laden der Köthener Oberbürgermeister Bernd Hauschild und Bachfesttage-Intendant Folkert Uhde zu einem Flashmob vor dem Rathaus ein. Um 15 Uhr wird ein Fass Bier angestochen, um gemeinsam auf den berühmten Komponisten anzustoßen.

Sechs Jahre verbrachte Johann Sebastian Bach in Köthen. Den Soundtrack dazu liefert MDR KLASSIK mit einer Sondersendung, die am Rathaus live und über DAB-Radio, Smartphone oder Computer per Livestream zu hören sein wird.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR trifft ... | 25. August 2018 | 11:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Juli 2018, 09:10 Uhr

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Georg Ott 44 min
Bildrechte: MDR/Mandy Schalast-Peitz

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