Stifterfiguren Ekkehard und Uta des Naumburger Meisters
Berühmt im Naumburger Dom: die Stifterfiguren Ekkehard und Uta des Naumburger Meisters. Bildrechte: Jan Siegmeier, Werkblende

Gespräch mit Stiftungsdirektor Holger Kunde Naumburger Dom: Weltkulturerbe-Titel sorgt für mehr Besucher

Holger Kunde ist niemand, der die Hände in den Schoß legt. Als Stiftungsdirektor der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg hat er die Bewerbung des Naumburger Doms als Weltkulturerbe intensiv begleitet. Bei MDR KULTUR erzählt er vom Tag der Entscheidung in Bahrain, seinen Plänen für den Naumburger Dom und welche Herausforderungen der Welterbe-Titel mit sich bringt.

Stifterfiguren Ekkehard und Uta des Naumburger Meisters
Berühmt im Naumburger Dom: die Stifterfiguren Ekkehard und Uta des Naumburger Meisters. Bildrechte: Jan Siegmeier, Werkblende

An einem heißen Sommertag im Juli 2018 ist Holger Kunde, Direktor der Stiftung Vereinigte Domstifter zu Merseburg und Naumburg, nach Bahrain gereist und schwenkt dort stellvertretend für alle Naumburger die Stadtfahne. Bei seiner Sitzung hat das UNESCO Welterbe-Komitee den Naumburger Dom zum Weltkulturerbe ernannt – endlich, nach drei Anläufen.

"Ich war am Ort des Geschehens mit der deutschen Delegation. Es war unglaublich heiß in Bahrain, 44 Grad", erinnert sich Kunde bei MDR KULTUR.

Wir haben noch in letzter Minute um Zustimmung für den Dom geworben. Dass es noch mal so spannend wird, war nicht vorherzusehen.

Holger Kunde

Vom Historiker zum Stiftungsdirektor

Holger Kunde ist promovierter Historiker. Er wurde 1968 in Halle geboren, zwei Jahre später zog seine Familie nach Leipzig. Nach einem Semester Volkswirtschaft studierte Kunde ab 1990 Geschichte, Kunstgeschichte und historische Hilfswissenschaften in Halle und Bamberg. Seit 2007 ist Kunde Direktor der Stiftung Vereinigte Domstifter zu Merseburg und Naumburg.

Als Domstiftungsdirektor hat er den Bewerbungsprozess für den Welterbe-Titel intensiv mitbegleitet. In der Naumburger Region hofft Kunde jetzt auf internationales Publikum. In den kommenden Jahren soll ein Weltkulturerbe-Zentrum als Anlaufpunkt für Besucher errichtet werden. "Welterbe verpflichtet auch!", so der Stiftungsdirektor.

Großes Potenzial beim internationalen Publikum

Schon jetzt beobachtet Kunde, dass sich seit der Entscheidung im Juli etwas verändert hat.

Wenn wir das mit den Zahlen vom letzten Jahr vergleichen, kommen wir seit dem Welterbe-Titel auf etwa 20 Prozent mehr Touristen.

Holger Kunde

Vor allem, was internationales Publikum betrifft, sieht Kunde großes Potenzial. Bevor der Naumburger Dom Welterbe wurde, habe es jedes Jahr nur etwa drei bis fünf ausländische Touristen gegeben, erzählt der Stiftungsdirektor. "Das muss sich ändern!" Touristen aus dem Ausland sieht Kunde als Herausforderung, denn darauf müsse man sich in der Region einstellen. "Wir müssen die Infrastruktur in der Region noch Welterbe-fähiger machen", so Kunde, "das heißt unter anderem: Sprachkenntnisse wie Englisch und Französisch verbessern."

Nach der Freude um den Welterbe-Titel im Sommer ist also wieder Arbeit angesagt. So schnell wird Holger Kunde die Hände wohl nicht in den Schoß legen.

Der Naumburger Dom, fotografiert vom Turm einer anderen Kirche
Im Juli wurde der Naumburger Dom von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. September 2018 | 11:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. September 2018, 16:37 Uhr